Ein amerikanischer Albtraum

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • München: Ullstein, 2001, Seiten: 846, Übersetzt: Stephen Tree
  • München: Ullstein, 2003, Seiten: 846
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006, Seiten: 21, Übersetzt: Jesko Döring
  • Berlin: Ullstein, 2010, Seiten: 846

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Michael Drewniok
Lässt erstaunlich kalt

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Am 22. November 1963 stirbt in Dallas, Texas, US-Präsident John F. Kennedy. In den Geschichtsbüchern lesen wir, dass ein Einzeltäter - Lee Harvey Oswald mit Namen - das Attentat beging. Doch tatsächlich fiel Kennedy einem Komplott des organisierten Verbrechens zum Opfer. Die Mafia, die einst geholfen hatte, ihn in den Sattel zu heben, war später von ihm "verraten" und im Bund mit seinem Bruder, dem Justizminister Robert "Bobby" Kennedy, erbarmungslos verfolgt worden. Der Mord von Dallas soll auch diesen zweiten Kennedy warnen: Siehe, das geschieht, wenn man uns zu nahe rückt!

Organisiert wurde das Attentat von Pete Bondurant. Die Mafia hat ihn in der Hand, seit er ihr Rauschgift stahl und dabei ertappt wurde. Aber auch das FBI ist in den Kennedy-Mord entwickelt: J. Edgar Hoover, der selbstherrliche, paranoide und erzreaktionäre Direktor, hasst Jack und Bobby gleichermaßen, deren liberale Politik er besonders in der Rassenfrage heftig ablehnt. Hoover wusste von dem geplanten Anschlag und billigte ihn; nun schickt er einen ehemaligen Mitarbeiter nach Dallas. Ward J. Littell soll dort im Geheimen dafür sorgen, dass jede Spur, die auf ein Komplott hinweisen können, aus den Ermittlungen getilgt wird.

Littell ist auch Winkeladvokat und vertritt drei mächtige Männer, die wie Hoover ihre Macht und ihr Vermögen missbrauchen, um hinter den Kulissen die Fäden der US-Politik zu ziehen: Howard Hughes, der mächtige, aber halb verrückte und drogensüchtige Multimilliardär, Jimmy Hoffa, durch und durch korrupter Vorsitzender der einflussreichen Transportarbeitergewerkschaft "International Brotherhood of Teamsters", und Carlos Marcello, Mafiaboss aus New Orleans und Drahtzieher des Kennedy-Attentats. Die Beteiligten dieses schmutzigen Spiels wissen voneinander. Über Littell als Mittelsmann arbeiten sie sogar mehrfach zusammen.

Nachdem das Komplott von Dallas durch Mord, Erpressung und Fälschung vertuscht werden konnte, wenden sich die Beteiligten neuen Zielen zu. Las Vegas und der Vietnamkrieg rücken ins Mittelpunkt ihres Interesses. Die Glücksspielstätten der Wüstenstadt sind eine riesige Geldwaschmaschine der Mafia. In dieses Geschäft drängt sich Howard Hughes, der unter Missachtung des Gesetzes die Übernahme aller Casinos plant. Ein brutaler Kampf um die Neuverteilung der Macht hebt an, in dem das durch und durch bestechliche Police Department von Las Vegas seine Rolle spielt. Nur ein Mann verweigert zunächst seine Gefolgschaft: Wayne Tedrow Jr. Wo andere Quertreiber längst aus dem Weg geräumt worden wären, kann sich Tedrow paradoxerweise halten, weil er der Sohn eines lokalen Erzgauners ist: Der ältere Wayne Tedrow leitet eine Gewerkschaft der Küchenarbeiter ganz im Stile Jimmy Hoffas und ist mit der Mafia, dem FBI und Howard Hughes gleichermaßen verbandelt.

