Der zerrissene Rosenkranz

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Knecht, 2005, Seiten: 320, Originalsprache

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Peter Kümmel
Ein Moraltheologe als Ermittler

Buch-Rezension von Peter Kümmel Sep 2005

Eine junge Frau stürzt spät abends in Bamberg von einer Böschung auf die Straße. Dort wird sie von einem Lkw erfasst und tödlich verletzt. Das Ereignis wäre wahrscheinlich als Unfall deklariert worden, wenn sich nicht ein Zeuge gemeldet hätte, der eine zweite Person gesehen hat, die die junge Frau auf die Straße gestossen hat. Einziges Indiz für die Polizei ist der titelgebende zerrissene Rosenkranz, der bei der Frau gefunden wurde, der die Ermittler aber nicht weiter bringt. Der Rosenkranz kann der Toten gehört haben oder dem Täter, er kann aber genauso gut auch schon vorher dort gelegen haben.

Wie kommt aber nun unser Protagonist, der Moraltheologe Philipp Laubmann, ins Spiel? Laubmann ist 39 Jahre alt und arbeitet als Assistent an der katholisch-theologischen Fakultät. Nebenbei beschäftigt er sich mit seiner Habilitation. Laubmann ist alleinstehend, aber er ist kein Priester, wenn er auch eine spätere Berufung für sich selber nicht völlig ausschließt. Als Laubmann zwei Tage nach dem Unglück, von dem er bis dahin noch keine Kenntnis hat, in der Bibliothek seinen Studien nachgehen will, hört er aus der oberen Etage ein Weinen. Er geht dem Geräusch auf den Grund und findet Professor Erich Konrad weinend auf dem Boden sitzend vor.

Heirat trotz Zölibat

Der Priester Konrad ist völlig verzweifelt, da es sich bei dem Opfer um seine Geliebte Franziska Ruhland gehandelt hat. Trotz des Zölibats hatte das Paar beschlossen zu heiraten. Erst aus der Zeitung hatte Konrad von Franziskas Tod erfahren. Da Laubmann über Kontakte zur Polizei verfügt (aus einem früheren Fall von Gelddiebstählen, genaueres erfährt man nicht), bittet Konrad ihn um Unterstützung. Er möchte zwar, dass der Mörder gefunden wird, will selber aber nicht in die Sache hineingezogen werden.

Laubmann trifft sich zunächst mit dem ermittelnden Kommissar Dietmar Glaser. Konrad aus dem Spiel halten kann er nicht, da dessen Foto bereits bei der Toten gefunden wurde. Außer der genauen Tatzeit sowie dem Rosenkranz hat die Polizei keine Anhaltspunkte, so daß sie nur die Alibis der Leute überprüfen kann, die näheren Kontakt zu der Toten hatten.

Nach und nach kristallisieren sich ein paar Verdächtige heraus: Außer Professor Konrad selber darunter vor allem Franziskas früherer Freund Dr. Prestl, Leiter der Universitätsbibliothek sowie Laubmanns ungeliebter und eigensinniger Kollege Josef Maria Hüttenberger.

Die Dialoge wirken trocken

Grundlegende theologische Themen wie vor allem der Zölibat (wir lernen, dass es "der" und nicht "das" heißt) werden geschickt in die kriminalistische Handlung eingeflochten. Dabei mangelt es der Story jedoch vor allem an Tempo. Nun mag man sagen, die getragene Handlung wirkt doch zum Umfeld ganz passend, doch ist die Behäbigkeit vor allem bedingt durch die wenig lebendige Sprache. Obwohl der ein oder andere Sprachwitz gekonnt gesetzt ist, wirken die Dialoge allzu trocken und man hat zeitweise das Gefühl, einen Text aus dem 19. Jahrhundert vor sich zu haben, da die Ausdrucksweise oftmals antiquiert wirkt:

"Derzeit wurde das Wollgeschäft, nicht ohne eine gewisse Exklusivität, von seiner gleichaltrigen Cousine Irene betrieben, zu der er eine vertrauensvolle Zuneigung empfand. Philipp war ihr geschwisterlich zugetan, ohne jedoch eine erotische Anziehung gänzlich zu leugnen und ohne die Huldigung seiner Männlichkeit, die von der Cousine ausging, zurückweisen zu können."

