Nervöse Fische

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • München; Zürich: Piper, 2004, Seiten: 320, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2007, Seiten: 316, Originalsprache

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Thomas Kürten
Ein hoher Fall von Grenzwert

Buch-Rezension von Thomas Kürten Okt 2004

Krimi-Couch-Volltreffer Januar 2005

Manchmal gibt es Grenzfälle. Die Grenze zwischen dem Denkbaren und dem Undenkbaren, wie es wohl Steinfests Kommissar Lukastik ausdrücken würde. Inwiefern ist es denkbar, dass unter dem Titel "Nervöse Fische" ein Kriminalroman lauert. Mit einem großen Kunststofffisch, der auf der Reklametafel eines Schnellimbisses lauert, auf dem Cover. Nunja, denkt man sich, der Autor hat immerhin den deutschen Krimipreis 2004 gewonnen. Wenn man dann auch noch den Klappentext liest und erfährt, dass ein durch einen Haiangriff getöteter Mann in einem Swimmingpool auf einem Wiener Hochhaus gefunden wird und der Kommissar ein "Logiker und gläubiger Wittgensteinianer" sein soll und es für ihn keine Rätsel gibt, dann ist man auf den ersten Eindruck wohl bei so einen Grenzfall gelandet, was quasi bedeutet, dass dieser Roman weder Teil des einen noch des anderen sein kann, in einem Raum des Unentschiedenen und des Ununterscheidbaren schwebend. Hier greift der Grundsatz: Don’t judge a book by it’s cover.

Großstadthaie

Ein namenloser Toter auf einem Wiener Hochhaus. Als wäre er in dem Pool hier oben schwimmen gegangen und dann plötzlich von einem Hai attackiert worden. Leider fehlt von dem Hai jede Spur, obwohl er eigentlich keinen Fluchtweg gehabt haben dürfte. Die einzige Spur, die es gibt, ist ein Hörgerät, das zu der Leiche zu passen scheint. Über die Registrier-Nummer kommt man einem Friseur auf die Spur, der in einer Tankstelle nahe des Dörfchens Zwettl wohnt. Lukastik schickt seine Assistenten, die aber noch am gleichen Abend verschwinden und auch per Handy nicht mehr erreichbar sind. Also macht sich der Kommissar zähneknirschend selber auf den Weg.

Er findet tatsächlich den Frisör, der ihm von einem Graphologen aus dem Ort namens Oborin erzählt, für den er besagtes Hörgerät gekauft hat. Jener Schriftkundler hat nicht nur die Handschriften von jedem lebenden Bewohner des Ortes analysiert, sondern kümmert sich auch gönnerhaft um den Mönchsstift Zwettl. Hier studierte der Mann antike Handschriften, nun ist er offenbar tot. Oborins blutjunge ungarische Lebensgefährtin erscheint Lukastik auf den ersten Blick ebenso unschuldig wie der begnadete Frisör, weswegen Lukastik beiden eigenmächtig nahe legt, sich vom Ermittlungsort zu entfernen. Dann begibt er sich zum Stift, um endlich mehr über seine Leiche zu erfahren.

Metapher- und detailreiche Sprache, Traumwelten, eigenwillige Charaktere

Ich dachte immer, dass mich Detailverliebtheit zwangsläufig zur Weißglut treiben muss. Steinfest schafft es, aus jeder noch so kleinen Winzigkeit auch den geringsten Elementarteilchen einen Absatz zu widmen. Er macht dies aber mit einer derart Begeisterung stiftenden Konsequenz, Originalität und Ausdauer, dass mich das Buch richtiggehend fesseln konnte. Im ersten Kapitel stehen die Beamten um den besagten Swimmingpool und es passiert auf 16 Seiten nichts. Aber wenn dann ein Wissenschaftler neben einer Stehlampe wie ein Küken unter einer Glühbirne im Brutkasten anmutet, dann beginne ich die Liebe des Autors zum Detail plötzlich zu teilen.