Mit beispiellosem Terror richtet das organisierte Verbrechen im Bündnis mit dem Kapital und dem "Gesetz" ab 1964 hinter dem offiziellen Staat ein Schattenregime ein. In großem Stil werden Drogen aus Vietnam in die USA geschmuggelt und mit Riesenprofiten verkauft. J. Edgar Hoover duldet es, so lange ihm die Beteiligten zu Diensten sind bei seinem wahnwitzigen Ein-Mann-Feldzug für ein rein weißes Amerika. Schon bald wird wieder offen zur Jagd auf Polit-Prominenz geblasen: Die erstarkende Bürgerrechtsbewegung um Martin Luther King erregt den abgrundtiefen Hass der reaktionären Rechten. Dieser richtet sich auch gegen Robert Kennedy, der als linksliberal eingestellter Senator des Staates New York sehr erfolgreich einen Feldzug gegen die Rassentrennung in den USA führt. Auch gegen den Vietnam-Krieg wendet er sich und gewinnt besonders die Herzen - und Wählerstimmen - der amerikanischen Jugend. Als King der Friedensnobelpreis verliehen wird und sich abzuzeichnen beginnt, dass Kennedy das höchste Amt im Staate anstrebt und als aussichtsreicher Kandidat gelten muss, ist für Hoover das Maß voll. Er weiß, dass sein Schreckensregiment unter einem Präsidenten Robert Kennedy ein Ende fände. Für die Mafia gilt dasselbe. Warum also nicht einen Plan wieder aufleben lassen, der schon 1963 funktioniert hatte - und wieso ihn nicht so verfeinern, dass gleich zwei verhasste Feinde ihr Ende finden ...?

Der Albtraum geht weiter. Mit Höchsttempo arbeitet James Ellroy an seiner ganz speziellen Chronik der USA nach 1939. Nach dem "L. A.-Quartett" ("The Black Dahlia", 1987, dt. "Die Schwarze Dahlie"; "The Big Nowhere", 1988, dt. "Blutschatten"; "L. A. Confidential", 1990, dt. "Stadt der Teufel"; "White Jazz", 1992, dt. "White Jazz") folgt nun nach "American Tabloid" (1995, dt. "Ein amerikanischer Thriller") der zweite Schlüsselroman um schmutzige Politik und das organisierte Verbrechen und wie es in den 50er bis 70er Jahren des 20. Jahrhunderts im Schulterschluss mit der amerikanischen Rechten die Macht in den und über die Vereinigten Staaten zu übernehmen drohte. In dem Versuch, die Uhr in eine scheinbar glorreiche, weil weiße Vergangenheit zurückzustellen, schalten die Mafia, das FBI (="" J. Edgar Hoover) und diverse rechtsradikale Verschwörergruppen nach Präsident John F. Kennedy dieses Mal gleich zwei bedrohliche Garanten für eine rassenvereinigte, vietnamkriegslose Zukunft aus: Robert Kennedy und Martin Luther King.

Wie dies in einem fünfjährigen Marathon des Hasses und der Verschwörung vorbereitet und schließlich umgesetzt wird, gehört zu den Pluspunkten von "Ein amerikanischer Albtraum". Das ist nur gut so, denn allzu viele gibt es davon leider nicht. So kunstvoll, wie Ellroy historische Realität und Spekulation zu einem überzeugenden Gesamtbild verleimt, so schmählich versagt er als Geschichtenerzähler. Bis endlich der Countdown zum Doppel- Attentat beginnt, irritiert und verärgert er mit den ebenso abschweifenden wie sinnlosen Abenteuern dreier Handlanger, die in den USA, in Mittelamerika und Südostasien für ihre skrupellosen Auftraggeber allerlei imperialistische Drecksarbeit erledigen und sich dabei gern die eigenen Taschen füllen. Das ist trotz permanenter Action und plakativer Gewalt rasch nur noch langweilig: Ellroy schwätzt, und in seinen endlosen Litaneien versinkt wie in kaltem Haferbrei spurlos alles, was er meint anklagen zu müssen.

Wenn man denn überhaupt so lange durchhält. "Ein amerikanischer Albtraum" ist nicht nur ein vom Umfang her völlig außer Kontrolle geratenes Werk, sondern auch erzählerisch eine Zumutung. Schon länger probt Ellroy einen ganz eigenen, fast experimentellen Stil. Er löst sich vom prosatypischen Text, der sich aus fortlaufenden Sätzen zusammensetzt. Statt dessen sprengt er den Textfluss, löst Sätze in Wortfetzen auf, die er verwirbelt, mit Assoziationen vermengt und unter bewusster Missachtung sämtlicher grammatikalischer Regeln neu zusammensetzt. Entstehen soll nach seinem Willen ein atemloses, delirierendes, sperriges Stück Literatur, das weniger eine Geschichte erzählt als eine bestimmte Stimmung oder Atmosphäre entstehen lässt: Amerika im Strudel des Eigennutzes und der Gewalt, im Würgegriff skrupelloser Machtmenschen, durch Krisen und Kriege gelenkt wie ein Leierkastenaffe an seiner Leine - für den durchschnittlichen US- Bürger, der sich im Land der Freien und Unabhängigen wähnt, eine schauerliche Vorstellung, die den skeptischen (oder erwachsenen?) Europäer indes nicht so leicht entsetzen oder in ihren Bann ziehen kann, da dieser ohnehin davon überzeugt ist, dass die Geschicke der Welt von hilflosen und korrupten Politikern sowie seelenlosen Großkonzernen bestimmt werden.

