Februarblut

  • KBV
  • Erschienen: Januar 2007
  • Hillesheim: KBV, 2007, Seiten: 240, Originalsprache
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension vonApr 2007

Klassicher Plot ohne High-Tech-Schnick-Schnack

Rheinbach in der Voreifel, Februar 1953. In einer alten Bunkeranlage auf dem Gelände des Rheinbacher Klosters entdeckt eine Ordensschwester die Leiche des erhängten Journalisten Gerd Schragen. Als kurze Zeit später der Bonner Kommissar Walter Seibold in Rheinbach eintrifft, um die beiden Dorfpolizisten Anton Vornhagen und Manfred Raaf bei ihrer Arbeit zu unterstützen, ist die Leiche bereits abtransportiert worden. Kein guter Start also für eine Zusammenarbeit, zumal sich der aus Sachsen stammende Seibold ohnehin mit den ländlichen Gepflogenheiten zunächst schwer tut - und das auch noch kurz vor Beginn der närrischen Karnevalstage.

Nur drei Tage später wird Hans-Georg Schwind ermordet in einer kleinen Kapelle aufgefunden. In seiner Manteltasche findet Seibold einen Zettel, auf dem auch Schragens Telefonnummer steht. Wenig später ergeben die Ermittlungen, dass Schragen hohe Schulden bei dem Bauunternehmer Eschweiler hatte, der daraufhin seine Tätigkeiten einstellte. Schwind arbeitete anschließend schwarz an Eschweilers Stelle weiter. Auf Veranlassung des Staatsanwaltes wird am nächsten Tag Eschweiler, der Schwind zuvor öffentlich bedrohte, in Untersuchungshaft genommen, doch während Seibold und Vornhagen noch mit dem Tatverdächtigen nach Bonn unterwegs sind, geschieht in Rheinbach bereits der nächste Mord. Hier scheint der Hintergrund jedoch klar zu sein; eine Kneipenstreitigkeit vom Vorabend. Nur Seibold vermutet, dass die Morde miteinander in Verbindung stehen, allerdings behindern die Karnevalstage die Ermittlung erheblich. Prompt gibt es weitere Tote in Rheinbach...

Lokalkolorit wird groß geschrieben

Der Debütroman von Bernd Schumacher besticht zunächst durch seine ruhige Erzählweise, welche einen Einblick in das Deutschland der Nachkriegszeit und das ländliche Leben in der Voreifel gibt. Gelungen wird das Dorfleben und seine Menschen vorgestellt, wobei gerne (allerdings nur selten) auch mal der rheinländische Dialekt im Originalwortlaut einfließt, was diesbezüglich sprachunkundige Leser aber keineswegs abschrecken sollte. Viel Lokalkolorit ist bei diesem Buch selbstverständlich, da der Autor seit langer Zeit in Rheinbach lebt und hier umfangreich für seinen Roman recherchiert hat. Der Fall selbst ist frei erfunden, dennoch finden sich "reale" Personen, Orte und Ereignisse aus der damaligen Zeit wieder.

"Februarblut" ist ein klassisch aufgebauter Kriminalroman, der dank der Zeit in der er spielt ohne den ganzen heutigen High-Tech-Schnick-Schnack auskommt. Ein Telefon in der Schublade der Polizeiwache statt Handys an allen Orten und als Fortbewegungsmittel muss eine NSU herhalten. Herrlich! Dazu passend gibt es am ersten Tag zur "Begrüßung" Bockwurst mit Kartoffelsalat, welch' Delikatesse. Die Ermittlungsarbeit von Seibold und seinen beiden Rheinbacher Kollegen wird detailliert beschrieben, wenngleich diese über lange Zeit nicht von der Stelle kommen. Für den Leser einerseits etwas unbefriedigend, andererseits sicherlich (in vielen Fällen) authentisch.

Einziger Schwachpunkt dieses kurzweiligen und aus oben genannten Gründen sehr angenehm zu lesenden Romans ist dessen Auflösung, die etwas arg plötzlich daher kommt und auf die man sich im Verlauf der Handlung zumindest einen kleinen Hinweis erwünscht hätte. Nun ja, immerhin war es nicht der Gärtner!

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