Willkür

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • St. Leonard´s: Allen & Unwin, 1994, Titel: 'Crosskill', Seiten: 209, Originalsprache
  • Berlin: Maas, 2004, Seiten: 252, Übersetzt: Bettina Seifried
  • München: Knaur, 2005, Seiten: 268
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006, Seiten: 1, Übersetzt: Peter Tabatt, Bemerkung: MP3

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Peter Kümmel
Ganz normale Verbrecher

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Ziel des Berufsverbrechers Wyatt ist es diesmal, sich das Geld zurück zu holen, um das er im Vorgängerband betrogen wurde. Und dazu muss er sich mit dem Clan der Mesics anlegen. Diese haben nach dem Tod des Vaters selber genügend Probleme, denn die beiden Mesic-Brüder sind sich in geschäftlichen Dingen alles andere als einig. Doch um Geld zu erbeuten, muß man zunächst erst mal Geld investieren. Und das fehlt Wyatt. Erschwerend kommt hinzu, dass das mächtige Syndikat in Melbourne ein hohes Kopfgeld auf ihn ausgesetzt hat, so daß er sich auch noch persönlicher Angriffe auf sein Leben zu erwehren hat.

Wyatt beschließt, dass Angriff die beste Verteidigung ist. So will er nicht nur dem Syndikat ins Handwerk pfuschen, sondern sich auch mit dem Feind verbünden, um zusammen gegen den gemeinsamen Gegner vorzugehen. Dazu muss der Einzelgänger aber zunächst fremde Hilfe in Anspruch nehmen und nimmt über seinen früheren Mittelsmann Rossiter Kontakt zu seinem ehemaligen Partner Frank Jardine auf. Doch je mehr Leute über seine Pläne Bescheid wissen, um so größer ist auch die Gefahr, verraten zu werden. Zumal sich Wyatt in seiner Vergangenheit nicht nur Freunde gemacht hat.

Wie macht man als Kriminalautor einen Berufsverbrecher ohne Skrupel zum Sympathieträger? Disher tut dies, indem er seinem Protagonisten ab und an ein paar ehrenhafte Züge verleiht, ihn zum Beispiel das erbeutete Rauschgift vernichten lässt anstatt es zum eigenen Vorteil zu verwenden. Angesichts der sonstigen Charakterisierung seines Helden, der mit dem "normalen" Leben so seine Schwierigkeiten hat, weil er kaum über seinen Horizont hinaus denken kann, nicht unbedingt realistische Verhaltensweisen, erfüllt es zumindest seinen Zweck, einen Antihelden zu konstruieren.

Auch die weiteren zahlreichen Charaktere, die fast durchweg auf der "anderen" Seite des Gesetzes angesiedelt sind, versteht der Autor bildhaft darzustellen. Und obwohl man mitten drin steckt in Bandenkriegen, Mord und Korruption, Rauschgifthandel und Autoschiebereien, lässt Disher dies alles als völlig normal erscheinen. Keine durchgeknallten Psychopathen, deren Morde nicht pervers genug sein können, sondern Verbrechen als Broterwerb, von irgendwas muß man ja leben. Morden, um selber zu überleben.

Moralisten ist das Buch nicht zu empfehlen, die anderen sollten gut unterhalten werden von dem flott erzählten und gut aufgebauten Plot. Viele Szenen- und Perspektivwechsel sorgen dafür, dass die Handlung in Gang bleibt und zu keiner Zeit Langeweile aufkommt. Auch die Nebenhandlungen sind stimmig in die Story eingefügt. Passend zum hohen Erzähltempo ein furioses Ende mit einem völlig abrupten Schluss.

Zum Abschluß noch eine Bitte an den Verlag, etwas mehr Aufmerksam auf seine Umschlaggestaltung zu legen. Beim Klappentext hellgelbe Schrift auf hellblauer dachziegelartiger Struktur zu entziffern, erfordert außer einiger Anstrengung auch noch die geeignete Beleuchtung.

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