Wohl nicht nur deshalb geht Ellroys Rechnung nicht auf. Geschwätz geht immer wieder nahtlos in sinnloses Gestammel über. Hofft er, auf diese Weise den Leerlauf in seiner Geschichte zu verdecken? Und warum diese ständigen Gewaltexzesse? Sie lassen eher grinsen als gruseln, weil sie so offensichtlich provozieren sollen und reichlich kindisch wirken. Über weite Strecken halten den Leser nur die immer wieder eingeschobenen fiktiven Überwachungs- und Gesprächsprotokolle und Zeitungsartikel bei der Stange. Die sind dem Verfasser in der Tat vorzüglich gelungen. Besonders J. Edgar Hoover, diese sinistere Gestalt der jüngeren US-Geschichte, nimmt Gestalt an und lässt erschauern, wenn unter der dünnen Tünche des ehrenwerten und seinem Land treu dienenden FBI-Direktors immer wieder der bösartige und mörderische Tyrann durchscheint. Hier gelingt Ellroy, wo er sonst des Guten viel zu viel tut.

Ansonsten gehen Ellroys Anti-Helden wie immer nicht zimperlich vor - der Bodycount besonders unter den unglücklichen Einheimischen, die offensichtlich nichts als Sandsäcke und Zielscheiben für die mit Wonne und Wumme über sie kommenden US-Boys sind, ist entsprechend hoch. Oft wird Ellroy von der Kritik vorgeworfen, er übertreibe es in seinen Romanen mit der zerrbildhaften Darstellung der Schwarzen, Hispanier, Asiaten, Homosexuellen, Juden u. a. von der US-Gesellschaft gern ausgegrenzter "Minderheiten". (Eine seltsame Bezeichnung für Gruppen, deren Mitglieder nach Millionen zählen.) Das ist richtig - und auch wieder nicht, da Ellroy generell niemanden schont. Die selbst ernannte Oberschicht und Machtelite bekommt ihr Fett ebenso weg wie der rechtsradikale Pöbel der Südstaaten. In des Verfassers albtraumhafter Welt gibt es keine "guten" Menschen. Die Kennedys oder Martin Luther King sind Menschen mit der Vision eines besseren Amerika, doch gleichzeitig stellt Ellroy sie als Lügner, Heuchler & Hurenböcke bloß: Auch Helden sind halt niemals vollkommen.

Wenn´s gewalttätig wird, unterscheidet Ellroy allerdings doch zwischen dem "weißen" Amerika, das die Macht ausübt, und seinen farbigen oder sonstwie nonkonformen Untertanen: Das sind nämlich stets jene, die tüchtig zusammengeschlagen und/oder in Stücke geschossen werden (Ellroy liebt Kugelregen & fliegende Zähne), ohne sich jemals wirklich zu wehren. Diese Opferlamm-Mentalität unterscheidet sich definitiv von der Realität, die dem Verfasser als Chronisten einer alternativen und "wahren" US-Geschichte doch sonst so wichtig ist. Spätestens in den 60er Jahren ließen sich aber die schwarzen Amerikaner längst nicht mehr so herumschubsen wie Ellroy uns dies glauben machen will. Er weiß das auch, aber er projiziert den Mut und den Willen der Bürgerrechtsbewegung einzig auf die Person des Martin Luther King - und der tritt nie persönlich auf. Ansonsten sind Ellroys "Neger" nichts als Freiwild, das sein Schicksal womöglich sogar verdient.

Ein zwiespältiges Vergnügen also, dieser "Amerikanische Albtraum" (der im Originaltitel deutlich weniger anmaßend auf jene 6000 Dollar Blutgeld anspielt, mit denen die Geschichte gestartet wird). Ellroys Talent als Schriftsteller - er schreibt etwa so wie Oliver Stone filmt - scheint immer wieder durch, aber insgesamt lässt sein Werk dieses Mal erschreckend kalt.

