Die Tote von Nazaré: Ein Portugal-Krimi
- Aufbau - Taschenbuch
- Erschienen: Februar 2026
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Nazarés Wellen als Metapher für den Genesungsprozess einer Polizistin.
Nach einer Kopfschussverletzung hat sich Kriminalhauptkommissarin Maren Berger monatelang ins Leben zurückgekämpft. Noch ist sie nicht wieder ganz hergestellt. Ihr Erinnerungsvermögen lässt sie häufig im Stich und sie ermüdet schnell. Die Reise nach Portugal soll ihren Genesungsprozess beschleunigen und ihr Ruhe geben. Doch kurz nach ihrer Ankunft entdeckt Maren eine Tote.
Wenn der Kopf nicht mitmacht
An der portugiesischen Atlantikküste wünscht sich Maren nichts sehnlicher, als Abstand zu den Ereignissen zu gewinnen. Sie ist im Touristenort Nazaré gelandet, weil sie von einer riesigen Welle geträumt hat.
«Eine Welle hatte sie ins Leben zurückgespült, und auf dieser Welle musste sie sich tragen lassen, ohne einen Plan, ohne das Gefühl, sofort wieder funktionieren zu müssen. Ja, und deshalb war sie nun hier in Nazaré, im Ort der Wellen, […]»
Doch die gewünschte Ruhe stellt sich vorläufig nicht ein. Kaum angekommen, entdeckt Maren eine Tote. Sie informiert unverzüglich die örtliche Polizei. Als diese eintrifft, ist die Leiche jedoch verschwunden. War das Ganze nur Einbildung? Maren zweifelt an ihrem Gedächtnis, findet aber unerwartet Unterstützung durch Inspector João Ferreira. Obwohl sie zunächst Distanz bewahren möchte, zieht sie Inspector Ferreira immer tiefer in die Ermittlungen hinein. Plötzlich tauchen Arbeitskollegen aus Köln in Nazaré auf und versuchen, Maren und den Inspector auszubremsen.
Surfer-Paradies und Mordermittlung
Der erste Fall des Ermittlerduos spielt im berühmten Nazaré. Der Ort an Portugals Atlantikküste ist bei Surfern wegen seiner hohen Wellen äusserst beliebt. Genau diese Atmosphäre weiss der Autor gezielt einzusetzen. Doch der Ort ist nicht so paradiesisch, wie angenommen. Die Mordermittlungen zeigen seine Kehrseite. Aus Marens Perspektive erzählt, fängt Silva diese Szenerie meisterhaft ein. Dass sie sich dabei nicht immer auf ihr Gedächtnis verlassen kann, macht es erst recht schwierig. Diese aussergewöhnliche Situation nutzt Miguel Silva und bindet sie in einen Mordfall ein. Was es bedeutet, sich selbst nicht trauen zu können, führt er uns anschaulich vor Augen.
Der Krimi ist sehr gut zu lesen. Allerdings werden manche Szenen unnötig oft wiederholt. Auch das Verhalten der Protagonistin ist nicht immer nachvollziehbar. Sie möchte nicht mithineingezogen werden, wird dann aber trotzdem aktiv. Dessen ungeachtet hat die Mischung aus deutscher und portugiesischer Mentalität, verbunden mit dem beliebten Surfer-Treffpunkt Nazaré, eine besondere Wirkung.
Fazit
«Die Tote von Nazaré» von Miguel Silva ist ein gelungener Auftakt für seine neue Krimiserie. Das Buch überrascht mit einer besonderen Idee: Eine angeschlagene Ermittlerin, die sich selbst nicht trauen kann, hilft bei der Aufklärung eines Mordfalls. Die Kulisse von Nazaré ist nicht nur Schauplatz, sondern ist auch eine Metapher für Marens inneren Kämpfe. Für Fans von Regionalkrimis ist dies eine lohnende Lektüre, die die Neugier auf weitere Fälle des Polizistenduos weckt.

Miguel Silva, Aufbau - Taschenbuch

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