Wunderbar eigentlich die komplette Inszenierung und die Personen. Lukastiks Büro in einer Lagerhalle, die sich Polizei und Museum Wien teilen (weswegen im Büro des Kommissars ein 2x3m großes Altarbild des hl. Stephanus hängt); der Haiforscher mit Angst vor dem Wasser; die Tankstelle "Rolands Teich": ein riesiger Glaskomplex mit Supermarkt, Western-Bar und Frisörsalon; der ermordete Graphologe; das Dorf "Nullpunkt" mit dem Sanatorium "Zum goldenen Huflattich". Alles ist so unwirklich, surreal, wie die beiden japanischen Roboterfische im Aquarium der Western-Bar, und doch könnte auch alles genau so passiert sein. Dadurch bleibt der Roman ein Grenzfall, wobei Realität und Kunst ineinander verschwimmen.

Letztlich noch zu Lukastik: eine solche Ausgeburt an Arroganz und Überheblichkeit in der Hauptrolle ist einem selten unter gekommen. Er ist der absolute Einzelgänger, der dabei nicht nur eine kleine Macke, sondern eine Vielzahl ganz großer Macken besitzt. Er trampelt selbstherrlich durch die Tatorte, wie es ein Elefant nicht besser fertig gebracht hätte, begeht Fehler und zieht falsche Schlussfolgerungen, führt dabei aber immer Wittgensteins "Tractatus" mit sich, aus dem er seine Lebensweisheit bezieht. Lukastik, was ist das eigentlich für ein Name? Eine Mischung aus Stochastik, Genetik und Numismatik, eine eigene Wissenschaft für sich? Ohne Zweifel wohl einer der eigenartigsten Ermittler, trotz oder gerade wegen seiner vielen Eigenarten ein Nonkonformist, der sich in kein Muster zwängen lässt.

Ein Roman gegen den Mainstream

"Nervöse Fische" ist abermals ein Roman von Heinrich Steinfest, an dem sich die Geschmäcker scheiden werden. Als ob sich Steinfest dessen bewusst ist, thematisiert er Grenzwertigkeit und Gratwanderung. Durchsetzt von literarischem Surrealismus begeistern neben Wortwahl und Genialität der Sprache auch die Kraft der Bildhaftigkeit und die Qualität der Charakterdarstellungen. Bis zum Schluss ist dem Leser die Frage erlaubt, ob er sich nur in einem Fiebertraum befindet? Steinfest schreibt keinen kalten Abklatsch eines amerikanischen 08/15-Stiles, er lässt sich nicht mit skandinavischer Gesellschaftskritik unter einen Hut bringen, auch französischer Noir ähnelt seinem Stil nicht im Entferntesten. Er schreibt Feinkost, die sich am besten mit einem guten Glas Wein und viel Ruhe genießen lässt, keine Fast Food für das schnelle und einfache Lesen in der S-Bahn. Trotzdem enthält der Roman Spannungsmomente, der Autor kokettiert mit ihnen und streut sie locker und beiläufig ein, ohne seinen intelligenten Wortwitz dabei zu vernachlässigen. Steinfest verschmäht den Mainstream und wird deshalb seine Leserschaft spalten. Er hat den Kunstroman krimifähig gemacht, wofür ihm höchstes Lob gebührt, und bestätigt am Ende Wittgensteins These, dass es keine Rätsel gibt.

Nervöse Fische

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Letzte Kommentare:
28.02.2019 12:15:35
Heini

Für Steinfest-Liebhaber ist diese Arbeit ein Muss, die man mit immerwährendem Vergnügen auch mehrfach lesen kann.
Die Absurdität des dargestellen Kriminalfalls (mit einer - mit Verlaub - naturkundlich völlig unhaltbaren - aber "fabelhaften" Auflösung) ist brillant.