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Letzte Kommentare:
07.10.2010 22:49:44
Joachim Galonska

Cold Six Thousand ist Ellroys stärkster Roman. Ich kann die Kritik von Herrn Drewniok ebenfalls überhaupt nicht nachvollziehen. Auf faszinierende Art und Weise verarbeitet Ellroy in diesem Buch die amerikanische Geschichte der sechziger Jahre. Mich hat das Buch außerordentlich fasziniert, ganz besonders beachtlich ist Ellroys Schreibstil, der gerade die Faszination dieses Romans ausmacht.

03.05.2010 19:06:57
djan

das schwarze amerika das hier von ellroy so vermeintlich einseitig dargestellt wird, ist aus den augen der protagonisten beschrieben die, bis auf wenige ausnahmen, nun mal von rassismus, überholten wertevorstellungen und gewalttätigkeit geprägt sind.die underworld usa trilogie ist nun mal keine unbedingt angenehme lektüre, nicht aus der sicht der progressiven wird hier geschildert, sondern aus der sicht einer rechten elite und deren handlangern.

03.05.2010 15:13:32
djan

verstehe die obere krimi-couch rezension nicht! von wegen lässt erstaunlich kalt, entweder Hr. Drewniok hat das buch nicht richtig gelesen oder versteht den zeitgeist nicht den ellroy perfekt getroffen hat.
ausserdem funktioniert the cold 6000 perfekt als bindeglied zwischen den ersten beiden teilen der underworld usa trilogie.

die charaktere machen eine ECHTE, GLAUBWÜRDIGE entwicklung durch und der schreibstil ellroys schlägt ein wie eine a-bombe.

gebe dem buch 95°!

08.11.2008 22:00:58
hoizmaiermichl

toll, ganz toll, und wie dann der eine dem andern, und vor allem so kraß, daß mans gar nicht mehr glaubt, ich persönlich find das unglaublich. auch da, wo der andere dem, der sich dann versteckt hat so ganz mit der vollen breitseite, da dacht ich dann, ich werd nich mehr. als der ganz in schwarz überhaupt nicht reagiert hat, war ich kurz vorn kopf gestoßen, hab dann aber weitergelesen, und wie sich dann alles ergeben hat, da hab ich schon gestaunt. also, summa sumarum, totaler lesespaß hoch acht, mir ging da voll das zäpfchen ab. grüße, der hoizmaiermichl

24.04.2008 17:04:18
Torsten Janssen

Allerdings kommem auf fast jeder Seite dieses Ellroy Romans irgendwelche Gewalttätigkeiten vor, was dadurch langsam etwas unrealistisch wirkt. Sollte man diesen Roman verfilmen, bitte wieder mit zartem Trompetenschmelz Russell Crowe und Guy Pearce. Gruß Torsten Janssen

04.05.2006 17:44:06
Torsten Janssen

Habe mir heute das Buch gekauft und werde mich jetzt daran machen es zu lesen. Es scheint mir nicht ganz so brutal zu sein, wie "L.A. Confidential." Auch nocheinmal zur Magic Boulet: Kennedy und Connally saßen NICHT wie im Oliver Stone Film behauptet wird, direkt hintereinander. Connally saß auf dem Notsitz der Präsidentenlimousine und daher etwas versetzt zu Kennedy. Also nocheinmal, diese Kugel, Nr. 2 die von Oswald abgefeuert wurde kann durchaus alleine solche Schäden anrichten. Da nun doch mindestens ein weiterer Schütze vor Ort war, scheint es mit der Verschwörungstheorie doch zu stimmen. Ich glaube aber nicht daß Fidel Castro ein solches Risiko eingegangen wäre. Denn wie hätte er vor der Weltöffentlichkeit dagestanden, bei Aufdeckung. Daher am wahrscheinlichten: Die Mafiosis mit oder ohne Billigung des amerikanischen Geheimdienstes unter J. Edgar Hoover. Grüße

26.08.2005 16:30:11
Torsten Janssen

Nochmal zur Magic Boulett: Reste von dieser Kugel, wurden im Fahrzeug Kennedys gefunden. Der Oliver Stone Film aus dem Jahre 1990 suggeriert, diese Kugel wäre im intakten Zustand gefunden worden. Dieses ist unrichtig. Diese Kugel Nr. 3 hat wohl tatsächlich solche Schäden bei Kennedy und Gouverneur Conelly angrichtet. Jetzt sogar nachgewiesen. Grüße

