Ein todsicherer Job

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 480, Übersetzt: Jörn Ingwersen

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Anna Mehlmann
Der Tod und seine kleinen Helfer. Oder: Was sie schon immer über das Leben nach dem Tod wissen wollten, sich aber nie getraut haben zu fragen.

Buch-Rezension von Anna Mehlmann Feb 2007

Christopher Moore hat mit seinem Thriller "Ein todsicherer Job" ein absolutes Meisterwerk aus schwarzem Humor und bissiger Ironie geschaffen und geschafft, gleichzeitig eine gefühlvolle Liebesgeschichte zu erzählen.

Kein Buch ohne Vorgeschichte

Charlie Asher ist das typische ²-Männchen. Unauffällig und unsicher führt er seinen Laden (ein Geschäft für alte Kleider und anderen Ramsch) und erwartet nicht wirklich viel vom Leben, bis zu dem Tag, als er Rachel kennen lernt. Rachel wird seine große Liebe. Die beiden heiraten und alles scheint perfekt, besonders als Rachel schwanger wird. Charlie entwickelt die übliche Paranoia, die jeden werdenden Vater befällt. Von allen Seiten sieht er seine schwangere Frau und das ungeborene Baby (das nach Charlies fester Überzeugung mit einem Schwänzchen auf die Welt kommen wird) bedroht. In seiner für alle ²-Männchen typischen Sorge weicht er Rachel bei der Geburt der Tochter Sophia und auch danach nicht von der Seite. So lange bis Rachel ihn entnervt nach Hause schickt. Als Charlie ins Krankenhaus zurück kommt steht ein schwarzer Mann in einem grünen Anzug an Rachels Bett und Rachel ist tot.

Wieso erklärt man dem Tod den Krieg?

Und hier beginnt die eigentliche Geschichte, die Christopher Moore in "Ein todsicherer Job" erzählt. Charlie ist der einzige, der den grüngekleideten Mann an Rachels Bett gesehen hat. Jeder vernünftige Mensch würde diesen also eher für eine stressbedingte Erscheinung halten, wäre da nicht die Tatsache, dass die Menschen rund um Charlie fortan sterben wie die Fliegen. Aber nicht etwa eines natürlichen Todes, sondern immer mehr oder minder gewaltsam.

Die Tatsache, dass er bei den sterbenden Menschen leuchtende Gegenstände sieht, trägt nicht gerade zu Charlies Beruhigung bei. Als schließlich in seinem Kalender, Namen von Menschen auftauchen, die Charlie zwar nicht kennt, die aber binnen kürzester Zeit sterben, kommt Charlie immer mehr zu der Überzeugung der Tod selbst zu sein. Und es bedarf einiger seltsamer Begebenheiten und Erlebnisse bis Charlie erkennt, dass nicht er der Tod ist, sondern, dass es von nun an seine Aufgabe zu sein scheint, Seelen auf dem Weg in ihr nächstes Leben zu helfen. Dies alles wäre für Charlie als braves ²-Männchen machbar, wäre da nicht noch die Sache mit seiner kleinen Sophia, die von den zwei seifenfressenden Höllenhunden, Mohammed und Alvin bewacht wird und die die Fähigkeit besitzt, Menschen und Tiere mit dem Wort "Mietzi" ins Jenseits zu befördern. Plötzlich auftauchende Wesen aus der Unterwelt, die Charlie nach dem Leben trachten, bringen das Fass zum Überlaufen und so erklärt das brave und unauffällige ²-Männchen Charlie Asher dem Tod den Krieg.

Ein Thriller mit Tiefgang

Wer jetzt glaubt, dass es sich bei "ein todsicherer Job" um einen reißerischen Thriller, ohne Verstand handelt, der irrt sich ganz gewaltig. Trotzdem die Geschichte absurd klingt, oder gerade deshalb, wir der Leser überrascht, von der Art und Weise mit der sich der Autor mit einem der schwierigsten Themen der Literatur auseinander setzt. Denn obwohl Christopher Moore die Menschen in "Ein todsicherer Job" sterben lässt wie die Fliegen, vergisst er nicht, dass um fast jeden Menschen getrauert, wird und dass jeder Mensche durch seinen Tod eine Lücke hinterlässt, welche die Hinterbliebenen mit solchem Schmerz erfüllt, dass selbst das Wissen, um das Aufsteigen der Seele, in eine neue bessere Ebene nur ein schwacher Trost sein kann.

Moore lässt trotz seiner blumigen und manchmal geradezu brutalen Art die Dinge zu beschreiben zu, dass seine Protagonisten lebendige fühlende, liebende und trauernde Menschen bleiben. Dadurch, dass er den Leser einen Blick auf die Arbeit von Hospizschwestern werfen lässt und aufzeigt welche großartigen Leistungen diese tagtäglich vollbringen, verleiht er seinem Buch eine Tiefe, die man hinter der witzigen Aufmachung nicht vermuten würde.

Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Religionen und deren Beziehung zum Tod bzw. zum nächsten Leben erfolgt bei Christopher Moore auf eine humorvolle und respektlose Art und Weise, wirkt aber nie beleidigend oder abwertend. Seine Sprache stammt eindeutig aus dem hard-boiled Krimi. Brutale Szenen werden sehr detailiert beschrieben. Trotzdem hat der Leser nie das Gefühl, dass Brutalität um ihrer selbst willen eingesetzt wird. Vielmehr ist sie Mittel zum Zweck. Man wird durch die Beschreibung von Szenen gefesselt und geradezu gezwungen weiter zu lesen, bis man schließlich erfährt, was es mit dem Tod, den Seelen und dem nächsten Leben auf sich hat.

