Alles, was der Fall ist (Oberst Benedikt Kordesch ermittelt 3)
- Droemer
- Erschienen: Mai 2026
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Spannung, Gesellschaftskritik und feiner Humor.
Ende Juni rollt eine große Hitzewelle über Österreich. Während die Medien über nichts anderes berichten, versucht Oberst Benedikt Kordesch dem Wetter zum Trotz einige schöne Urlaubstage mit seiner neuen, großen Liebe Franziska am idyllischen Neusiedlersee im schönen Burgenland zu genießen. Da stört es verständlicherweise die romantische Zweisamkeit etwas, als nur wenige Meter entfernt ein Mensch vom Himmel in den Nachbarbungalow kracht.
Notgedrungen nimmt Kordesch die Ermittlungen auf und stößt dabei schnell auf den Energydrink-Konzern HIGHER. Dessen milliardenschwerer Inhaber Mike Jurassić lässt seine politischen Beziehungen bis zum Innenminister spielen, um den Todesfall zu vertuschen – schließlich nahm der Toten an einem riskanten Fallschirmsprung für einen Werbespot des Konzerns teil. Ein schlechtes Image will man mit allen Mitteln verhindern, finanziert man doch gerade öffentlichkeitswirksam ökologische Projekte am Neusiedlersee.
Doch der Konzern hat nicht nur Freunde, denn das Unternehmen steht wegen seines Auftretens und undurchsichtiger Beziehungen nach Osteuropa in der Kritik. Während Oberst Kordesch untersucht, ob es sich beim Todesfall um ein Unglück oder Sabotage handelt, kommt es zu einem weiteren rätselhaften Vorfall und mit dem Urlaub scheint es nun endgültig vorbei zu sein.
Verbrechen in der Idylle
Der Millstätter See in Kärnten, die Gemeinde Vorderstoder in Oberösterreich und nun Rust am Neusiedlersee im Burgenland: Wenn Autor Simon Ammer seinen grantigen, durchaus kauzigen, aber äußerst scharfsinnigen Oberst Benedikt Kordesch ermitteln lässt, dann nur in den schönsten Regionen Österreichs. Das ist sicherlich kein Zufall, denn die vermeintliche Urlaubsidylle steht stets im Widerspruch zu den grausamen Verbrechen. Vetternwirtschaft und die Verquickung von Politik und Wirtschaft machen es dem wortkargen Kordesch dabei oft schwer, den Täter zu finden. Aber weder von Oberstaatsanwältin Wiltrud Krakauer, mit der der Oberst wie gewohnt im telefonischen Kontakt steht, noch von der Politik lässt sich der Ermittler bremsen. Denn Kordesch ist nicht nur stur, sondern auch ein Gerechtigkeitsfanatiker, der nicht eher Ruhe gibt, bis der Fall aufgeklärt ist.
Da passt es eigentlich gerade gar nicht, dass er seiner geliebten Franziska einen Heiratsantrag machen möchte und deren Tochter samt Enkelin kurzfristig bei ihnen im Mobile Home am See einziehen. Darüber hinaus bekommt er auch noch von seinem jungen Kollegen Bernie Havran (Leser der Reihe werden ihn bereits aus Band 1 kennen) Beziehungsratschläge. Aber Kordesch wäre nicht Kordesch, wenn er sich davon unterkriegen lassen würde.
Ermittler im Mittelpunkt
Zynismus, skurrile Figuren, feiner Wortwitz und wunderbar pointierte Dialoge sind auch diesmal die Zutaten für einen unterhaltsamen Kriminalroman. Dazu kommt wie bereits in den ersten beiden Bänden jede Menge Gesellschaftskritik. Ammer ist ein feiner Beobachter gesellschaftlich-politischer Missstände und macht diese immer wieder zum Thema in seinen Romanen.
Man wird – wie auch in seinem beeindruckenden und äußerst lesenswerten dystopischen Roman „Smart City“, den Ammer unter seinem Klarnamen Daniel Wisser im letzten Jahr veröffentlichte – als Nichtösterreicher nicht ganz den Blick für jedes liebevolle Detail besitzen und alle Bezüge und Anspielungen (auch bezogen auf die Figuren) erkennen. Das muss man auch gar nicht, denn Ammer übt seine Kritik am Machtmissbrauch, Korruption und Freunderlwirtschaft auch so länderübergreifend. Es sind halt stets die üblichen Verdächtigen aus Politik und Wirtschaft.
Der Fall ist diesmal allerdings ungewöhnlich verzwickt, was er für einen Regionalkrimi gar nicht sein müsste – auch wenn Ammers Romane ohne Zweifel trotz aller Leichtigkeit auch stets einen gewissen Anspruch und Tiefe besitzen. Denn wenn der Autor sich mit den privaten und gesellschaftlichen Absurditäten auseinandersetzt, schwingt auch immer ein ernster Grundton mit, der der Handlung eine zweite Ebene gibt. Unterhaltsam und humorig sind Ammers Kriminalromane immer, aber nie belanglos.
Scharfer Blick hinter die Fassaden
Auch stilistisch hebt sich die Oberst-Kordesch-Reihe deutlich vom Einheitsbrei der sogenannten Regionalkrimis ab. Ammers Romane besitzen natürlich jede Menge Lokalkolorit, aber der Autor spielt mit diesem Genre, was ihm ganz offensichtlich große Freude bereitet. Auch der oftmals etwas columbohaft auftretende Kordesch ist in den Fällen stets ein Fremder, kommt er doch eigentlich aus Wien und hält sich stets zufällig vor Ort auf. Dies verleiht dem Oberst einen anderen Blick auf die Dinge, der für genügend Reibungspotential sorgt und so manchen Missstand aufdeckt.
Fazit
Simon Ammer weiß auch mit dem dritten Band seiner Oberst-Kordesch-Reihe zu überzeugen. Auch wenn der Fall diesmal doch komplizierter erscheinen mag, lohnt sich die Lektüre. Denn alleine die Darstellung des eigenwilligen, aber cleveren Kordeschs und der wortgewandte Erzählstil des Autors verleihen den Romanen einen ganz eigenen Sound, dem man gerne als Leser lauscht.

Simon Ammer, Droemer



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