Dunkel wie die Nacht

  • Pendragon
  • Erschienen: Juli 2026
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Dunkel wie die Nacht
Dunkel wie die Nacht
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Thomas Gisbertz
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2026

Düsterer Thriller aus Norwegen.

Die Ermittlerin Noora Yun Sande ist nach dem dramatischen Ende im Iselin-Fall immer noch nicht voll dienstfähig. Neben den körperlichen Beschwerden fällt ihr auch mental die Arbeit bei der Polizei Bodø weiterhin schwer, was sie ihrem Kollegen Jakob Weber und dem Rest des Teams aber verheimlicht. Als an einem privaten Anleger der Meile-Entzugsklinik auf der abgelegenen Halbinsel Kjerringøy eine grausam zugerichtete Leiche im Wasser gefunden wird, entschließt sich die Ermittlerin trotz aller Bedenken, ihre Kollegen zu unterstützen. Kurz darauf wird in Bodø eine junge Frau erschossen in ihrer Wohnung gefunden. Auch wenn zunächst alles auf Selbstmord hinweist, haben die Ermittler ihre Zweifel. Schnell erkennt das Team, dass sich beide Opfer kannten. Während nicht nur Sande im Rahmen der Ermittlungen an ihre physischen und psychischen Grenzen stößt, wird eine weitere Frau ermordet. Das Ermittlerteam aus Bodø bekommt es in diesen kalten, düsteren Novembertagen mit einem unheimlichen Phantom zu tun, das, so scheint es, nicht zu fassen ist.

Fortsetzung der Nordland-Reihe

Nachdem erst im Frühjahr der erste Band „Kalt wie die Luft“ erschien, veröffentlicht der Bielefelder Pendragon Verlag bereits den nächsten Teil der Nordland-Reihe des norwegischen Autors Ørjan Nordhus Karlsson. Dieser schließt sich inhaltlich nahezu nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängerromans an. Man sollte daher zunächst den Auftakt der Reihe lesen, da ansonsten einige Zusammenhänge nicht ganz nachvollziehbar sind. So konnte unter anderem im Fall der getöteten neunzehnjährige Iselin Hanssen die Polizei vor einigen Monaten zwar einen Täter ermitteln, dennoch bestehen bei Sande und Weber erhebliche Zweifel an dessen Täterschaft. Der Fall liegt wie ein Schatten über den aktuellen Ermittlungen, denn es gibt offensichtliche Zusammenhänge zwischen den Mordfällen.

Während Jakob Weber parallel versucht, sein etwas chaotisches Privatleben zu ordnen, spielt die Vergangenheit Sandes diesmal überhaupt keine Rolle, obwohl die Geschehnisse rund um die rätselhafte Privatklinik sie eigentlich emotional belasten müssten. Auf der anderen Seite würde dieser zusätzliche Nebenstrang den Thriller vielleicht auch etwas überfrachten. Insgesamt wirkt der Roman vereinzelt unrund. So ist zum Beispiel die Auflösung des Romans im Grunde glaubwürdig, wirkt aber dennoch etwas überzogen und beantwortet auch nicht alle Fragen. Diese bewussten Auslassungen und Unklarheiten sind aber ein besonderes Stilmerkmal der Romane Karlssons, welches auch bereits beim ersten Band sichtbar wurde. 

Klassischer skandinavischer Thriller

Auch der zweite Band lebt von der düsteren, beklemmenden Atmosphäre. Nebel, Schnee und Kälte scheinen das Dorf Kjerringøy nahe dem Folda-Fjord eingeschlossen zu haben. Die Dunkelheit, die Einsamkeit, die klaustrophobische Stille – all das ist nicht nur Kulisse, sondern überträgt sich auf die Handlung. Die Spannung bezieht der Roman dabei nicht aus einem hohen Erzähltempo, sondern aus der guten Ermittlungsarbeit und der präzisen Darstellung der Protagonisten und ihrer Gefühlswelt. Die Stimmung beim Ermittlerteam ist nicht nur wegen der aktuellen Todesfälle bedrückt. Beinahe jeder Polizeibeamten hat mit privaten Problemen zu kämpfen. Diese überlagern allerdings nicht die Ermittlungsarbeit, sondern tragen zur Profilierung der Figuren bei. Ørjan N. Karlsson entwickelt seine Figuren nach und nach. Seine Protagonisten sind keine Superhelden, sondern wirken verletzlich, widersprüchlich, zerrissen. Nicht jedes Verhalten wird vom Autor erklärt, vieles bleibt zwischen den Zeilen, muss vom Leser interpretiert werden, was den Figuren zusätzliche Tiefe verleiht. Gleichzeitig hat man von Beginn an den Verdacht, dass einer aus dem Team mehr über den „alten“ Iselin-Fall weiß, als bisher bekannt ist. Folglich achtet man umso genauer auf das Verhalten der ermittelnden Beamten – ein kluger Schachzug des Autors.  

Fazit

Ørjan N. Karlsson beweist erneut, dass er ein Vertreter des klassischen Nordic Noir ist. Der Autor liebt es, die Handlung und seine Figuren durchaus etwas schemenhaft und ambivalent anzulegen. Fragen bleiben offen, Rätsel ungelöst. Dies ist aber keineswegs ein Nachteil. Ganz im Gegenteil: Es trägt zur Spannung bei und verknüpft die Romane dadurch auf eine äußerst clevere Weise. Wer die Reihe mag, darf sich bereits auf den dritten Band „Still wie der Schnee“ im Frühjahr 2027 freuen.

Dunkel wie die Nacht

Orjan N. Karlsson, Pendragon

Dunkel wie die Nacht

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