Kalt wie die Luft
- Pendragon
- Erschienen: Februar 2026
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Ein wohltuend unaufgeregter Thriller aus Norwegen.
Die neunzehnjährige Iselin Hanssen hat große Pläne. Sie will weg aus der Enge ihrer norwegischen Heimatstadt Bodø, weg von ihrem Freund Casper. Da kommt ihr die Annahme zu den Aufnahmeprüfungen für die Polizeihochschule gerade recht. Doch bei ihrer täglichen Laufrunde verschwindet die junge Frau plötzlich, ihr Vater meldet sie abends als vermisst. Weil die Suche nach ihr erfolglos bleibt, übernehmen Jakob Weber und sein Team den Fall. Mit dabei ist auch die neue Kollegin Noora Yun Sande, die Oslo den Rücken kehrte, um hier in der vermeintlichen Provinz ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen. Die Ermittlungen gestalten sich zunächst schwierig, da es kaum Spuren und konkrete Hinweise gibt. Doch zunehmend scheint alles auf Iselins eifersüchtigen Freund Casper, Sohn eines einflussreichen Geschäftsmanns, hinzudeuten. Als aber auf der abgelegenen Insel Røst kurz darauf eine bekannte Influencerin ebenfalls nach einer Joggingrunde spurlos verschwindet, erhärtet sich der Verdacht, dass die jungen Frauen von einem Unbekannten entführt wurden. Die aktuellen Geschehnisse weisen zudem erschreckende Parallelen zu einem fast 30 Jahre zurückliegenden Cold Case auf. Hat es das Ermittlerteam mit einem Serientäter zu tun, der nach Jahren der Ruhe wieder zuschlägt?
Neue Reihe aus Norwegen
Autor Ørjan Nordhus Karlsson, geboren 1970, wuchs in Bodø auf, dem Handlungsort seines nun in Deutschland erschienenen Thrillers. Karlsson war Offizier in der norwegischen Armee, besitzt einen Master-Abschluss in Soziologie und Berufserfahrung im norwegischen Verteidigungsministerium sowie in der norwegischen Behörde für Zivilschutz, dazu kommen internationale Krisenmanagement-Einsätze.
Bereits 2004 erschien Karlssons Debütroman „Gruve 13“. Seitdem hat er mehr als 20 erfolgreiche Bestseller geschrieben, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. In Skandinavien machte er sich vor allem mit seiner Jakob-Weber-Reihe einen Namen. Ende 2025 erschien in Norwegen bereits der vierte Band der erfolgreichen Serie. Hierzulande ist der zweite Band „Dunkel wie die Nacht“ für den Herbst dieses Jahres vom Pendragon Verlag angekündigt worden. Wer „Kalt wie die Luft“ liest, wird sich diesen Termin sicherlich dick im Kalender anzustreichen.
Klassischer Thriller
„Back to the roots“: Das gilt sicherlich für den Auftakt der Reihe um das norwegische Ermittlerduo Jakob Weber und seine Partnerin Noora Yun Sande. In der ruhigen, aber genauen Figurenentwicklung und der sehr dichten Atmosphäre erinnert der Roman an Klassiker des Nordic-Noirs. Statt Action und wilden Verfolgungsjagden überzeugt Ørjan N. Karlsson in seinem Werk mit klassischer Ermittlungsarbeit, einer nüchternen, klaren und beinahe schon minimalistischen Erzählweise und einer überaus gelungenen und glaubwürdigen Figurenzeichnung. Die Protagonisten scheinen beinahe alle ihr Päckchen zu tragen: So leidet etwa Jakob Weber unter dem frühen Tod seiner Frau Lise vor wenigen Monaten und Noora Yun Sande wurde Opfer sexualisierter Gewalt. Beide sind verletzliche, aber keine gebrochenen Figuren, denn beide zeichnet ebenso eine große Entschlossenheit aus.
Klinken putzen
Besonders die Ermittlungsarbeit wirkt authentisch, wenn das Team zum Beispiel verschiedenen Spuren nachgeht, die nicht immer zum Ziel führen. Der Roman wird multiperspektivisch erzählt. Die unterschiedlichen Perspektiven der Ermittler, aber auch einiger Verdächtiger und die der Opfer durchleuchten dabei die Vermisstenfälle auf ganz unterschiedliche Art. So setzt sich der Fall mosaikartig zusammen, denn es gibt gleich mehrere Parallelhandlungen, bei denen man erst nach und nach erfährt, was sie mit dem Verschwinden der jungen Frauen zu tun haben. Dies sorgt für jede Menge Spannung und Nervenkitzel. Auch dem Privatleben der Ermittler räumt der Autor Platz ein, es dominiert aber nicht die Handlung. Stattdessen bleiben Fragen noch offen, die sicherlich in den nächsten Bänden beantwortet werden. Dies gilt auch für die Auflösung, die durchaus ungewöhnlich und überraschend ist, aber gerade deswegen realistisch erscheint. Und keine Sorge: Der Leser wird hier nicht enttäuscht zurückgelassen, sondern eher die Vorfreude auf den nächsten Band geweckt.
Fazit
Der aktuelle Thriller von Ørjan N. Karlsson bietet alles, was man von skandinavischer Spannungsliteratur erhofft: eine düstere nordische Atmosphäre, einen brutalen, aber unscheinbaren Täter, psychologische Spannung statt Effekthascherei und ein Ermittlerteam, das sich den Namen auch verdient. Henning Mankell und Sjöwall/Wahlöö würden sicherlich anerkennend Beifall klatschen.

Orjan N. Karlsson, Pendragon

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