Lebensechte Charaktere

Die Zustände an einer theologischen Fakultät sind gut beschrieben, dagegen kommt von der Atmosphäre der Stadt Bamberg nicht so viel rüber. Besonderes Augenmerk haben die Autoren auf die Darstellung ihrer Charaktere gelegt, die allesamt lebensecht wirken. Da gibt es sowohl karrieresüchtige als auch überzeugte oder aber völlig abgedrehte Theologen. Es gibt Liebe, Hass und Neid und somit genügend Motive für einen Mord. Wie man bei einem theologischen Kriminalroman erwarten kann, gibt es auch kein Schwarz-Weiß-Denken, sondern man setzt sich mit den Handlungen der beteiligten Personen sachlich auseinander.

Natürlich wird auch mit Kritik an der Institution Kirche nicht gespart. Das Buch ist für mehr oder weniger Gläubige ebenso gut lesbar wie für Atheisten. Das angehängte Glossar vermeidet Verständnisschwierigkeiten bei Begriffen wie Apotheose, Diaspora, Exogese oder Glossolalie.

Ein ordentlicher Einstand

Krimispezifisch betrachtet geht es eher ruhig zu. Ein Schuß aus einer Schreckschußwaffe und ein Wortgefecht zwischen zwei Verdächtigen ist da schon das Äußerste an Action. Die Auflösung des Falles reißt einen nicht gerade vom Hocker, war es doch gar nicht so schwierig, bereits vorher auf der richtigen Schiene zu liegen. Der zerrissene Rosenkranz gibt dem Ermittler zwar letztlich den entscheidenden Denkanstoss, doch so sonderlich große Bedeutung wie man nach dem Titel erwarten konnte, kommt dem Gegenstand nicht zu.

Positiv hervorzuheben ist auf jeden Fall die Idee, in der sich mittlerweile ständig wiederholenden Welt des Kriminalromans einen Moraltheologen als Ermittler zu kreieren, der gar nicht so weit von einem Pater Brown entfernt ist. Gewünscht hätte man sich ein paar mehr originelle Szenen wie das von Laubmann gekochte durchsichtige Essen. Doch der Einstand ist ganz ordentlich gelungen, wenn mich auch der Schreibstil des Autorenduos nicht begeistern kann.

Sehr nett gestaltet ist das Buch aus dem Knecht-Verlag mit jeweils einem kleinen Teufelchen zum Kapitelende und auf jeden Fall zu empfehlen für Leser, die ruhige Krimis bevorzugen und gerne mal hinter die Kulissen der beteiligten Personen schauen.

Der zerrissene Rosenkranz

Der zerrissene Rosenkranz

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Letzte Kommentare:
22.07.2007 12:46:36
Dr.Hans Georg Beckers

Ich liebe Bamberg, ich liebe das akademische Leben, ich liebe die Theologie. Deshalb habe ich mir auch in Bamberg das Buch gekauft, das es leider nicht als Paperback gibt und deswegen viel zu teuer ist. Es ist schön, die Orte im Geist zu besuchen, die ich selbst von vielen Besuchen her kenne.
Da ich selbst (promovierter) Theologe bin, geht mir das Belehrende, das immer wieder eingestreut wird, doch auf die Nerven. Die Charaktere sind überzeichnet, da sie die Autoren für ihre (berechtigte) Kritik am Universtätsbetrieb und an der Kirche, instrumentalisieren. Das haben andere schon viel besser gemacht.
Was aber besonders unangenehm auffällt, sind sprachliche Nachlässigkeiten. Dazu nur ein Beispiel: Ist folgender Satz eines Akademikers würdig: "Hanauer hat meines Wissens nach keine, aber Konrad." (S. 123)? Oder können die auch inzwischen kein Deutsch mehr? Ich werde das Buch natürlich zu Ende lesen, aber ob ich die Fortsetzungsbände kaufen werde, bezweifle ich. Wie gesagt, bei Paperback würde ich es nochmal überlegen.