Wer Rache sucht

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2006
  • London: Hodder & Stoughton, 2005, Titel: 'Now you see me', Seiten: 392, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 448, Übersetzt: Christine Henzius
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Sabine Reiß
36°

Krimi-Couch Rezension vonSep 2005

Kein Meilenstein der Krimiliteratur

Computer- und Internetbetrug, Hackerei und Phishing, davor ist heutzutage niemand mehr sicher, da muss man nur die Nachrichten verfolgen oder in seinen eigenen E-Mail-Account schauen. Da sich der Großteil der Delikte im Verborgenen abspielt und die Höhe der Beute unbekannt ist, kann man nur spekulieren, wie groß der Schaden ist, der damit jährlich angerichtet wird.

In den meisten Fällen sind es Unwissenheit und/oder Bequemlichkeit der User, die dem Betrug Tür und Tor öffnen, so auch bei Patrick Doran, ausgerechnet Chef einer Sicherheitsfirma. Der Unbekannte, der in sein Firmennetz eingedrungen ist, hat nicht nur alle Sicherheitsvorkehrungen geknackt, er hat auch die Konten abgeräumt, und zwar nicht nur die Firmenkonten, sondern auch die geheimen Konten, auf denen große Summen von Schwarzgeld lagen. Seine Frau hatte vertrauensselig ein Konto bei einem Internetverkäufer eröffnet und damit den Zugriff auf das Geld der Dorans ermöglicht.

Parallel dazu meldet Sara Geddes das Verschwinden ihrer Untermieterin Megan Ward bei der Polizei. Diese soll das Opfer eines Stalkers gewesen sein, der auch nach kurzer Zeit vor der Wohnung aufgegriffen wird. Megan hatte die Verfolgung angeblich bei der Polizei angezeigt, doch dort ist nichts bekannt und der genannte Beamte existiert überhaupt nicht. Die Lage spitzt sich zu, als es eine Tote gibt. Wider Erwarten handelt es sich dabei nicht um Megan, sondern um Sara. Das Team von Inspector Jeff Rickman kümmert sich um den Fall und stößt dabei auf mehr als Stalking...

Figuren bleiben blass

Jeff Rickmann als eine der Hauptfiguren ist noch blasser als im Vorgängerband, wo er durch einen Schicksalsschlag und das Auftauchen seines Bruders, der seit einem schweren Unfall unter Amnesie leidet, zumindest etwas gefordert war. Hier wird seine Familiengeschichte kaum weitergesponnen, aber in den Ermittlungen ist seine Rolle ebenfalls von untergeordneter Bedeutung. Sein Freund und Kollege Lee Foster tritt da schon eher in den Vordergrund, zeichnet sich jedoch allenfalls dadurch aus, dass er hinter jedem Rock her ist, der nicht schnell genug weglaufen kann.

Auch die anderen Personen sind nicht gerade ausdrucksstark gezeichnet, aber Nebendarstellern wie z.B. einem Angestellten aus der Sicherheitsfirma Dorans wird vergleichsweise viel Aufmerksamkeit geschenkt, was eher zu Verwirrung führt und in keinem Verhältnis zu seiner Rolle steht. Andererseits hätte die Autorin die Familiengeschichte Rickmanns ruhig mehr als nur andeuten können, da sie nicht allen Lesern aus dem Vorgängerbuch bekannt sein dürfte. Darüber hinaus sind die beiden Geschichten jedoch vollständig unabhängig voneinander zu lesen.

Story ohne Höhepunkte

Die Intensität, die den Vorgängerroman ausgezeichnet hat, ist hier leider nicht zu finden, was sicherlich auch am gewählten Thema liegt, denn Internet-Betrug und Hackerei berühren naturgemäß weniger stark als das Schicksal von Asylbewerbern, das im ersten Band der Serie recht eindrücklich geschildert wurde. Dieser Mangel wird jedoch auch nicht durch andere positive Punkte wieder wettgemacht. Die Story kommt gänzlich ohne Höhepunkte aus und auch die Spannung steigert sich bedauerlicherweise nicht. Die Seiten sind zwar mit Worten gefüllt, die Geschichte wird aber kaum vorangetrieben. Zudem ist der Fall recht durchschaubar angelegt, so dass eigentlich kein Grund besteht, bis zum bitteren Ende durchzuhalten.

Insgesamt kann der Krimi weder in punkto Figurenzeichnung noch in punkto Spannung und Einfallsreichtum bei mir landen. Jede Seite zog sich quälend dahin und am Ende blieb noch nicht mal ein kleiner Überraschungseffekt. Auf den Nachfolgeband (sollte es einen geben) braucht man nicht gespannt zu sein. Laut Verlag ist "Wer Rache sucht" ein "packender Psychothriller mit Gänsehautgarantie", stattdessen bekommt man Gänsehaut vor Langweile.

Wer Rache sucht

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