03.10.2012 19:29:40
WENYAN

Ich habe das Buch auch eben gerade für C2 gelesen.Ich bin dazu, dass das traumähnliche Schreiben gut zu dem Rätsel-Thema passt. Dasfehlende Antwort des Rätsels schwebt auf die Grenze zwischen Wien und Zwettl, beziehungsweise zwischen der Realität und dem Traum. Das Ende ist großartig: Lukastiks Begegnung mit den Haien hat das ganze Rätsel wiederholt und diese extreme traumähnliche Beschreibung im Wasser schmelzt die ,Grenze,, die Lukastik so deutlich und wichtig gehalten hat.Trotz seiner gefährdeten Leben hat Lukastik endlich wieder Wittgensteins Theorie beweist: Rätsel gibt es nicht. Er hat das Rätsel gelöst, aber er darf auch nicht mehr an seinen vorherigen Glauben und Leben fügen. Wir denken an dem berühmtesten Mann, der einen Rätsel gelöst hat und auch wie unserer Hauptfigur, einer Inzest Verbrecher ist. Ödipus hat den Rätsel gelöst, aber sein ganzes Leben ist zu diesem ironischen Rätsel verwandelt. Das Rätsel existiert nicht. Die Lösung würde das Schicksal führen, und vielleicht sollten wir doch uns freuen, dass es überhaupt kein Rätsel gibt.

10.05.2012 06:13:11
Ulf

Hallo, auch Goethe-Institut Singapur lesen wir zurzeit gerade Nervöse Fische im C2-Kurs. Ich habe das Vergnügen, diesen Kurs zu leiten. Das Buch finde ich sehr amüsant und auch interessant mit seinen kulturellen Referenzen (Wittgenstein, Hauer, Foss). Die Figuren sind sehr detailliert "gearbeitet" und grenzen sich durch ihre Spleen und Idiosynkrasien von ihren Mitmenschen ab. Auch der Umstand, dass Lukastik mal ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Schwester hatte, bewirkt im Leser Interessantes: Im Verhältnis des Lesers zu dem "Helden" Lukastik mischt sich vielleicht immer auch ein Stück Ekel, man hat also kein uneingeschränkt positives Verhältnis zur Hauptfigur. Dadurch ist dieses "Verhältnis" irgendwie aber auch intensiver.
Das finde ich neu.
Die Sprache ist auch recht anspruchsvoll, so dass ich Teil 2 nicht habe lesen lassen. Stattdessen habe ich meine Lerner diesen Teil anhand von Handlungskarten rekonstruieren lassen.

20.03.2012 11:53:07
Francisca

Wir lesen diesen Roman momentan in unsere C2 Klasse am Goethe Institut Nairobi, Kenia, aber es ist Ansprungsvoll. Alle Fakten sehen unmöglich aus. Wie so ein Hai im Swimmingpool? Wie ist es hier von das Meer gekommen? und der Toter, der in unvorstellbar Umgebung getotet ist. Wir haben gerade mit dem Buch angefangen, ich denke es wird eine sehr Interessante Geschichte sein. Die Sprache ist auch leicht genug für die DaF Studenten zu verstehen.

09.12.2011 20:39:03
Gerri Be

Man nehme eine Hauptperson, hier der Kommissar, statte ihn mit intellektuell anspruchsvollen Vorlieben aus, hier für Wittgenstein, einen eher wenig bekannten Komponisten und für weitere Künstler, die er immer wieder in die Ermittlungen einbezieht, erfinde einen eher unwahrscheinlichen Kriminalfall und lasse diesen dann langsam auflösen, mithilfe von ebenfalls Intellektuellen. Natürlich darf der Kommissar auch Fehler machen und benötigt auch keine Loyalität gegenüber seinem Vorgesetzten und führe das Ganze zu Ende, in dem die Lösung des Falles völlig unglaubwürdig erscheint, nicht ohne den Kommissar noch in eine selbst verschuldete Lebensgefahr zu bringen.
Ich bin kein Krimileser - und mit diesem Krimi hat sich meine Abneigung wieder bestätigt, unglaubwürdige Phantasiegeschichten sind ziemlicher Blödsinn, auch wenn der Autor dabei noch einen Philosophen bemüht und seine Gedanken dazu noch aus dem Zusammenhang reisst. Da lese ich doch lieber Wittgenstein selbst!

17.05.2011 19:33:27
Tschaikowsky

Mit den besten Vorsätzen drauflosgelesen; ab der Mitte dann nur mehr die erste bis maximal zweite Zeile jedes Absatzes gelesen - man bekommt die Handlung auch so mit; dann aber weggelegt. Es hat mich einfach nicht mehr interessiert, woher der Hai kam oder ob es überhaupt ein Hai war oder ob sich der Herr Kommissar alles nur ausgedacht hat oder ob er es vielleicht nur geträumt hat und am Schluss selbst als Hai aufwacht oder sich als solcher entpuppt oder ob alles ganz anders gemeint war oder ob ich selber die Lektüre nur geträumt habe oder ob ich selber ein Hai bin (glaub ich eher nicht).

