Tod auf dem Rhein

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2004, Seiten: 398, Originalsprache

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1903. Dr. Watson folgt einem Hilferuf von Luzia Bylandt, jetzt Mrs. Jones, nach Ägypten. Bei Grabungen im Tal der Könige ist es zu mysteriösen Todesfällen gekommen. Um in den Besitz eines altägyptischen Amuletts zu gelangen, geht eine obskure Bande von Grabräubern über Leichen und bedroht nun Luzia und ihre Familie. Zwar kann der überraschend auftauchende Sherlock Holmes einen Anschlag verhindern, aber damit ist die Gefahr keineswegs gebannt, wie sich schon bald auf der Rückreise nach Köln herausstellt. Warum ist das Amulett so wichtig? Als dann in Köln das wahre Ausmaß der Affäre endlich ans Licht kommt, ist es schon fast zu spät. Und Dr. Watson muss am eigenen Leib erfahren, dass es im romantischen Rheintal noch weitaus gefährlicher zugehen kann, als an den Ufern des Nils.

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Letzte Kommentare:
01.08.2013 14:17:15
Stefan83

Nach „Der vierte König“ ist „Tod auf dem Rhein“ schon der bereits zweite Roman aus der Feder von Stefan Winges, in dem er den größten Detektiv aller Zeiten, Sherlock Holmes, in ein neues Abenteuer schickt. Und während sich ersteres zwar stilistisch nah an der Doyleschen Vorlage orientierte, aber nur wenig von dessen Atmosphäre wiederbeleben konnte und vor allem dessen Leichtigkeit vermissen ließ, geht die Fortsetzung nun einen gänzlich anderen Weg – und der wird wohl besonders echten „Sherlockians“ bitter aufstoßen. Ganz im Stile der erst viele Jahre später produzierten Guy-Richie-Verfilmungen (hier und da gibt es erstaunliche Parallelen zu „Spiel im Schatten“), präsentiert sich „Tod auf dem Rhein“ als tempo- und actionreiche Mischung aus Abenteuer-, Detektiv- und Spionageroman, welche sich den historischen Kontext samt geschichtlich bedeutender Figuren so biegt, wie es für die Handlung gerade notwendig ist. Das Überraschende dabei: Mir hat das ausnehmend gut gefallen. Erst einmal losgelöst von dem üblichen Gedanken, dieses Pastiché irgendwie in den bestehenden Holmes-Kanon zu pressen, macht Winges zweiter Streich vor allem in Punkto Unterhaltung eine ziemlich gute Figur. Auch weil mit Dr. Henry Jones samt Sohn Indiana zwei altbekannte Vertraute für herrliche Déjà-vu-Momente und vortreffliches Kopfkino sorgen. Wen stört es da bei so viel spritzigem Humor und Kurzweil, dass die eigentliche Story soviel Tiefgang aufweist wie eine handelsübliche Briefmarke.

Ihren Anfang nimmt sie im Spätsommer des Jahres 1903, als Dr, Watson, in Ermangelung eines anwesenden Sherlock Holmes, dem Hilferuf von Luzia Bylandt, inzwischen Mrs. Jones, nach Ägypten folgt. Dort, genauer gesagt im Tal der Könige, werden die Ausgrabungen immer wieder durch mysteriöse Vorfälle gestört. Und was die Familie Jones anfangs noch als zufällige Unglücke abgetan hat, scheint nun mehr und mehr zur echten Bedrohung zu werden. Um in den Besitz eines altägyptischen Amuletts zu gelangen, geht ein obskure Bande von Grabräubern offenbar über Leichen. Selbst in Kairo, wo Watson und die Jones bei deren alten Freund Baron Oppenheim Unterschlupf suchen, sind sie nicht sicher. Gemeinsam mit dem inzwischen zugereisten Sherlock Holmes beginnt eine gefährliche Flucht quer durch Europa, bis man mit dem Orient-Express schließlich erneut die ehrwürdige Stadt Köln erreicht. Erst hier kommt langsam das wahre Ausmaß der Affäre ans Licht.

Sherlock Holmes und Dr. Watson sehen sich plötzlich mit einem mehr als ebenbürtigen Gegner konfrontiert, der nichts unversucht lässt und auch keinerlei Skrupel kennt, um seine Pläne zum Erfolg zu führen...

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass mir persönlich gerade der Sherlock-Holmes-Roman von Winges besser gefällt, welcher sich in Ton und Duktus am weitesten von der ursprünglichen Figur entfernt. Fakt ist aber: Der Versuch des Autors, die Atmosphäre der originalen Geschichten wiederbeleben zu wollen, war zwar lobenswert und streckenweise erfolgreich, schränkte aber scheinbar auch die Möglichkeiten ein, eine eigenständige Geschichte zu schreiben. Frei von diesen Grenzen und Zwängen hat sich Winges in „Tod auf dem Rhein“ offensichtlich diese aus der Seele geschrieben, was dem Holmes-Puristen (und damit auch mir) zwar anfangs bitter aufstößt, dem Lesevergnügen letztlich aber wesentlich zuträglicher ist. Was nützt schließlich ein stimmungsvoller, nostalgischer Rätselkrimi, wenn er sich zieht wie Kaugummi und die Stil des Schriftstellers auf der Strecke bleibt?

Dennoch bleibt festzuhalten: Der Holmes in „Tod auf dem Rhein“ hat mir Sir Arthur Conan Doyles Schöpfung nicht mehr viel gemein. Und auch Freunde des klassischen Whodunit werden an diesem Buch sicherlich wenig bis keine Freude haben, da es, vom Ende einmal abgesehen, kaum große Überraschungen bzw. Rätsel zu lösen gibt. Allein die Tatsache, dass die Geschichte aus Dr. Watsons Sicht erzählt wird, ist eines der wenigen Zugeständnisse an die originale Vorlage. Ansonsten ist „Tod auf dem Rhein“ weit mehr „Indiana Jones“ als „Sherlock Holmes. Und das nicht nur aufgrund der Beteiligung der Familie Jones. Abenteuer, Action, Verfolgungsjagden, atemberaubende Kämpfe und Schusswechsel. Winges pustet, wie auch Ritchie in seinen Filmen, den Staub vom viktorianischen Zeitalter weg und katapultiert den Mann mit der Meerschaumpfeife mit Vollgas ins neue Jahrhundert. Wer sich darauf einlässt, das Spaßpotenzial dieser Lektüre erkennt, wird über knapp 400 Seiten aufs Beste unterhalten.

Insgesamt ist „Tod auf dem Rhein“ eine dicke Empfehlung für all diejenigen, die bereits die Ritchie-Filme mochten. Bierernste Sherlockians werden Winges diese „wiederentdeckte“ Notiz aus Watsons großer Fällesammlung wohl aber eher übel nehmen.

12.02.2010 12:33:58
Marie

Hallo,

ich frage mich gerade ob dieser Krimi wohl eine Vorlage für den kommenden Tatort "Tod im Rhein" -> http://tatort-fans.de/tatort-folge-757-tod-am-rhein/ ist. Ich habe mir gerade das Buch bei Amazon bestellt, und hätte mich gefreut wenn es auch hier (wie üblich) einen Link zu Amazon gegeben hätte.

Ich werde dann meine Buchkritik die nächsten Tage verfassen.

Gruß Marie

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