Der Tote im Kutter (Ein Fall für Inspector Frank Grasby 2)

  • DuMont
  • Erschienen: September 2026
  • 2
Der Tote im Kutter (Ein Fall für Inspector Frank Grasby 2)
Der Tote im Kutter (Ein Fall für Inspector Frank Grasby 2)
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Thomas Gisbertz
90°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2026

Eine wunderbar nostalgische Reihe mit viel Humor und unvergesslichen Figuren.

Dezember 1953: Es ist genau ein Jahr seit den Ereignissen rund um den „Toten im Kamin“ her, als es der 39-jährige Inspector Frank Grasby erneut während der Weihnachtstage mit einem rätselhaften Fall zu tun bekommt. Zusammen mit seinem impulsiven Chef, Superintendent Arthur Juggers, ermittelt Grasby in Uthley Bay, einem kleinen Küstenort im Norden Englands. Dort wurde ein alter Fischer mit einem Damenstrumpf erdrosselt. Auch wenn sich der junge Inspector wundert, dass man ausgerechnet ihn und Juggers mit diesem Fall betraut, kommt ihm die spontane Versetzung in das Fischerdorf eigentlich ganz gelegen. So muss er zumindest das Weihnachtsfest nicht mit seinem exzentrischen „Erzeuger“, einem in vielen Belangen unkonventionellen Reverend, verbringen. Doch als ein weiteres Opfer, das auf gleiche Weise getötet wurde, zu beklagen ist und die Dorfbewohner sich wenig kooperativ zeigen, müssen die beiden Beamten aus Yorkshire erkennen, dass hier nichts ist wie es scheint. Als wären die Ermittlungen nicht schon schwierig genug, taucht in ihrem Hotel plötzlich auch noch Grasbys Vater samt Jugendfreundin aus längst vergangenen Tagen auf – just bevor ein Schneesturm Uthley Bay von der Außenwelt abschneidet. Und so muss sich Grasby nicht nur mit Ganoven, sondern auch mit dem unangenehm turtelnden Pärchen herumschlagen – alles andere als ein besinnliches Weihnachtsfest.

Ein kongeniales Duo

Die dreiteilige Krimireihe um den sympathischen, aber stets etwas ungeschickt agierenden Inspector Frank Grasby – aus der Feder des 2025 im Alter von nur 59 Jahren viel zu früh verstorbenen schottischen Autors Denzil Meyrick – gehört ohne Zweifel zum Besten, was Cosy-Krimis bieten können. Im Kölner DuMont Buchverlag erscheint aktuell mit „Der Tote im Kutter“ der zweite Band, der es in Sachen Unterhaltung ohne Probleme mit dem Vorgängerband aufnehmen kann. Erneut muss sich der furchtsame Grasby in zahlreichen absurd-komischen Situation beweisen – etwa, wenn er sich Gangstern in Gefangenschaft regelrecht anbiedert oder jede Gelegenheit nutzt, Gefahrensituationen aus dem Weg zu gehen. Dass Meyrick dem Inspector diesmal mit Superintendent Arthur Juggers einen Vertreter der alten Polizeischule zur Seite stellt, erweist sich als absoluter Geniestreich. Der autoritäre, selbstsichere Chef der Yorkshire Police ist das absolute Geigenteil des oftmals zögerlichen Grasbys. Diplomatie ist nicht seine Stärke und er begegnet seinen Mitmenschen offen mit Sarkasmus und klaren Ansagen. Angst und Furcht scheinen ihm ebenso fremd zu sein wie Empathie. Gleichzeitig benötigt er Grasby bei den Ermittlungen. Während Juggers energisch sein Ziel verfolgt, beweist der Inspector doch stets einen guten Blick für die Situation. Trotz heimlicher anarchischer Ausbruchsversuche findet sich Grasby letztendlich stets in seiner ihm angedachten Rolle wieder – für alles andere wäre er auch viel zu ängstlich.

Ungemein witzig

Nicht selten zaubert Meyrick derart (schwarz-)humorige, pointierte Dialoge aus dem Hut, dass kein Auge trocken bleibt. Gleichzeitig schafft es der Autor aber, seine Figuren nicht der Lächerlichkeit preiszugeben. Die Ermittlungen bleiben stets im Fokus der Handlung und dennoch werden auch diese von jeder Menge Situationskomik, teils voller Zynismus begleitet. Nicht nur deswegen erinnern die Romane der Reihe an die englischen Ealing-Komödien der späten 40er- und 50er-Jahre. Denn auch den Nachkriegsgeist mit seinen materiellen Nöten und dem Wunsch der Menschen, diesen zu entkommen, fängt Meyrick gekonnt ein. Dazu gehört auch das Aufbegehren gegen „Autoritäten“. Dies zeigt sich auch in Grasbys schwierigem Verhältnis zu seinem „Erzeuger“, Reverend Cyril Grasby, der mit seiner pedantischen, misstrauischen, oftmals zynischen und kauzigen Art seinen Sohn ebenso zur Weißglut treibt wie dessen amourösen Spielereien mit Hetty Gaunt, einer extravaganten, dem Okkulten zugewandten Dame. Der Gipfel der unpassenden Liaison: Der Geistlichen bezieht mit der als „Hexe“ dargestellten Hetty sogar die Hochzeitssuite.

Wie in alten Zeiten

Wenn man den Roman liest, hat man das Gefühl, einen Klassiker in Händen zu halten. Figurendarstellung, Atmosphäre und der detailgenaue historische Hintergrund erinnert an Kriminalromane der 50er-Jahre. Selten gingen ein unterhaltsamer Plot, eine gelungene Figurendarstellung und feiner (schwarzer) Humor eine derart wunderbare Kombination ein. Welch ein überbordendes Talent stellt Denzil Meyreck hier erneut unter Beweis! Um so bedauerlicher ist der frühe Tod des Autors. Meyricks Manuskript für den dritten Band seiner Krimireihe blieb unvollendet. Der Stand-up-Comedian und Autor Ian Moore, der selbst für seine Cosy-Krimis bekannt ist (Die Serie „Ein Brite in Frankreich“ erscheint hierzulande beim Rowohlt Verlag), übernahm das Projekt und vollendete den Roman, der in Großbritannien Ende November 2026 erscheinen wird. Bleibt zu hoffen, dass auch der DuMont Buchverlag uns 2027 mit dem letzten Teil der „Weihnachtsreihe“ beschenken wird.

Fazit

Autor Denzil Meyrick findet erneut die perfekte Balance aus Golden-Age-Atmosphäre, britischem Humor und einem skurrilen Figurenensemble. Auch wenn die Auflösung wie bereits im ersten Band vielleicht etwas zu viel des Guten ist, stellt der Roman eine überaus unterhaltsame, kurzweilige Lektüre dar. Ein Krimi für alle, die humorvolle Romane mit einer Prise Absurdität suchen.

Der Tote im Kutter (Ein Fall für Inspector Frank Grasby 2)

Denzil Meyrick, DuMont

Der Tote im Kutter (Ein Fall für Inspector Frank Grasby 2)

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