05.02.2011 10:45:47
Jan van Aalst

Um diesen Roman restlos zu verstehen, muß man wohl zumindest österreichischer Herkunft sein. Ein völligst unbegabter Kriminalbeamter, gleichwohl mit einer unfaßbaren Arroganz und Selbstüberschätzung ausgestattet, der wieder bei seinen Eltern wohnt und einem Inzestverhältnis mit seiner Schwester nachtrauert, stolpert durch einen surrealen Fall - immerhin in einer realen Landschaft - und begeht begeht dabei einen Fauxpas nach dem anderen, was zwangsläufig zu mittleren bis großen Katastrophen für alle Beteiligten führt. Das alles und ein völlig wahnwitziges Finale hinterläßt einen streckenweise amüsierten, aber doch sehr verstörten Nicht-Österreicher, dessen erster Gedanke nach Beendigung des Werkes die Gründung einer Selbsthilfegruppe ist. Ein großartiges Buch!

03.01.2010 17:20:59
Maturantin

Zugegeben kein Buch für Menschen ohne Durchhaltevermögen. Wer pure Spannung und Aktion sucht ist definitiv falsch, würde sich aber wahrscheinlich auch nicht das Werk eines Österreichischen Autors zu Gemüte führen.

Der ermittelnde Kriminalist- Lukastik, zweifellos nicht um Sympathie oder Zuneigung bemüht, wirkt wahrscheinlich auf den Großteil der Leser einen arroganten und unsympathischen Eindruck. Gewollt?- Wahrscheinlich es kommt auf jeden Fall zum Ausdruck, dass er aus seiner Haut nicht herauskann und auch gar nicht will, weil genau jenes Verhalten von ihm erwartet wird. Er zeigt Schwächen, die man normalerweise keinem Charakter in einem Roman zuschreibt und eine Akzeptanz der Tatsache, dass er Fehler macht- Fehler die anderen das Leben kosten könnten, ohne dabei auch nur den geringsten Ansatz von Reue zu zeigen. Ein wirklichkeitsgetreuer, sympathischer Charakter, finde ich.

Ein Krimi der sich nicht durch seine Handlung sondern sein Spiel mit der Sprache und durch eine unglaubliche Vielfalt an sprachlichen Mitteln über die der Autor verfügt auszeichnet.

01.01.2010 20:13:37
Marv

Wer Spannung, Thrill oder Psychokiller sucht, fahndet bei Heinrich Steinfest - Nervöse Fische vergebens. Zwar hat der Roman alle Ingredienzien für einen solchen Roman.
Einen Kommissar, Tote, Mord, Verschleppung und einen, zumindest sonderlichen, Täter. Seine Sogwirkung bezieht Steinfest jedoch aus der sprachlichen Finesse, den herrlichen Dialogen und Beschreibungen sowie der Skurilität des gesamten Ensembles an handelnden Figuren. Als Hauptperson hierbei, Kommissar Lukastik, ein „gläubiger Wittgensteinianer“ mit mehr Marotten als einem Psychiater während seiner Laufbahn begegnen wird. Ein Kommissar, der mit einer unbeschreiblichen Arroganz dilettierend durch den Mordfall stolpert und dennoch alle (?) Rätsel löst, da es bekanntlich solche nicht gibt. Für mich die schönste, unter vielen schönen Stellen, sein Dialog mit Dr. Gindler. Wer gut geschriebene Romane liebt und schon immer wissen wollte, wie ein durch einen Haiangriff getöteter Mensch in den 28 Stock eines Wiener Hochhauses kommt, dem sein Nervöse Fische empfohlen.

