Die Toten der anderen
- Knaur
- Erschienen: Dezember 2025
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Ein Blick hinter die Fassaden der Upper Class.
Der 15-jährige Ed Clough muss sich erst einmal übergeben, als er in einem umgestürzten Kajak den Leichnam einer jungen Immobilienmaklerin findet, die an einem Teambuilding-Wochenende mit ihren Kollegen in Wales teilnahm. DC Ffion Morgan und ihre Kollegin DC George Kent erkennen schnell, dass sie es mit einem Mordfall zu tun haben. Doch wer könnte einen Grund haben, eine Maklerin zu töten?
Gleichzeitig ermittelt Ffions Freund, DS Leo Brady, im englischen Cheshire im Rahmen einer Einbruchsserie im Nobelviertel „The Hill“. Die Muster ähneln sich immer wieder: Während die Besitzer unterwegs sind, wird die Alarmanlage aus Betrieb gesetzt und das Haus durchsucht. Das Seltsame ist allerdings, dass der Räuber in den millionenschweren Villen kaum etwas stiehlt. Brady ist davon überzeugt, dass der Täter nach etwas ganz Bestimmtes sucht. Aber was könnte das sein?
Er spät bemerken Morgan und Brady, dass ihre Fälle nicht nur irgendwie miteinander zusammenhängen, sondern die Spur sogar zu einem zehn Jahre zurückliegenden Cold-Case-Fall führt. Jemand ist bereit einen hohen Preis zu zahlen, um sein Geheimnis zu bewahren - und schreckt dabei auch vor Mord nicht zurück.
Dritter Band der Reihe
Zwei Jahre mussten Fans der Krimireihe um das unterhaltsame englisch-walisische Ermittlerduo Leo Brady und Ffion Morgan warten, bis nun endlich im Knaur Verlag der dritten Band erscheint. Mittlerweile wurden die Bücher der britischen Autorin Clare Mackintosh, zu denen auch einige Standalones zählen, in über vierzig Sprachen übersetzt und weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft. Die Werke der mehrfach preisgekrönten Autorin sind maßgeblich von ihrer früheren Karriere im Polizeidienst geprägt. Dies gilt insbesondere für ihre wunderbare Krimireihe, die im Grenzbereich zwischen England und Wales spielt. Der etwas unpassende Titel des dritten Bandes, „Die Toten der anderen“ (OT: Other People‘s Houses), mag der Versuch sein, sich inhaltlich stärker vom Auftakt der Reihe, „Die letzte Party“ zu unterscheiden, der ein sehr ähnliches Setting in Form eines Wohngebietes aufweist, in dem die Taten geschehen und schwerpunktmäßig ermittelt wird.
Grenzüberschreitendes Ermittlerduo
Die Reihe besitzt einen großen Vorteil: Die Ermittlerteam bestehend aus der eigenwilligen, aber auf ihre Art charmanten Waliserin Ffion Morgan und dem exzellenten Ermittler, aber etwas willensschwache und zurückhaltende Leo Brady funktioniert einfach so gut, dass die Kriminalfälle beinahe zu vernachlässigen sind. Beide wohnen mittlerweile zeitweise zusammen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, da die in ihrer walisischen Heimat tief verwurzelten Ffion und ihr Freund trotz intensiver Suche keine gemeinsame Bleibe finden können. Erschwerend kommt hinzu, dass Leo sich um seinen Sohn Harris kümmern möchte, der bei seiner geschiedenen Frau Allie wohnt, die keine Gelegenheit ungenutzt lässt, um gegen Ffion Stimmung zu machen.
Verwickelter Fall
Der Fall erscheint zunächst recht spektakulär und entwickelt sich erst allmählich. Mackintosh bietet gleich drei Parallelhandlungen: den Mord an der Maklerin Natasha, die Einbruchsserie in „The Hill“ und die Untersuchungen in einem Cold-Case-Fall. Das Interessante an dem ungelösten Verbrechen ist, dass die „Ermittlungen“ durch die Macher und Zuhörer der Podcast-Reihe „Without Conviction“ erfolgen, von der auch Ffion ein großer Fan ist. Ihr zuliebe muss Leo auch immer wieder bei der Abteilung für Cold Cases nachfragen, ob es neue Entwicklungen im Fall der vor zehn Jahren getöteten Carmicheals gibt.
Unterhaltsamer Krimi
Ihre Erfahrung aus zwölf Jahren bei der britischen Kriminalpolizei nutzt Autorin Clare Mackintosh, um besonders von der Ermittlungsarbeit ein glaubwürdiges Bild im Roman zu vermitteln. Ihre Protagonisten sind keine Superhelden, sondern menschliche Ermittler, denen Fehler unterlaufen und die Zeit brauchen, um dem Täter auf die Spur zu kommen. Aber keine Sorge: Langweilig ist die Tätersuche auf keinem Fall. Hierfür sorgt die Autorin mit feinem Humor, witzigen Dialogen und Szenen. So muss sich Leo Brady nicht nur einmal den amourösen Annäherungsversuchen einer gelangweilte Millionärsgattin widersetzen und seine Ex bleibt trotz zahlreicher Bemühungen, Beziehungen zu den Upper-Class-Pärchen in der luxuriösen Wohngegend aufzubauen, für diese eine verachtenswerte Wanze, die sie aber dennoch für ihre Zwecke auszunutzen wissen. Dabei wird die vermeintliche Idylle in „The Hill“ als familiäres und soziales Desaster entlarvt.
Fazit
„Die Toten der anderen“ ist vielleicht nicht der beste Teil der Reihe, aber allein wegen des starken Ermittlerduos äußerst lesenswert. Action und Verfolgungsjagden sucht man vergebens, dafür überzeugen Ffion und Leo in diesem erneut atmosphärisch gelungenen Roman mit guter Ermittlungsarbeit, unterhaltsamen Dialogen und feinem Humor. Fans der Reihe dürfen sich darauf freuen, dass der Roman mit einem ganz besonderen Ende aufwartet.

Clare Mackintosh, Knaur



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