Ohne ein letztes Wort
- Goldmann
- Erschienen: Oktober 2025
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Ambitionierter Thriller, der mehr verspricht, als er halten kann.
Dr. Maggie McCabe war bis vor Kurzem noch eine renommierte plastische Chirurgin und anerkannte Expertin. Nach ihrem Universitätsabschluss mit summa cum laude und ihrer Zeit an der Johns Hopkins Medical School war sie mehrere Jahre als Militärärztin in Kriegsgebieten im Einsatz. Für ihr aufopferungsvolles Engagement wurde die brillante Ärztin unter anderem mit dem Purple Heart ausgezeichnet. Später gründete sie mit ihrem Mann Marc und einem befreundeten Arzt eine hoch angesehene Wohltätigkeitsorganisation.
Doch als sie nach einer Reihe von Schicksalsschlägen ihre ärztliche Zulassung verliert, gelangt sie an einem Tiefpunkt an. Umso überraschter ist Maggie, als sie über einen befreundeten Arzt, der eines der erfolgreichsten und exklusivsten Unternehmen für kosmetische Chirurgie betreibt, ein ungewöhnliches Angebot erhält: Ein einflussreicher russischer Oligarch verlangt eine ungewöhnliche Behandlung bei absoluter Diskretion. Maggie erliegt dem beruflich wie finanziell verlockenden Angebot. Auf einem entlegenen Luxusanwesen begegnet sie dem geheimnisvollen und mächtigen Klienten, über den es im Internet so gut wie keine Informationen gibt. Maggie begibt sich in eine Welt voll unermesslichem Reichtum und erfüllt ihren Teil der Vereinbarung. Doch dann verschwindet ihr Patient plötzlich spurlos und die Ärztin gerät in Lebensgefahr. Maggie bemerkt zu spät, dass sie Teil einer perfiden Verschwörung ist, die nicht nur die Kreise der internationalen Elite erschüttert, sondern auch tief in Maggies eigene Vergangenheit zurückreicht.
Gemeinschaftsprojekt
Mit ,,Ohne ein letztes Wort'' schrieb Hollywood-Star Reese Witherspoon zusammen mit dem US-Bestseller-Autor Harlan Coben ihren ersten Thriller, der hierzulande beim Goldmann Verlag erscheint. Der Roman basiert auf einer Idee der 49-jährigen Schauspielerin und Produzentin, während Coben zum gemeinsamen Projekt seine Expertise und Erfahrung als langjähriger Thrillerautor beitrug. Zusammen erarbeiteten Witherspoon und Coben den Plot, schufen die Charaktere und schrieben über viele Monate hinweg gemeinsam am Roman.
Eine Filmadaption ist - wie man es von Harlan Coben bereits gewohnt ist - ebenfalls in Arbeit. Vielleicht ist aber genau dies das größte Problem des Thrillers: Coben und Witherspoon haben stets die filmische Umsetzung im Kopf. Dies sorgt zwar für jede Menge Action und auch aufgrund der verschiedenen Handlungsorte wie New York, Russland, Dubai und Frankreich für ein interessantes Setting wie in einem James-Bond-Film, skizziert die Figuren dafür aber zu oberflächlich und klischeehaft. Die mit allen US-militärischen Ehren dekorierte Superärztin, der böse Russe oder eine durch den Krieg traumatisierte junge Frau wirken in ihrem Auftreten ebenso blutleer wie überzogen.
Multithriller
Letztendlich kann sich das Autoren-Duo auch nicht ganz entscheiden, welche Art von Thriller sie schreiben wollen, denn die Themen sind mit Militär, Wissenschaft, Verschwörung, Spionage oder auch Medizin mannigfaltig. Garniert wird alles mit exotischen Orten, überbordenden Reichtum und Luxus, düsteren Schurken und einer Medizinerin, die wie eine Agentin auftritt.
Das Ganze ist dennoch durchaus reizvoll und unterhaltsam, man muss aber beim Lesen auch das ein oder andere Mal ein Auge zudrücken, wenn es mit Witherspoon und Coben wieder einmal durchgeht. Dazu gehört auch eine App, die Maggie auf ihrem Handy nutzt: eine Beta-Version eines Deadbots, mit der sie dank KI Kontakt mit einer verstorbenen Person aufnehmen kann, die ihr in so manch einer brenzligen Situation hilft. Auch wenn dies technisch längst keine Zukunftsmusik mehr ist, wirkt es insgesamt doch zu konstruiert.
Klare, aber einfache Sprache
Der Thriller lässt sich wunderbar flüssig lesen, dafür ist Coben auch ein zu erfahrener Thrillerautor. Leider fällt auch erneut ein für ihn typisches Manko auf: Der US-Autor neigt immer wieder dazu, den Roman mit Inhalten aufzublähen, die weder für den Handlungsfortschritt noch für die Figurendarstellung Relevanz besitzen. Die Sprache ist auch wie üblich sehr einfach und erinnert auch bei Personenbezeichnungen an TKKG-Folgen aus der Kindheit (z. B. Klotzkopf). Der Versuch, den Figuren emotionale Tiefe zu verleihen, gelingt nur bedingt. Dafür lassen die kurzen Kapitel und häufigen Szenenwechsel viel Dynamik und Tempo aufkommen, so dass der Roman letztendlich zu einem Pageturner wird.
Fazit
Wer kurzweilige, rasante Thriller mag, der unterschiedliche Genres bedient und mehr Wert auf einen kurzweiligen Plot statt auf eine tiefer gehende, glaubwürdige Figurendarstellung legt, der wird vom ersten gemeinsamen Projekt Witherspoons und Cobens begeistert sein. Man muss aber über so manches Klischee, einen inhaltlich etwas überladenen Plot und eine nicht immer stimmige Handlung hinwegsehen. Unterhaltsam ist die Erzählweise mit ihrer dynamischen, filmischen Art aber auf jeden Fall.

Reese Witherspoon, Harlan Coben, Goldmann

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