05.09.2009 21:12:52
Dickie_Greenleaf

Uff, bin kurz vor dem Ende und total zwiegespalten. Dilettantischer, unsympathischer Kommissar und Steinfestsche Selbstverliebtheit versus interessanter Fall und Steinfestsche Metaphern. Es ist mein zweiter Steinfest - der erste war "Die feine Nase der Lily Steinbeck", da war ich ebenso hin - und hergerissen. Aber wie man sieht, habe ich wieder zu einem Buch dieses merkwürdigen Autors gegriffen, denn er ist wirklich und wahrhaftig des sich Merkens würdig. Und ich werde es wohl auch ein drittes Mal tun. Denn irgendwie liebe ich die in Krimihandlung verpackten philosophischen Gedanken. Fast genauso wie die Geschichten von Vargas.

14.04.2009 18:13:58
Kinsey

Das ist beileibe kein gewöhnlicher Krimi. Nicht nur weil der Plot – eine von einem Hai zerfetzte Leiche in einem Swimmingpool auf einem Wiener Hochhausdach – absolut grotesk erscheint. Auch der weitere Fortgang der Ermittlungen hat (hoffentlich!?) nichts mit der Realität zu tun. Der ermittelnde Wiener Hauptkommissar begibt sich nämlich ständig auf Abwege und macht einen dilettantischen Fehler nach dem anderen. Um am Ende trotzdem mit einer in sich schlüssige Auflösung für das Rätsel, das im Grunde keines ist, aufwarten zu können. Ungeduldig darf man als Leser allerdings nicht sein. Denn immer wenn die Geschichte an Fahrt gewinnen will, wird sie von ausführlichen Beschreibungen und Gedankengängen des Protagonisten ausgebremst. Dafür wird man mit schrägen Typen, absurden Dialogen, präzisen und treffsicheren Schilderungen in einer grandiosen Sprache belohnt. Steinfests unerschöpflich scheinender Vorrat an sprachlichen Bildern, Metaphern und Vergleichen macht das Lesen zu einem Fest. Nicht selten habe ich bei einer Bemerkung ob ihrer hintergründigen (oder hinterhältigen?) Scharfsinnigkeit lauthals aufgelacht. Hier lohnt es sich, Satz für Satz zu lesen. Jeden langsam und genüßlich auf der Zunge zergehen zu lassen. Oder ganze Abschnitte zu wiederholen. Einfach weil’s Spaß macht oder um darüber nachzudenken. Viele Abschnitte, wenn nicht das ganze Buch!, hätten es verdient gehabt, im „Passagen“- Thread zitiert zu werden, weswegen meine persönliche Auswahl etwas willkürlich erscheinen mag.
mase – du hattest recht: Steinfest hatte eine zweite Chance verdient! *zwinker

15.12.2008 18:46:07
heinrich

Die Handlung selbst dümpelt auf dem Niveau eines österreichischen Tatortfilmes, was heißen soll, dass die Spannung allenfalls mittelmäßig, fast nebensächlich ist. Aber irgendwie (unfreiwillig) lustich ist er schon, der Herr Chefinspektor, die manifestierte Mischung aus Arroganz, Eigenwilligkeit und Verbissenheit. Auch die Kollegen und die Verdächtigen stehen ihm kaum nach.
Wer feinsinnige und humorvolle Passagen im Kriminalroman sucht, ist hier richtig. Mir war mein erster Steinfest 75 Grad wert.

30.03.2008 15:22:16
taz

Ein skurriler Fall, ein verschrobener Komissar, eine Handlung, die normalen Krimis spottet und ein Erzählstil, der mit seinen Abschweifungen und betonten Genauigkeiten nicht immer den Spannungsboden fördert, aber immer an sich spannend bleibt!

Wer die ersten Seiten anließt, weiss sicher, ob es etwas für ihn ist!

Ein guter Krimi, wenn auch nicht einer wie viele andere!

25.02.2008 07:52:50
andrea2208

Wer in Gedanken Schnürschuhe binden kann und nach dem tieferen Sinn einer Triangel sucht, dürfte mit diesem Buch sicherlich richtig liegen.
Ich habe bisher 37 Seiten geschafft - davon 4 Seiten Handlung, der Rest jedoch selbstverliebte Ergüsse.
Da mir die buckelhaftige Geradheit trotz aller Entmystifizierung verschlossen bleibt, komme ich zu dem Schluss, dass eher dieses Buch anstatt der Leiche den Haien zum Fraß vorgeworfen werden sollte.

