Der falsche Liebreiz der Vergeltung

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Bergisch Gladbach: Edition Lübbe, 2005, Seiten: 352, Übersetzt: Christiane von Bechtolsheim
  • Bergisch Gladbach: BLT, 2006, Seiten: 349
  • Mailand: Mondadori, 2004, Titel: 'La prima indagine di montalbano', Originalsprache

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Peter Kümmel
Wie Montalbano nach Vigàta kam

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2005

Größer kann der Gegensatz nicht sein, wenn man gerade einen Serienmörder-Krimi beendet hat und dann einen Montalbano-Roman von Andrea Camilleri zur Hand nimmt. Gut, die Mafia mischt auch mit, aber so richtig böse sind die in den Krimis des Sizilianers auch nicht und so ist irgendwie trotzdem alles ruhig und beschaulich. Und wie der Autor in seinem Nachwort erzählt, hat er in den drei Kurzromanen des Buches bewusst auf jegliche Leichen verzichtet. Daß dies der Spannung keinen Abbruch tun muß, das zeigt der italienische Altmeister hier mit all seiner Routine.

Die erste Geschichte ist zeitlich vor den bisher veröffentlichten Montalbano-Romanen angesiedelt. Hier erfährt der Leser, wie der Commissario in sein geliebtes Vigàta am Meer gekommen ist. Es wird erzählt, wie er sein Haus gefunden hat und wir begleiten ihn zu seinem ersten Besuch in der "Trattoria San Calogero". Von seiner Freundin Livia ist noch keine Rede. Mery hieß damals die Frau seines Lebens und auch mit ihr führte er eine Wochenendbeziehung. Ungewöhnlich sein erster Fall in Vigàta, bei dem deutlich wird, dass er sich bereits von Beginn an unkonventioneller Ermittlungsmethoden bediente. Montalbano findet eine verstörte junge Frau, die einen Revolver bei sich trägt. Da sie nicht reden will, steckt er sie erst einmal ins Gefängnis. Als er schließlich herausbekommt, dass sie mit der Waffe einen Richter töten wollte, wird die ganze Sache immer rätselhafter. Denn der "Liebreiz der Vergeltung" ist hier etwas komplizierter gelagert als zunächst vermutet.

Ein Mann der ersten Stunde ist Fazio mit seinen heißgeliebten und vom Commissario so verhassten Notizzetteln. Er war bereits in Vigàta tätig, als Montalbano dort seinen Dienst aufnahm. Und er sollte die Eigenheiten seines Vorgesetzten gleich kennenlernen:

 

"Da wären Papiere zum Unterschreiben", sagte Fazio.
"Dann unterschreib sie, das verbietet dir doch keiner."
"Aber die müssen doch Sie unterschreiben, Dottore!"
"Ach ja? Dann sag ich dir jetzt mal was. Damit wir uns in Zukunft einig sind. Du musst es mir mindestens vierundzwanzig Stunden vorher sagen."
"Was denn, Dottore?"
"Dass ich Papiere unterschreiben muss. So gewöhne ich mich langsam an den Gedanken, verstehst du? Wenn du es mir so kurzfristig sagst, ist das ein Schock für mich." 

 

Sehr skurril mutet der zweite Fall an: Eine Meeräsche ist erschossen worden. Ein Unbekannter hat den Fisch nachts aus dem Teich eines Restaurants gefischt und in den Kopf geschossen. Montalbano achtet streng auf die zweckgebundene Verwendung des Beweismittels:

 

"Du machst Folgendes: Geh noch mal ins Restaurant und lass dir die Meeräsche geben. Sag, du brauchst sie für die weiteren Ermittlungen."
"Und dann?"
"Nimmst du sie mit nach Hause und lässt sie dir zubereiten. Ich empfehle sie gegrillt, aber pass auf, dass die Glut nicht zu heiß wird. Den Bauch mit Rosmarin und etwas Knoblauch füllen. Mit Salmoriglio-Sauce anrichten. Das dürfte essbar sein." 

 

Genau eine Woche später muß ein Huhn auf die gleiche Art und Weise dran glauben. Regelmäßig jede Nacht von Sonntag auf Montag wird ein Tier umgebracht. Und die Tiere werden größer. Montalbano steht vor einem Rätsel.

Sowohl in der zweiten als auch in der dritten Geschichte treffen wir wieder die vertraute Besetzung an. Neben Fazio wirken hier auch Mimi Augello und Catarello mit. Die Probleme von Monatalbano mit seiner Freundin Livia sind die Altbekannten.

Genau die richtige Länge von etwa hundert Seiten haben die drei Stories, um sich am Abend vergnüglich zu unterhalten. Camilleri findet wieder die richtige Mischung von Spannung, Humor und ein wenig Sentimentalität und gibt dem Commissario die richtigen Eingebungen zur rechten Zeit.

Der falsche Liebreiz der Vergeltung

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