26.08.2005 16:23:48
Torsten Janssen

Als Ergänzung zu Mr. Ellroys Thesen: Ich sah gestern auf NTV eine Dokumentation über das Attentat auf JFK. GAB es einen zweiten Schützen am Zaun, so hat dieser höchstens 1 mal geschossen und wahrscheinlich daneben, die drei Schüsse ( von denen 2 Kennedy und Connelly trafen) stammen mit Sicherheit von Lee Harvey Oswald, der wohl ein unverschämtes Glück hatte. Das haben Tonbandaufnahmen des Polizeifunks auf denen 4 Schüsse zu hören waren bewiesen. Diese Aufnahmen wurden mit dem Zapruder Amateurfilm des Attentas unterlegt. Demnach hat Oswald dreimal geschossen. Schuß 1 ging daneben, viele hielten es für eine Fehlzündung, Kennedy hört auf zu winken. - Kurze Pause - Schuß 2 trifft Kennedy in den Hals, tritt aus, trifft Connely in die Schulter, tritt im Brustkorb wieder aus, wird durch seine Rippe abgelenkt trifft sein Handgelenk und seine Knie. Auch wenn viele Menschen bezweifeln, daß eine Magic Boulett so etwas anrichten kann, in Connellys Handgelenk wurden Spuren eine stark deformierten Kugel gefunden. Da diese Kugel bei Kennedy glatt durch den Hals ging, konnten bei ihm natürlich keine Reste gefunden werden. Kugel Nr. 3 von Oswald: der tödliche Kopfschuß. Eine Obduktion des Schädels Kennedy hatte ergeben, daß die Kugel von hinten kam. Sein Zurückfallen des Kopfes kann durch den Schock oder konvulsischer, unkontrollierter Körperreaktion erklärt werden. Kurz nach Schuß 3 erfolgte dann Schuß 4 vom Gartenzaun aus, dieser Schuß aber ging ins Leere. (Schuß 1 wurde später an der Unterführung gefunden, Splitter hatten einen Passanten verletzt, Schuß 4 ging wahrscheinlich in die Botankik.) Nach Schuß 4 kletterte Jaqueline Kennedy auf den Fond der Limousine, der Chauffeuer beschleunigte und die fuhren zum Krankenhaus. Kennedy starb noch im Fahrzeug, Connelly überlebte verletzt. Wie weit Hoover beteiligt war, wage ich nicht zu vermuten. Bei Vice President Johnson halte ich dies für ausgeschlossen, da er sich nur 2 Wagen hinter Kennedy befand und im Hospitel nachweislich panisch reagierte. Erst im Flugzeug nach der Vereidigung beruhigte er sich.

Was nun das Doppel Attentat betrifft, vielleicht stecken die Amerikaner noch hinter dem Attentat auf Rudi Dutschke, denn der wurde ja auch zu selben Zeit (April 1968) begangen. Zeitliche Dualität beweist nicht viel, auch ich habe versucht Verknüpfungen zwischen Jack the Ripper (1888) und Mayerling (1889) herzustellen, mit begrenztem Erfolg. Also Mr. Ellroy, nicht hinter alllem stecken gigantische Verschwörungen. Allerdings am 22.11.1963 wurde Kennedy sträflich nachlässig überwacht von seinen BodyGuards. Grüße Torsten Janssen

18.08.2005 23:32:38
Michael Wiessler

Wenn man so viele negative Besprechungen liest muß man als Begeisterter doch mal das Wort ergreifen: Ich finde, Ellroy hat sich mit diesem Buch selbst übertroffen. Gerade die Stakkato-Sprache die hier angefeindet wird hat mir sehr gut gefallen. Sie WIRKT nämlich auf mich. Würde man nur eine Seite lesen und schlecht geschrieben finden: ich würde es verstehen. Aber in der Konsequenz, in der Ellroy diese Sprachverformung gebraucht und für die atmosphärische Gestaltung benutzt ist wirklich atemberaubend. Dies in Verbindung mit der wirklich komplexen Handlung, dem Verweben seiner fiktiven Figuren mit dem historischen Hintergrund, macht das Buch zu einem Nicht-nur-Krimi in bester Bedeutung. Seine Figuren sind lebendig und komplex und eben nicht einfach zu erklären und zu durchschauen. Man versteht nicht alle Beweggründe, muß man ja auch nicht. Man schaut nur mit offenem Mund zu. Und ich konnte z.B. mit seinen frühen Büchern gar nichts anfangen. Erst mit der LA confidential Trilogie fing er meines Erachtens an, sich aus der Masse der crime Autoren hervorzuheben und die letzten beiden Bücher haben bewiesen, dass er sich weiterbewegt. Ich jedenfalls fiebere dem nächsten Teil dieser Geschichte entgegen wie kaum einem anderen Buch.