21.01.2008 20:51:25
Sonja

Zugegeben - man muss ein Liebhaber der österreichischen Schreibe sein, die sich gerne in philosophischen Ergüssen über die Schwere und Absurdität des Seins und Nichtseins ergibt. Doch wer sich darauf einlässt, findet hier ein herrliches Werk voller amüsanter und schräger Figuren, mit einem seltsamen Plot und einer äusserst überraschenden Aufklärung, wobei man erfährt, wie Haie nach Wien kommen.

07.06.2007 00:50:06
kamocolo

Ich fand´s totlangweilig!! Ich halte das Genre "Krimi" nicht geeignet für derartige ausschweifende Gedankenergüsse bzgl. irrelevanter und nicht "sachdienlicher" Details.
Wenn man den Plot wirklich auf den Fall reduziert, wäre´s maximal 50 Seiten geworden.

11.08.2006 11:14:18
heinz

Dieses Buch war Anfangs eine Qual und ich las es nur fertig weil ich es nicht schaffe ein begonnenes Buch mittendrin´ wegzulegen. In diesem Fall bin ich froh darüber, es ist schlichtweg zum zerkugeln, v.a. die Dialoge, einfach herrlich. Manche detailierten Beschreibungen zogen sich wie Strudelteig, ich traue Hr. Steinfest durchaus zu sich über die Beschaffenheit einer leeren Tischplatte 5 Seiten lang auszulassen.
Werde mir aber sicher weitere seiner Bücher zu Gemüte führen.

31.07.2006 21:40:03
Torsten H.

Köstlich, verschroben und verspielt unterhaltsam. Es macht mächtig Laune dieses Buch zu lesen. Ganz vorzüglich, wie die Personen mit all ihren Spinnereien und abgedrehten Ticks beschrieben werden. Die reale Welt als Irrenhaus - so lebensnah beschrieben wie selten. Ein so durchgeknallter Polizist gehört einfach nach Wien. Als Wahl-Wiener weiß ich, wovon ich rede. Und die Story macht richtig Spaß. Eine hervorragende Empfehlung der Krimicouch. Danke!!!

01.07.2006 11:31:35
Angelo

Wenn Thomas Kuerten schreibt, das sei "Feinkost" und nicht "Fast Food", mag das stimmen. Selbst die blumigen Loblieder der andern Kritiker hier von "Kunst" und "Literatur" kann ich nachvollziehen.
Aber ich würde noch ergänzen und die Stichworte "L\'art pour l\'art" und "übertriebener Zierrat" und "gestelzte Stilbrüche" anfügen.
Der Roman ist zu empfehlen, man lässt sich auf ein Experiment mit sich selbst ein: Was ist grösser: Der Genuss des Skurrilen, Surrealen, Überraschenden, Genialen, Befremdenden? - Oder die Ablehnung der Langfädigkeit, Selbstverliebtheit, kompromisslosen literarischen Onanie?
Man wird als Leser zum Spielball. Und das ist nicht schlecht. Und deshalb werde ich mir noch einen Steinfest reinziehen.

29.03.2006 22:18:04
Karin

uff uff habe mich durchgequält , das war einfach zuviel des Guten, konnte beim besten Willen nicht fertig lesen, habe mich dermassen gelangweilt.
Schade, da eigentlich die grosse Stärke dieses Autors, diese zugegeben wunderbaren Formulierungen aus meiner Sicht zum Selbstzweck verkommen sind.
Karin

13.08.2005 12:18:49
uschi gebhardt

Habe lange Zeit Krimis gemieden, ja verabscheut. Der Krimi schlechthin ist
mir, egal wie spannend auch immer, zu
vorhersehbar, zu öde geschrieben,
und erhebt sich gegenüber seiner Konkurrenz meist durch noch mehr Düsterheit, Blut und Horror.
Wortwitz hingegen, wie man ihn bei Heinrich Steinfest findet, intelligenten noch dazu, hat man selten.
Der hat spürbare Lust und Freude am Formen und Detaillieren seiner Figuren,
das ist kein Krimi, das ist Kunst.
Und zwar in Vollendung. Selten so ein
außergewöhnliches Buch gelesen-in einem Zug durch. Kommt auch selten vor.

