Todesstätte

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: HarperCollins, 2005, Titel: 'The Dead Place', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2007, Seiten: 543, Übersetzt: Thomas Bauer

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Eva Bergschneider
Reichlich Tote - wenig Spannung

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Sep 2007

Todesstätte ist der sechste Kriminalroman des britischen Autors Stephen Booth der Ben Cooper und Diane Fry-Reihe. Dieses gegensätzliche Ermittler-Duo, das in Edendale im ländlichen Peak-Distrikt Verbrechen aufklärt, konnte zahlreiche Krimi-Leser begeistern. "Dunkle Spannung" und "Nichts für schwache Nerven" versprechen die Kommentare auf dem Buchcover. Das Rätsel um die "Todesstätte" beginnt viel versprechend; mit einem mysteriösen Telefonanruf.

Unheimliche Ankündigung

 

"Bald wird sich ein Mord ereignen. Vielleicht geschieht er schon in den nächsten Stunden."

 

teilt ein anonymer Anrufer der Polizei in Derbyshire mit. Detective Sergeant Diane Fry glaubt zunächst, ein Spinner erlaube sich einen makaberen Scherz. Dennoch ruft der Tonfall, mit dem er das Töten und Sterben in allen Einzelheiten schildert, in Diane eine alte Erinnerung wach, die ihr sichtlich zu schaffen macht.

Als auch noch die Büroangestellte Sandra Birley aus einem Parkhaus entführt wird, scheint die Schlussfolgerung, dass der Todesfanatiker sein Opfer bereits gefunden hat, auf der Hand zu liegen.

Unerwarteter Leichenfund

Oder hat der vermeintliche Mörder schon vor langer Zeit zugeschlagen und schaut zu, wie sich der tote Körper in seine Bestandteile auflöst?

Detective Constable Cooper beschäftigt sich mit einem grausigen Leichenfund. Die Frau, die Spaziergänger im Ravensdale-Tal gefunden haben, ist bereits seit 18 Monaten tot, ihr Leichnam bis zur Unkenntlichkeit verwest. Tom Jarvis Grundstück grenzt an den Wald, in dem die Leiche so lange unbemerkt gelegen hat. Warum hat keiner seiner vier Hunde den Verwesungsgeruch bemerkt? Oder hat jemand die Leiche erst später in das Wäldchen geschafft, nachdem sie für ein bizarres Ritual verwendet wurde?

Skurrile Figuren

Charakterliche Gegensätze prallen bei dem Ermittler-Duo Ben Cooper und seiner Chefin Diane Fry aufeinander. Die Polizistin ist bekennender Stadtmensch und lässt keine Gelegenheit aus, ihren aus dem Peak-Distrikt stammenden Constable als Landei zu verspotten. Und doch weiß auch sie seine Kenntnisse über die typischen Gewohnheiten und Eigenarten der Menschen zu schätzen. Der Autor grenzt die so unterschiedlichen Typen durch eine sorgfältige Personenzeichnung und mit sprödem Humor von einander ab. Die Milieu typischen, schnodderigen Dialoge gehören zu Pluspunkten dieser Krimi-Reihe.

Der Autor scheint ein Faible für Außenseiter zu haben. Dem eigenwilligen Tom Jarvis nimmt man den einfachen Handwerker vom Land nicht ohne weiteres ab. Er scheint mehr zu verbergen, als die Duldung von Wilderen auf seinem Grund. Der pensionierte Professor Robertson erforscht Sterberituale und die Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens Hudson & Slack grenzen sich vom Rest der Kleinstadtbevölkerung bewust ab.

Booth kreiert mit seiner detailverliebten Charakterisierung von Land und Leuten eine ganz eigene, dichte Atmosphäre.

Suche nach dem Verbrechen und der Spannung

Bezeichnender Weise liest man folgende Aussage des Constables Cooper auf Seite 250, fast nach der Hälfte des Buches:

 

"Ein Mörder, den wir nicht identifizieren können, plant den Tod eines Opfers, das wir nicht kennen, aus Gründen, die wir uns nicht vorstellen können."

 

Es passiert nicht wirklich viel. Die Handlung in Todesstätte ist ungefähr so dynamisch, wie die Kaubewegungen der englischen Schafe auf ihren mit Steinwällen eingefriedeten Weiden.

Weder die Tätigkeit der Bestatter, noch der Fund eines Massengrabes voller Schädel und auch nicht die Ausführungen der vom Tod besessenen Protagonisten reichen aus, um Beklemmung aufkommen zu lassen. Viel zu lange ist keine Bedrohung greifbar, die Suspense auslösen könnte. Die Entdeckung der Langsamkeit wird hier arg über strapaziert. Der vergleichsweise dramatische Show-Down kann das bis dahin zähe Geschehen auch nichts mehr aufwiegen. Schade, aus den viel versprechenden Ansätzen hat der Autor leider viel uninspirierte Langeweile erschaffen.

Obwohl Charaktere und Flair überzeugen, reicht es für Stephen Booths sechsten Krimi aus dieser Reihe nur zu einer knapp durchschnittlichen Bewertung. Liebhabern spannender Kriminalliteratur kann Todesstätte nicht empfohlen werden.

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