Ein Meisterwerk aus schwarzem Humor, Ironie und bestens aufgebautem Thriller. Jedem zu empfehlen, den liebevoll durchdachte, respektlose und bitterböse Unterhaltung fasziniert. Aber sicher nichts für Fans von klassischen Landhauskrimis, mit geklärten Fronten zwischen Gut und Böse und einer Tasse Tee um fünf Uhr.

Ein todsicherer Job

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Letzte Kommentare:
11.10.2018 09:21:39
Effi

Als Hörbuch absolut super! Toller Humor, super gelesen! Ich mag ansonsten keine Fantasy-Bücher, bin davon ausgegangen, es sei ein "normaler" Krimi. Trotzdem bin nicht enttäuscht worden. Am Anfang war ich zwar etwas irritiert, aber schon sehr bald wurde es super lustig! Die vielen verschiedenen Stimmen/Stimmlagen sind sehr gut gelungen! Kompliment!

13.10.2015 14:20:20
MoeGreen

Ich habe das Buch als Hörbuch bei Audible (gelesen von Simon Jäger) genossen und es ist zu meinem persönlichen Lieblingsbuch geworden. Manche Stellen sind einfach brüllend komisch, wenn man auf schwarzen Humor steht und die ausgeprägte Gabe des Kopfkinos besitzt. Ich habe das Buch bereits mehrfach gehört und muss jedes Mal wieder lachen.

10.11.2014 09:05:56
Olli

Ich habe es als Hörbuch gehört und finde das Buch weder spannend noch irgendwie interessant. Nach einigen Stunden des Hörens habe ich es dann aufgegeben und vom Player gelöscht. Es mag vielleicht irgendwann spannend werden, aber eine Geschichte sollte mich nach den ersten Seiten (Minuten) erfassen. Ich vermute, es ist nicht mein Genre.

18.02.2013 11:49:30
Pestilencium

Das Buch hat mir ganz gut gefallen, bei den letzten 50 Seiten wollte ich allerdings wirklich bald das Ende lesen. Leider ist auch Moore nicht davor gefeit, einen Charakter auftauchen zu lassen, der rein von der Geschichte her gar nicht hätte auftauchen müssen (ist bei John Niven auch der Fall). Ich finde, das hat die Story unnötig verlangsamt und mir leider auch den Reiz bzw. die Lust genommen. Jetzt hab ich das Buch fertiggelesen - es ist ein tolles Buch, ganz mein Geschmack (bis wie erwähnt auf den letzten Seiten).

28.10.2010 18:31:09
lesemaus_93

War mein erstes Buch von Christopher Moore, und ich bin begeistert.
Der Witz ist einfach einzigartig und genau mein Geschmack.
Der Ausgang der Geschichte ist zwar nicht ganz mein Fall, aber ich kann damit leben. Solche Wendung erwartet man nicht. Selten, das dem Protagonist des Buches einmal so etwas ähnliches passiert.

Ich kann dieses Buch nur empfehlen.

02.11.2008 10:46:52
viki =]

eindeutig das beste buch nach "die Biebel nach Biff"!

Obwohl ich sonst nie fantasy-bücher lese ist dieses buch, trotz siner fantasy einflüsse großartig! gerade wegen seiner ironie und der enorm realistisch-beschriebenen "unterwesen" lässt es sich so flüssig und leicht lesen. Es lässt einem jedoch auch keine ruhe wenn man es gerade nicht in den händen hält!

wie gesagt einfach großartig
und auf jeden fall lesenswert!

viel spass beim lesen =]

26.06.2008 16:03:10
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Grundsätzlich hat mich dieses Buch richtig gut unterhalten, obwohl es völlig anders ist, als die Bücher, die ich sonst gerne lese.
Ich hatte vorher hier die Kritiken gelesen und ahnte also worauf ich mich einlasse.
Beim Lesen hatte ich in jedem Fall meinen Spaß, trotz der Phantasy-Elemente. Selten so ein anrührendes, lustiges, nachdenkliches und lebensbejahendes (obwohl es um den Tod geht) Buch gelesen.

15.06.2008 11:36:06
René Browarski

Einfach ein klasse Buch!

Jeder der Interessiert ist an leicht fantasie bestückten Romanen über die wirkliche Welt sollte sich dieses Buch zulegen.
Aber auch all diejenigen welche sich an einer immer wieder aufs neue erstaunenden belustigung des Lesers erfreuen. Wer gerne bei Büchern anfängt zu lachen und sich ein schmunzeln ungern verkneift sollte zu diesem Buch greifen!

Sehr gut zum weiterreichen und zum Lebensfreude verteilen!

Die Personen wachsen schnell ans Herz und sind humorvoll charakterisiert!

Ein gelungenes Buch!

07.04.2008 22:49:05
kraehenfrau

Ein großartiges Buch!!! Großartig ... wie Bär... :o)

Darüber hinaus noch ein unbeschreibliches Buch. Vorallem ein Buch, was zusammenfassend kaum zu beschreiben ist. Ein Geschichte mit viel Feingefühl und Geschick für ein ernstes Thema. Trotzdem eine Geschichte, bei der man Tränen lacht, die urkomisch ist und eine Art von (schwarzem) Humor mit sich bringt, wie man ihn leider viel zu selten lesen kann. Eine perfekte Mischung das Buch in einer Nacht zu verschlingen, viel zu lachen und trotzdem nicht zu vergessen, um was es eigentlich geht.

Am liebsten würde ich es gleich noch einmal von vorne beginnen... wie Bär...