Karrieresprung

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2006, Seiten: 230, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Solide, aber spannungsarm

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Apr 2006

Stefan Knobel beginnt seine Anwaltslaufbahn in der renommierten Kanzlei von Dr. Hübenthal, dessen Sozius Löffke ihm zunächst mit reiner Recherchearbeit beschäftigt. Dies ändert sich schlagartig, als Knobel einen Fall übertragen bekommt, in dem es eigentlich nur um feuchte Wände in einem Haus geht, für den der Kläger einen Teil des Kaufpreises zurück fordert. Dieser scheinbar harmlose Fall entpuppt sich aber für Knobel als die große Chance seine Karriere voran zu treiben, denn der Beklagte bzw. sein Mandant ist der Industrielle Tassilo Rosenboom, der wichtigste Klient der Kanzlei. Der Prozess ist leicht gewonnen, da Knobel bemerkt, dass die Verjährungsfrist bereits überschritten wurde. Rosenboom ist - trotz der einfachen Lösung des Falles - von dem jungen Anwalt begeistert und bittet ihn fortan, alle seine privaten Rechtsangelegenheiten zu regeln. In der Folge stehen mehrere Prozesse gegen einen Herrn Weinstein an, deren Sinn sich Knobel nicht erschließen will. Doch als folgsamer Anwalt, der dem Einfluss Rosenbooms nach nur acht Monaten bereits die Sozietät einschließlich eines teuren Wagens zu verdanken hat, verteidigt er seinen Mandanten nach Kräften. Im Laufe der Zeit wird Knobel jedoch neugierig und beginnt über die Hintergründe der merkwürdigen Prozessaktivitäten seines Gönners mit Hilfe einer Studentin Nachforschungen anzustellen und erfährt recht bald, welche Verbindung zwischen Rosenboom und Weinstein besteht. Auch die Kanzlei selber ist nicht völlig unbeteiligt...

Dass eine Story um Prozesse wegen feuchter Hauswände und ähnlicher Belanglosigkeiten nicht die Grundlage eines Kriminalromans bilden kann versteht sich von selbst und so dienen diese oftmals aussichtslosen Scheingefechte in erster Linie dazu, den jungen Anwalt Knobel immer enger an seinen Mandanten zu binden. Dabei stellt sich zunehmend die Frage, wo die Grenze zwischen Berufsehre und Loyalität dem Mandanten gegenüber zu ziehen ist. Genauer: Darf - oder muss sogar - ein Anwalt Gesetze missachten, um für seinen Klienten das bestmögliche Ergebnis zu erzielen?

"Karrieresprung" ist denn auch mehr eine Art ruhiger, feiner Suspence-Thriller im Stile von "Im Auftrag des Teufels" oder "Die Firma", in dem ein junger Anwalt langsam, mitunter perfide und unwissentlich in den Sog seines Auftraggebers bzw. seiner Kanzlei gezogen wird. Allerdings haben hier weder der Teufel noch die Mafia ihre Hände im Spiel, sondern nur..., aber das hatten wir ja schon oben.

Der Handlungsaufbau gestaltet sich ebenso langatmig wie geradlinig, wobei der Autor seine eigenen Berufserfahrungen als Rechtsanwalt fundiert einfließen lässt, ohne dabei die Nichtjuristen unter seinen Lesern zu überfordern. So könnte das Buch problemlos den Titel "Meine ersten Monate als Anwalt" tragen, wenn sich nicht noch der auf dem Buchrücken angekündigte Mord ereignen würde. Aber da sind schon fast 200 Seiten vorbei und es folgen keine 30 weiteren Seiten mehr. Es läuft also alles auf den (nennen wir es so) "Showdown" hinaus, sprich auf die Frage, wie sich Rechtsanwalt Knobel verhalten wird. Sagt er die Wahrheit und opfert womöglich seine Karriere oder findet er einen Weg, das Gesetz zu umgehen? Alles natürlich zum Wohle seines Mandanten - und der Kanzlei. Leider wird die Antwort auf diese Frage bereits durch den Buchtitel beantwortet.

"Karrieresprung" ist (nicht nur) für Jura-Studenten lesenswert, wenngleich die Thematik hinlänglich bekannt ist. Klaus Erfmeyer erfindet das berühmte Rad nicht neu, schreibt aber einen soliden, leider etwas spannungsarmen Debütroman, dem ein wenig "Action" gut getan hätte.

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Letzte Kommentare:
24.02.2014 14:03:47
uknig

Als Bewohner der Dortmunder Oststadt freut sich der Leser natürlich über den Lokalkolorit. Die imposante Villa der Kanzlei, das Gericht, das Restaurant Dubrovnik (das es seit kurzem nicht mehr gibt) – alles bekannte Orte.
Der Autor ist Rechtsanwalt und kennt das Milieu sehr gut. Aber der Krimi-Plot ist doch sehr dürftig, das Ende kommt sehr abrupt und viel zu früh. Selten fand ich einen Schluss so unbefriedigend. Eigentlich ist es eher ein Roman, der die Karriere des jungen Juristen Stefan Knobel schildert. Schade, eigentlich hatte ich mich schon gefreut, dass sich die Geschichte ähnlich wie John Grishams „Der Klient“ langsam aufbaut. Das war leider nicht so.

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