Vier Minuten Stille (Die Wase-Rahimi-Reihe 2)

  • Penguin
  • Erschienen: Mai 2026
  • 1
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Monika Wenger
83°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2026

Eine ausgefeilte Geschichte der verletzten Eitelkeiten.

Sommer und Festivalzeit. Die neunzehnjährige Rahel geniesst die Musik und die Atmosphäre. Und sie findet einen jungen Mann besonders faszinierend. In Gedanken gibt sie ihm den Namen Josh. Beim Tanzen kommen sich Rahel und Josh näher. Gerade als die Atmosphäre zu prickeln beginnt, entdeckt Rahel ihn. Er kämpft sich durch die Menge direkt auf sie zu. Rahel ergreift Hals über Kopf die Flucht.

Bescheidene Spurenlage

Sechzehn Jahre später: Mitten im dichten Schneetreiben wird im Garten einer Villa die Leiche der Schauspielerin Rahel Winter gefunden. Sie ist unbekleidet, trägt aber eine Mütze. Ihr Umfeld vermutet einen Suizid. Depressionen und Alkoholismus kommen als mögliche Auslöser in Betracht. Doch als die Kommissare Wase Rahimi und Emma Paulsen genauer hinschauen, entdecken sie eine Kopfverletzung, die zum Tod geführt hat.
Der grösste Teil der Spuren wurde von der Täterschaft penibel beseitigt. Die Suche nach Anhaltspunkten ist deshalb herausfordernd. Gesichert ist jedoch, dass das Opfer bewusst im Garten platziert wurde, um einen Suizid vorzutäuschen. All diese Hinweise zusammen sind zu wenig, um den Ermittlern erfolgversprechende Anhaltspunkte zu liefern. Ganz offensichtlich fehlt das Motiv. Doch für Rahimi nimmt der Fall eine unerwartete Wendung. Sein Vorbild und sein bester Freund Lennart Bär wurde am Tatort gesehen.

Es geschieht ein weiterer Mord, ohne dass das Team Zusammenhänge erkennen kann. Neben den vielen Herausforderungen beschäftigt Wase Rahimi vor allem eine Frage: Was hat Bär mit all dem zu tun?

Geschicktes Spiel

Schon der Prolog des Thrillers hat es in sich. Nach den ersten Sätzen ist man mittendrin und gefesselt. Dann folgt ein abrupter Szenenwechsel und die Handlung setzt sechzehn Jahre später ein. Die merkwürdigen Umstände, die zum Tod von Rahel Winter führen, verwirren die Kommissare. Es sind sehr viele Puzzleteile, und keines passt zum anderen. Vorerst!

Nach ihrem Debütroman «Fünfzehn Sekunden» ist dies der zweite Band der Wase-Rahimi-Reihe von Chris Warnat. Einzelne Ereignisse aus dem ersten Buch fliessen zurückhaltend ein. Gerade so viel, wie nötig, damit die Zusammenhänge einigermassen verständlich sind. Die Autorin legt den Fokus nicht allein auf die Aufklärungsarbeit der Polizei, sondern zeigt auch die menschliche Seite der Beteiligten. So beschreibt sie etwa Wase Rahimis Gedankengänge oder erzählt von der verzweifelten Suche des Kommissars Bär nach seinem verschwundenen Sohn. Allerdings fehlen gerade in diesen Bereichen Informationen aus dem ersten Band, die viel zum Verständnis beitragen würden. Es ist also unter Umständen besser, Band eins zuerst zu lesen.

Auf jeden Fall ist der Roman eine gelungene Mischung aus Faktensuche und Emotionen. Besonders raffiniert sind die vielen falschen Fährten, die geschickt in die Handlung integriert sind. Sowie das subtile Unbehagen, das sich durch den Thriller zieht. Erst gegen Ende löst eine überraschende Wende das Rätsel um die Täterschaft und klärt über die Gründe auf.

Fazit

«Vier Minuten Stille – und dann kam der Sturm» wartet mit einem absolut unerwarteten Ende auf. Der Weg dorthin wird vor allem im Mittelteil etwas gebremst. Das liegt unter anderem an den detailreichen Beschreibungen der vielschichtigen Figuren. Dadurch treten die Mordfälle ein wenig in den Hintergrund. Doch die Geschichte und ihre Hintergründe sind so interessant und fesselnd, dass man dies gerne in Kauf nimmt. Und auch der gut dosierte Nervenkitzel fehlt nicht.

Vier Minuten Stille (Die Wase-Rahimi-Reihe 2)

Chris Warnat, Penguin

Vier Minuten Stille (Die Wase-Rahimi-Reihe 2)

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