14.07.2005 15:08:36
Dr. Hans Jürgen Möller, Köln,

Thomas Kürten ist hoch zu loben, welch gläzende Beschreibung eines ungewöhnlichen Krimis, nichts erscheint logisch und alles ist begreifbar. Welch herrliche Figur ermittelt hier, man möchte mal wieder Wittgenstein lesen, aber das geht wohl wirklich nicht in der UBahn.

10.05.2005 18:11:09
Anja S.

An diesem Buch werden sich die Geister scheiden, denn das hier ist ein absolut ungewoehnlicher Krimi und gewiss nichts fuer Fans von plumper Spannung.
Auesserst ungewoehnliche Handlung, skurile Charaktere, witzige Dialoge und Beobachtungen.
Wer so etwas mag, wird hellauf begeistert sein, so wie ich!!!

16.03.2005 09:49:24
Ulrich

Wie der Leser Pascal sehr richtig feststellte: "...wundervoll in Bilder gepackte Vergleiche..", ist mir diese Fähigkeit Steinfests besonders aufgefallen. Und wenn zu lesen stand, "in der U-Bahn nicht zu lesen, weil nicht einfach, kann ich das nicht nachvollziehen. Es gibt nicht unüberschaubar viele Namen, an die man sich später nicht mehr erinnern kann, keinen komplizierten Satzbau und auch keine zeitlichen Sprünge, die den Ablauf auseinanderreißen. - Gerade am Anfang dachte ich, das Buch wäre nichts für mich; doch dann las ich weiter und wurde immer mehr gefesselt. Nur bei der recht langatmigen Beschreibung der Lukastikschen Familienverhälnisse hatte ich mir fast erhofft, die inzestiösen Verhältnisse würden dann auch noch zu einer Art Clou führen. Aber leider...
Hoffentlich erscheinen noch weitere Bücher mit diesem Chefinspektor!

05.03.2005 12:46:13
Pascal

Ich wusste vor diesem Buch nicht, dass man soviel mit der deutschen Sprache anstellen kann. Die Art und Weise wie Steinfest Worte aneinander reiht, wundervoll in Bilder gepackte Vergleiche anstellt, ist grandios. Zusätzlich hat die Story auch noch eine Prise Witz.

Sehr empfehlenswert. (Vor allem werden die Leser, die mit diesem Buch nichts anfangen können, es nach wenigen Seiten schon feststellen)

10.01.2005 17:17:34
Albrecht Thiel

Lukastik ist der illegitime Sohn des legendären Inspektors Adolf Kottan (welcher seinerseits die Wiener Ausgabe von Jerry Cotton war) - natürlich völlig anders als jener, darum ja illegitim. Das ist ein wunderbarer Versuch, mit der Philosophie Wittgensteins zu spielen, dabei schön auf die Grundzüge des Tractatus beschränkt, sodaß auch Nicht-Wittgensteinianer folgen können. Manchmal blühen die Metaphern ein bißchen sehr dicht, sodaß die Handlung Schwierigkeiten macht. Aber die Haie sind die logische Antwort auf den Kottan-Film "Tigerfrühling in Wien."

27.12.2004 23:31:10
Theune Andreas

Der Vergleich mit Murakami adelt dieses Buch, das von einer Schönheit der Sprache geprägt ist. Kein aus dem englischen übersetzter Thriller kann diese ästhetische Eleganz aufweisen. Wer nur plumpe Spannung sucht, sollte aber nach Lektüre des Klappentextes wissen, dass er lieber nach einem anderen Buch greifen sollte. Der Autor zeigt das Ungewöhnliche in der gewöhnlichen Welt. Das Produkt ist ein wirklich einzigartiges Romanjuwel.

26.12.2004 15:08:12
Lundegaard

Die Welt des Buchs ist "murakamisch" entrückt und besitzt nicht ein Quäntchen Spannung. Metapher über Metapher wo die eigentliche Banalität der Handlung schon Zeitlupentempo besitzen würde und selbst die Abarten des Komissars sind ohne Pep. Diese Welt möchte einfach nicht in meine Kopf entstehen.