03.07.2004 09:42:25
Bernhard Kessen

Ich glaube nicht, alles an und in diesem Buch verstanden zu haben. Von daher ging es mir fast so wie bei James Joyces "Ulysses".
Hier wie dort liegen meine Schwierigkeiten an zwei Faktoren: dem Übermaß an Figuren und der Sprache.
Allerdings sollten Unterschiede hier nicht zu kurz kommen, Joyce schrieb große Literatur, Ellroys Versuch Atemlosigkeit durch stakkatohafte Satzfetzen herzustellen,führt über 800 Seiten zu Ärger und Verachtung. Diesem Buch fehlt einfach die Stringenz, der Versuch ein Sittengemälde Amerikas in den 60ern zu schaffen, muss so scheitern. Ein guter Lektor hätte Ellroy beigebracht, eine - nur eine - Geschichte zu erzählen und diese als beispielhafte Parabel daherkommen zu lassen. So verzettelt er sich und mit ihm der Leser - sprich: ich - ,der ja auch den Ausgang - die Morde an King und Kennedy - der Geschichte kennt und nur noch wissen will, wie Ellroy sich das erklärt.
Ellroy ist ja soooo "tough", in seiner Welt gibt es niemanden, der wirklich positiv ist, selbst King ist ein dicker Hurenbock, Polizisten sind per se schlecht und und und. Außerdem scheint sich meines Erachtens in diesem Buch selbst ein gewisser Rassismus zu zeigen. Ich glaube nicht, dass Ellroy Schwarze mag, da kann er sagen, was er will.
Ich habe durchgehalten, und natürlich gibt es Spannung und verblüffende Wendungen genug, aber was wäre das für ein tolles Buch gewesen, wenn Ellroy sich konzentriert hätte. Dass er schreiben kann, das hat er ja längst bewiesen. Diesen Stil aber sollte er endlich wieder ablegen. Außerdem sollte ihm gesagt werden, dass es - zumindest in Europa - auch nette Menschen und Städte gibt, die nicht permament unter Hitze leiden.

07.06.2003 22:22:02
Karl-Heinz Lichtenberg

Als berufstätiger "Normaluser" ist das Werk eine Herausforderung. Ich fand mich zunächst schwer zurecht, bis zum letzten Drittel motivierte mich eher der politische Plot, diese Sichtweise der "realen" amerikanischen Geschichte zum weiterlesen. Ganz spannend finde ich die Wendungen gegen Ende hin, die fast dramatischen Skizzierungen der Ward's, Peter's und Wayne's. Angesichts der aktuellen politischen Auseinandersetzungen mit Bush's Politik ein politisch hoch interessantes Buch. Ich bin sehr zufrieden, durchgehalten zu haben. Karl-Heinz Lichtenberg

