Ballonglühen

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Meßkirch: Gmeiner, 2003, Seiten: 280, Originalsprache

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Peter Kümmel
Zu lebensecht mag's der Leser nicht

Buch-Rezension von Peter Kümmel Sep 2003

Wenn bei Hercule Poirot ein Gegenstand autaucht, der nicht ins Geschehen einzuordnen ist, dann weiß der Leser, dass der Gegenstand später noch einen wichtigen Puzzlestein für die Lösung abgeben wird. Wenn bei Camilleris Commissario Montalbano ein Zeuge auftaucht, der eine Beobachtung gemacht hat, die zunächst unwichtig scheint, dann kann es sein, dass dieser Fakt wirklich nichts mit dem Fall zu tun hat, möglicherweise aber doch. Bei Peter Warks Protagonisten Jörg Malthaner jedoch ist es weitaus öfter der Fall, dass ein Indiz oder eine Begebenheit, die erwähnt wird, sich am Ende als völlig unwichtig erweist.

Agatha Christies Stories sind bis ins letzte Detail konstruiert. Da passt ein Steinchen zum anderen. Das sind für den Leser Rätsel, deren Logik Spaß macht, die aber nicht allzu viel mit der Realität zu tun haben. Camilleri schreibt Kriminalromane, die realistischer sind. In seinen Geschichten hat eben nicht alles mit der einen Sache zu tun. Dem Leser wird klar, dass Polizeiarbeit viel weitgestreuter ist, als das Krimiautoren oft glauben zu machen versuchen. Der Plot von Peter Wark in "Ballonglühen" dagegen ist schon fast lebensecht. Die Arbeit eines Journalisten besteht natürlich aus vielen verschiedenen Ereignissen, zu denen er seine Artikel schreibt. Das wird der Autor am besten wissen, denn er ist selber Journalist. Und da passen eben nur die wenigsten Teile wirklich zueinander. Doch ist das wirklich das, was der Krimileser will?

Nein, irgendwie ist man doch enttäuscht, wenn ein wichtig erscheinendes Ereignis nur schmückendes Beiwerk war, Wenn nicht alles, was nach Verbrechen aussieht, auch ein Verbrechen ist. Wenn sich nicht jeder Handlungsstrang auflöst. Wenn der Gegenstand, in dem der Leser des Rätsels Lösung vermutet, nicht mehr als Abfall ist. Auch, wenn es im wirklichen Leben völlig normal wäre.

Peter Wark hat seinen Roman dort angesiedelt, wo er geboren wurde: in der Schwäbischen Alb. Die Orte, die im Buch auftauchen, sind real, und es macht Spaß, das Geschehen auf der Landkarte nachvollziehen zu können, so wie bei Jaques Berndorf. Albstadt, ein großflächiger Zusammenschluß von vielen Gemeinden, ist der Schauplatz des Geschehens. Dort lebt auch Jörg Malthaner, Journalist bei einer Stuttgarter Zeitung und begeisterter Mountain-Biker, zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der Ärztin Brigitte. Als Einheimischer und Naturfreund gefällt es ihm natürlich gar nicht, dass das umstrittene Bauprojekt, eine - nach Ansicht vieler unnötige - Straße zur Verbindung zweier Stadtteile nun doch begonnen wurde.

Den Auftrag dazu erhielt eine einheimische Firma, nämlich die des Bauunternehmers Dieter Messbeck. Und um eben diesen Messbeck handelt es sich bei einer der beiden verbrannten Leichen, die auf einem Wiesengelände liegen, wohin Malthaner vom Pressesprecher der Polizei bestellt wurde. Ein Heißluftballon ist in Brand geraten und abgestürzt. Beide Insassen kamen ums Leben. Die Ursache ist unklar. Die Ermittler vermuten einen Unglücksfall. Bei dem zweiten Toten handelt es sich um den Referenten im Landratsamt, der die Genehmigung für das Bauprojekt erteilt hat.

Die erste Aufregung legt sich schnell, doch Aufgabe der Jounalisten ist es, das Ereignis nun auszuschlachten. So treibt sich Malthaner auf der Baustelle herum, um Ansatzpunkte für weitere Repoortagen zu finden.Dabei stösst er auf einen zurückliegenden Unfall, bei dem auf der Baustelle ein Kind vom Bagger überrollt wurde. Doch nicht alle Arbeiter sind auskunftsfreudig.

Das Buch ist klasse geschrieben. Amüsant, wortgewandt und mit viel Sprachwitz. Der beste Beweis dafür ist, dass ich es in einem Tag gelesen habe. Das heißt natürlich auch, dass der Satzbau einfach ist und viel direkte Rede das Lesen leicht macht. Das heißt aber auch, dass Wark neugierig macht. Nicht nur darauf, ob und wie denn jetzt der Ballon manipuliert wurde, so daß es zu dem Absturz kommen konnte und auf die Auflösung der Story, sondern auch darauf, ob die Beziehung zwischen dem Journalisten und der Ärztin denn jetzt in eine tiefe Krise gerät oder sich alles wieder einrenkt. Wark versucht dem Leser ständig neue Ansatzpunkte zu geben und dessen Fantasie anzuregen.

Leider aber werden die geweckten Erwartungen nicht erfüllt. Der Berg kreist und gebiert eine Maus. Die Auflösung des Falles ist banal und erfolgt auf wenigen Seiten.

Das Geschehen aber und insbesondere die Charaktere wirken authentisch. Malthaner ist ein Journalist mit Berufsethos, der meist sein Wort hält, aber gerne auch mal der Konkurrenz etwas voraus ist. Und dessen Beziehung zu seiner Freundin Brigitte so problematisch ist wie die vieler berufstätiger Paare. Die betuchten Ballonfahrer sind genauso stimmig wie die Bauarbeiter oder die geschwätzigen Nachbarn. Man merkt dem Autor seine Heimatverbundenheit an, so daß der Leser selber in die Atmosphäre der Landschaft und seiner Bewohner eintauchen kann.

Jörg Malthaner durch die Schwäbische Alb zu begleiten, das ist fast so schön, wie mit Siggi Baumeister durch die Eifel zu fahren, nur nicht ganz so aufregend.

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