Der rote Schrei

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • New York: Doubleday, 1994, Titel: 'The Red Scream', Seiten: 324, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1996, Seiten: 441, Übersetzt: Anke Caroline Burger
  • Augsburg: Bechtermünz, 1999, Seiten: 441
  • München: Goldmann, 2004, Seiten: 441

Couch-Wertung:

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Peter Kümmel
Das meint Krimi-Couch.de: Keine Stellungnahme gegen die Todesstrafe

Buch-Rezension von Peter Kümmel Nov 2004

Zehn Jahre liegen die Ereignisse bereits zurück, über die Molly Cates, Journalistin und Buchautorin, einen Bericht schreiben will. Und plötzlich scheinen alle, die damit zu tun haben, etwas dagegen zu haben.

Louie Bronk sitzt seit zehn Jahren in der Todeszelle im texanischen Huntsville. Mehrere Frauen hat er getötet, darunter auch die reiche Tiny McFarland. Und alle Morde hat er gestanden. Meist fuhr er mit seinem Auto quer durch Texas und hielt Ausschau nach Frauen, die eine Panne hatten. Diese wurden dann zu seinen Opfern. Er tötete sie, rasierte ihnen die Haare ab und vergewaltigte sie anschließend. Nur Mrs. Mc Farland bildete eine Ausnahme. Sie wurde in der Garage ihres Hauses getötet, nachdem Bronk einen kleinen Abstecher von der Landstraße machte. Und für diesen Mord wurde Louie Bronk zum Tode verurteilt.

Seine Hinrichtung steht unmittelbar bevor. Molly Cates wird ihr als Zeugin beiwohnen und aus diesem Grund nochmals eine große Reportage schreiben, obwohl sie bereits ein Buch über den Mörder veröffentlicht hat. Der Witwer des Opfers, Bauunternehmer Charlie McFarland jedoch will Molly mit allen Mitteln davon abbringen, seine zum Zeitpunkt des Mordes an ihrer Mutter noch minderjährige Tochter zu interviewen, da er sie für gesundheitlich zu labil hält. Und nun ist sogar Mollys Chef plötzlich gegen den Bericht, obwohl er ihn zuvor für eine gute Sache hielt.

Rettung in letzter Sekunde?

In ihrem Briefkasten findet Molly einen anonymen Brief, dessen Schreiber androht, Louie Bronks Nachfolger werden zu wollen. Und natürlich wäre es kein richtiger Thriller, wenn sich die Drohungen des Briefeschreibers nicht erfüllen würden. Das nächste Opfer in altbekannter Machart ist McFarlands zweite Frau Georgia, und der Täter ist dieses Mal ganz sicher nicht Louie Bronk, der sicher verwahrt ist. So geraten der Ehemann selber und die Mitglieder seiner Familie in Verdacht.

Und Molly bekommt Zweifel, dass für den Mord an McFarlands erster Frau der richige Täter verurteilt wurde. Zumal Bronk plötzlich nach zehn Jahren sein Geständnis widerruft.

Nun kennt man ja diese Thriller, in denen ein unschuldig zum Tode Verurteilter eine Minute vor der Hinrichtung noch gerettet wird. In einen solchen Aktionismus verfällt nun unsere Protagonistin hier auch, um den Delinquenten, dem sie sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen verpflichtet fühlt, doch noch vor der Todesspritze zu verschonen. Nun mag man zur Todesstrafe stehen, wie man will. In diesem Fall, wo es definitiv um einen Massenmörder geht, der nur vielleicht gerade dieses einen Mordes, für den er zum Tode verurteilt wurde, nicht schuldig ist, wird die Leserschaft gespalten sein. Da, wo man sonst mit der Heldin fiebern würde, dass sie es doch noch schafft, werden viele hoffen, dass es ihr nicht gelingt.

Diese nichteindeutige Stellungnahme zum Thema "Todesstrafe" ist es auch, die überall im Buch zutage tritt. Die meisten der handelnden Personen betonen zwar, dass sie gegen die Todesstrafe sind, andererseits aber durchaus froh sind, wenn ein Ungeheuer wie Louie Bronk von der Bildfläche verschwunden ist. Dies deutet für mich nicht den Zwiespalt bezüglich dieses Themas an, sondern zeigt eher, dass man sich im Staat Texas nicht öffentlich gegen die Todesstrafe ausspricht.

Spannende Unterhaltung ohne großen Tiefgang

Ihrer Protagonistin hat Mary Willis Walker alles mitgegeben, was sie zu einer glaubhaften Verfechterin von Gesetz und Ordnung macht. Angetrieben vom Mord an ihrem Vater, den sie als Jugendliche hinnehmen musste und dessen Aufklärung sie jahrelang, doch ohne Ergebnis verbissen verfolgte, wurde sie Journalistin im kriminalistischen Bereich und erfolgreiche Amateurdetektivin. Ein Singledasein mit erwachsener Tochter verschafft ihr die Freiheiten, die sie für ihre Recherchen benötigt. Mit den spärlich eintreffenden Schecks für ihre Berichte hält sie sich finanziell über Wasser. Dennoch wirkt das Verhalten von Molly nicht immer so glaubhaft. Blinder Aktionismus wechselt mit durchdachten Ermittlungen, Ausgeglichenheit mit Hektik.

Für die Polizei ermittelt Mollys Ex-Mann Grady Traynor, der als ruhender Pol einen guten Gegenpart gebildet hätte, dem die Autorin aber leider recht wenig Handlungsspielraum einräumt, so daß er eher die Funktion des turtelnden alternden Machos einnimmt, der immer noch hinter seiner Ex-Frau her ist.

"Der rote Schrei" bietet teilweise spannende Unterhaltung, hat jedoch trotz übergeordnetem Thema "Todesstrafe" aus bereits oben geschilderten Gründen wenig Tiefgang. Die auf einen spektakulären Showdown hinauslaufenden Ermittlungen und die Aufklärung der Verbrechen sind unrealistisch.

Auf die jedem Kapitel vorangestellten gräßlichen Gedichte, die Louie Bronk in der Todeszelle geschrieben haben soll, hätte die Verfasserin besser verzichtet.

Fazit: leidlich unterhaltsam, zum Entspannen gut lesbar, anschließend vergessen.

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