Der Grenzgänger

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Helsinki: Gummerus, 2002, Titel: 'Tappajan näköinen mies ', Originalsprache
  • Dortmund: Grafit, 2007, Seiten: 222, Übersetzt: Gabriele Schrey-Vasara
  • Dortmund: Grafit, 2008, Seiten: 222

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Thomas Kürten
Protagonist mit Potenzial

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mär 2007

Ulrich Wickert hat es ihm vielleicht vorgemacht: So wie Mr. Tagesthemen inzwischen Krimis schreibt, so hat auch der finnische Nachrichtensprecher Matti Rönkä sich abseits der Meldungen aus aller Welt an seinen Schreibtisch gehockt und einen Roman verfasst. Herausgekommen ist mit "Der Grenzgänger" ein Kriminalroman in skandinavischer Tradition, geprägt von gesellschaftskritischen Tönen und einer unterschwelligen Melancholie, die den Leser über die gesamten 222 Seiten begleitet. Und das gefällt den Finnen, denn Rönkä sahnte mit seinem Debüt den finnischen Krimipreis ab.

Besonders begeistern kann der Roman durch seinen Protagonisten Viktor Kärppä, dessen Familie einst Finnland in Richtung Russland verlassen hatte, der aber allein in die alte Heimat zurückgekehrt ist. In der Hauptstadt Helsinki betreibt er ein Detektivbüro und tritt oft als Vermittler für die vielen Einwanderer aus Russland auf. Er hilft ihnen mit Formular- und Antragskram finnischer Behörden oder bei der Suche nach Angehörigen. Gleichzeitig überschreitet er mitunter die Seiten des Gesetzes und erledigt Botendienste für die Bosse der örtlichen Russenmafia. Kärppä ist der Grenzgänger, nicht nur zwischen Gut und Böse, sondern auch zwischen Finnland und Russland, und er muss in beiden Fällen eine moralische Kluft überwinden. Eine Kluft von Ungleichheit und Ungerechtigkeit, an der Kärppä seine ganz eigene Moral definiert:

 

Ich töte nicht, schlage nicht und raube nicht, aber wenn ich bei Dingen helfen soll, durch die ein Staat oder ein reicher Mensch ein bisschen weniger einsackt, und wenn ich dadurch meinen Lebensunterhalt verdiene, dann bin ich dabei. Und dass raubt mir nicht den Schlaf. Basta.

 

Eine Frau verschwindet

Der Fall, für den Kärppä engagiert wird, hat eine gewisse Brisanz: Sirje Larrson ist verschwunden. Ihr Mann, der Antiquar Aarne Larrson, wendet sich an Kärppä, weil dieser sich in den Kreisen der russischen Gemeinde in Helsinki bestens auskennt. Auf den ersten Blick Routine. Sirje ist jedoch die Schwester von Jaak Lillepuu, Chef der estnsichen Drogenmafia. Der wiederum wird von Kärppäs Jugendfreund Karpow sowie dessen Handlanger Ryschkow verdächtigt, ein Lager mit Hehlerware der russischen Mafia ausgeraubt zu haben. Eine Spur zu Sirje findet Kärppä zunächst nicht, aber er gerät zwischen die Fronten der konkurrierenden Banden.

Als seine Mutter krank wird, nutzt er das um unterzutauchen und in der russischen Heimat Abstand vom Tagesgeschäft zu finden. Zurück in Helsinki lenken zwei Morde ihn auf eine Fährte. Aber ist es auch die richtige Fährte?

Mangelnde Integration wird verurteilt

"Der Grenzgänger" ist ein Kriminalroman in teilweise typisch skandinavischer Schreibart. Der Konflikt zwischen Finnen, Russen und den Menschen, die der Grenzgang heimatlos gemacht hat, bestimmt über weite Strecken die Stimmung dieses Romans. Das bei einer weit geöffneten sozialen Schere die Kriminalität auf einfache Weise Nahrung erhält, wird dem Leser dabei weitgehend beschrieben, ohne dass der Autor eine Wertung abgibt. Es gibt aber auch Passagen, da schildert Rönkä ganz treffsicher, warum mangelnde Integration zu den gesellschaftlichen Missständen entscheidend beiträgt.

Wie bereits eingangs erwähnt ist die entscheidende Stärke dieses Romans die Hauptfigur Viktor Kärppä. Anders als andere skandinavische Ermittler ist er weder schwermütig, alkoholkrank oder sonstwie psychisch labil. Sein Opportunismus ist mitunter erfrischend, die Sorgen um seine Mutter machen ihn zu einem greifbaren Charakter. Was ihm zu wünschen bleibt, wäre ein etwas ansprechenderer Fall, in dem er ermitteln könnte. Die Kriminalhandlung bleibt über lange Strecken blass, tritt teilweise über mehrere Seiten komplett aus dem Fokus und kommt erst im Schlussdrittel richtig in Fahrt. Nur hierdurch wird der gute Gesamteindruck etwas getrübt.

Der Grenzgänger

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Letzte Kommentare:
02.05.2010 23:47:57
mylo

Nun ich fand das Buch nicht so berauschend wie es in manchen Rezensionen zu lesen ist. Eine nicht mehr als durchschnittliche Geschichte, nicht sehr übermäßig interessante Handlungsstränge, nein der Große Wurf ist das nicht. Auch die Spannung habe ich vermist. Deutscher Krimipreis? Na ja, konnte da nicht wirklich was finden was dies rechtfertigt.
Nein mit 70 Punkten ist das Buch mehr als gut belohnt. Und dies aber auch nur weil die Hauptperson eine halbwegs interessante Erscheinung und gut beschrieben ist.

15.05.2008 10:23:55
lilo

Ich habe mir wohl zu viel erwartet aufgrund der vielen Vorschusslorbeeren. Eine schlechte Arkadi Renko Kopie für meinen Geschmack! Sehr unglaubwürdige Zufälle ergeben eine in sich nicht sehr konsistente Geschichte, Kleinganoven des Ostens unterwegs! Ich war enttäuscht von diesem Buch! Die gesellchaftspolitischen Einblicke, die in der vorigen Rezension angeführt sind muss ich überlesen haben!

02.06.2007 17:54:02
buchschön

Auch ich fand diesen Krimi gut. Allerdings kam er tatsächlich erst sehr spät richtig in Fahrt. Am Anfang fehlte mich doch etwas der Schreibschwung. Aber trotzdem empfehlenswert gerade wegen der gesellschaftspolitischen Einblicke zu einem Thema, das uns sonst nicht so sehr beschäftigt.

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