16.01.2003 15:06:54
Lars Mielke

Es ist nicht einfach, ei Buch zu rezensieren, das so lange so sehnsüchtig erwartet wurde und zudem jetzt auch beinahe überrezensiert ist. Ich versuche es trotzdem, weil ich denke, auch einmal andere Aspekte näher beleuchten zu müssen, die in vielen Rezensionen einfach untergehen oder weggelassen werden.
Warum so lange so sehnsüchtig erwartet?! Vor allem seit der Verfilmung von "L.A. Confidential" ist James Ellroy auch in das Blickfeld der europäischen Literaturwirtschaft geraten. Die abgeschlossenen Themenkomplexe wie das "L.A. Quartett" usw. wurden nachträglich hoch gelobt und sind beim Publikum auch gut angekommen. Daher ist es nicht verwunderlich, daß die Aufmerksamkeit jetzt auf die noch offene Romanreihe, deren zweiter Teil der besagte "amerikanische Albtraum" darstellt, gelenkt wird. Da "ein amerikanischer Thriller" meiner Meinung nach ein hervorragendes Buch ist und dank seines offenen Endes das Verlangen nach Mehr gesteigert hat, waren die Erwartungen an den Nachfolger natürlich hoch. Vielleicht zu hoch, angesichts ellroyscher Schreibkünste.
Um es vorweg zu nehmen: ich bin einfach sehr erfreut darüber, wieder einen ausführlichen Ellroy lesen zu dürfen, mag man über das Ergebnis urteilen wie man will.
In vielen Rezensionen (siehe auch Crimi Couch) wird sich darüber beschwert, daß das Werk so umfangreich ausgefallen ist. Man kann vom Umfang eines Buches nicht zwingend auf die schriftstellerische und / oder unterhaltende Qualität schließen. Daß lang und umfangreich trotzdem spannend sein kann, beweisen andere Romane Ellroys.
Zur oft bemängelten übersetzerischen Qualität: So schlimm, wie sie dargestellt, ist sie beileibe nicht. Es gibt sicher, hier und dort, einige Schwachstellen, die auch mir übel aufstoßen, aber im Großen und Ganzen ist die Arbeit ordentlich verrichtet worden.
Ich denke, der Inhalt ist durch die Reznesion des Hauses sehr gut aund treffend beschrieben worden. Es wäre auch erschöpfend, ellroysche Details aus dem Buch wiederzugeben, da zumindest dieser Vorwurf stimmt: Das Buch ist geschwätzig.
Vor allem, wenn man alles schon einmal gelesen hat (und zwar beim Vorgänger). Die Motive der Hauptfiguren sind wieder dieselben, wie beim "letzten Mal": Geld, Macht und Drogen. Hier und da kommt nach ein extrovertierter Hang zur Selbstdarstellung hinzu. Die Charakterzüge der bereits aus dem Vorgänger bekannten Akteure sind so geblieben: der moralisch nicht standfeste aber geniale Anwalt Littel, der naive aber gewaltpragmatische Bodurant sowie der Haufen unkultivierter und unsymphatischer Mafiosi. Zu meinem Bedauern demontiert er meinen Helden des letzten Buches Pete Bondurant, bis dieser nur noch ein zweifach herzinfarktgeschädigter Pensionär ist. Zwar läßt er ihn über die Zeit noch einmal zur Hochform auflaufen (jetzt wissen wir auch, wer für den Vietnamdrogenschmuggel und das seltsame Engagement der US Boys in diesem Land verantwortlich ist), was aber nur noch äußerlich als ein Beherrschen der Situation verstanden werden kann. In Wahrheit haben die Akteure die Kontrolle der Situation schon längst verloren. Und darin liegt auch die eigentliche Tragik der Geschichte. Die Helden sind letztendlich doch nur Puppen an den Fäden der wirklich Mächtigen wie z. B. J. Edgar Hoover, dessen Charakterschilderung, auch wenn sie nur über Transkript Einschübe geschieht, sehr gelungen ist. Leider fallen durch die Geschwätzigkeit des Buches viele Charaktere unter den Tisch, auf die man aber eigentlich gewartet hätte. Warum wurde sich nicht weiter mit dem herrlich vulgären Rüpel Jimmy Hoffa auseinandergesetzt? Wo bleiben die skurilen kleinen Mafia Fische, die mackenreichen Unterhaltungsstars vom Schlage eines Lenny Sands. Ein humorvolles Lesen wie beim Vorgänger stellt sich nicht unbedingt ein. Schade, dabei waren diese Spitzen für sich schon ein Lesevergnügen. Das heißt nicht, daß in diesem Buch weniger Personen integriert werden, nur kann man mit ihnen wenig anfangen, da sie keine liebenswerten Macken vorzeigen können. Im Gegenteil, man bekommt einen Ziehbruder Bondurants vorgestellt (Wayne Tedrow Jr.), dessen Antrieb und Geisteshaltung über 800 Seiten lang ein Rätsel bleibt. Ausgleichend bekommt man aber wieder Storywendungen um die Ohren gehauen, die es wieder in sich haben, besonders (wie gewohnt) im letzten Drittel des Buches. Damit die Spannung erhalten bleibt, wird hier nichts weiter verraten. Nur eines sei gesagt: Nichts ist, wie es scheint.

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