Die letzte Party

  • Knaur
  • Erschienen: Dezember 2022
Die letzte Party
Die letzte Party
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Thomas Gisbertz
82°

Krimi-Couch Rezension vonDez 2022

Ein spannender und unterhaltsamer Krimi mit einem starken Ermittlerteam

Niemand im kleinen walisischen Dorf Cwn Coed, unmittelbar an der Grenze zu England, erinnert sich noch daran, in welchem Jahr man mit der Tradition des Neujahrsschwimmen im eiskalten Llyn Drych begann. Aber an das diesjährige Schwimmvergnügen wird sich garantiert jeder erinnern – nicht, weil etwa so viele Einwohner daran teilgenommen hätten, sondern weil ein Toter im See treibt. Dabei fand erst am Silvesterabend die Party aller Partys im neuen, angrenzenden Luxus-Lodge-Resort statt. Deren reiche, aber äußerst unbeliebte englische Besitzer haben die Dorfbewohner großzügig eingeladen, um mit ihnen Champagner zu trinken und die Spannungen zwischen den beiden Gruppen etwas zu lösen. Doch anscheinend waren nicht alle nur zum Feiern da.

Nun hat die junge Ermittlerin Ffion Morgan neben den Lodge-Besitzern auch ein Dorf voller Verdächtiger - die zugleich ihre Nachbarn, Freunde und Familie sind. Sie alle haben ein Motiv. Und niemand sagt wirklich die Wahrheit, auch Ffion nicht. Gemeinsam mit DC Leon Brady von der englischen Polizei muss sie dennoch schnell den Täter finden, damit nicht auch ihre dunklen Geheimnisse ans Licht kommen. Denn wirklich unschuldig ist keiner - weder die Dorfbewohner noch die Lodge-Besitzer.

Ehemalige Polizistin

Die britische Autorin Clare Mackintosh arbeitete bis 2011 zwölf Jahre lang bei der britischen Kriminalpolizei, dem CID (Criminal Investigation Department ), bevor sie sich entschloss, zwei Jahre Auszeit zu nehmen, weil sie ihre eigenen Kinder kaum mehr sah und sie sich nach neuen beruflichen Herausforderungen sehnte. Mackintosh arbeitete in der folgenden Zeit für diverse Zeitungen und begann mit dem Schreiben von Thrillern und Kriminalromanen. Allein ihr Debüt-Thriller „Meine Seele so kalt“ (2014) verkaufte sich bisher weltweit über zwei Millionen Mal.

Im Lübbe Verlag erschienen bislang vier Standalone-Thriller der Britin. Nun veröffentlicht der Droemer-Knaur Verlag den ersten Band ihrer neuen Krimireihe um das Ermittlerteam Ffion Morgan und Leo Brady. Zusammen mit ihrer Familie lebt die Autorin im Handlungsort der Serie: in Nordwales.

Klassischer Aufbau

Der Plot erinnert an klassische Agatha-Christie-Romane. Auch bei Mackintosh gibt es eine überschaubare Anzahl von Verdächtigen, die abwechselnd in den Fokus der Ermittlungen geraten und alle kein wirklich reines Gewissen haben. Auch der Handlungsraum ist begrenzt, spielt sich doch alles am Llyn Drych, einem See im walisisch-englischen Grenzgebiet, ab.

Die Figuren der reichen Luxus-Lodge-Besitzer und ihrer Familien könnten kaum exzentrischer und spezieller sein. So gibt es das yoga-affine Dummchen Blythe, die mit ihrem Mann Jonty, dem Geldgeber des Resorts, zusammenlebt. Des Weiteren wohnt dort ein ehemaliger Boxer und jetzigen TV-Star, der sich ständig mit den nervigen Wünschen seiner Frau Ashleigh, einer bekannten Influencerin, auseinandersetzen muss. Auch die 70-jährige Deirdre Huxley, die ihr Geld auf wenig damenhafte Art verdiente, ist nun ebenso stolze Lodge-Besitzerin wie die Londonerin Clemmie, die sich das luxuriöse Ferienhaus eigentlich gar nicht leisten kann, aber wegen ihres vorbestraften Sohnes hierherzieht. Nicht zu vergessen Rhys Lloyd, der Grundbesitzer der Anlage und ein früher umjubelter Sänger, der samt seiner Frau Yasmin ein Lodge in der Anlage bezieht. Bei dieser Personenkonstellation ist es klar, dass es auch bei den dortigen Bewohnern zu Spannungen untereinander kommt. In Rückblicken werden mehr und mehr ihre Handlungsmotive sowie zahlreiche Konflikte untereinander deutlich.

Britisches Ermittlerteam

Im Mittelpunkt der Handlung steht aber ein ganz besonderes Ermittlerteam: Detective Constable Ffion Morgan von der North Wales Police und DC Leo Brady von der Cheshire Constabulary. Da der Tote auf der walisischen Seite des Sees gefunden wurde, aber die Person in England wohnte und als vermisst gemeldet wurde, gilt es zunächst die Zuständigkeiten zu klären. Letztendlich einigt man sich darauf, gemeinsam zu ermitteln. Dabei ist dies anfänglich etwas kompliziert, da sich Morgan und Brady auf einer Silvester-Party kennengelernt und zusammen die Nacht verbracht haben - ohne jedoch ihre wahren Identitäten preis zu geben. So sind „Harriet“ und „Marcus“ mehr als überrascht, als sie sich am Neujahrsmorgen vor der Rechtsmedizin wiedersehen.

Beide Figuren sind vom Charakter her verschieden. DC Leo Brady ist ein wenig durchsetzungsfähiger Mensch, der ebenso unter seiner herrische Ex-Frau Allie wie unter seinem arroganten und überheblichen Chef DI Crouch zu leiden hat. Besonders hadert er damit, dass er seinen Sohn kaum sehen kann und Allie ihm das Leben unnötig schwer macht. Sein Chef ist in den Augen von Ffion ein Rassist, da er ständig niveaulose Witze über Leo macht - seinen einzigen nicht weißen Ermittler.

Ffion dagegen ist ein komplexer, mitunter komplizierter, aber selbstbewusster und wie Leo sehr liebenswürdiger Charakter. Nach der Trennung von ihrem Mann ist die 30-jährige Ermittlerin wieder zu ihrer Mutter und ihrer jüngeren Schwester gezogen. Dass Ffion sich von ihrer walisischen Heimat niemals richtig lösen konnte, hängt auch mit einem familiären Geheimnis zusammen, das im Verlauf der Handlung eine immer größere Rolle einnimmt. Mit Ffion und Leo gelingen Clare Mackintosh zwei wunderbare Figuren, die nicht nur als Ermittler überzeugen. Besonders die pointierten Dialoge zwischen beiden sind ein besonderes Highlight.

Fazit

Clare Mackintosh weiß mit dem Auftakt ihrer neuen Krimi-Reihe mehr als zu überzeugen. Die Verbindung aus klassischen Krimi-Elementen und moderner Gestaltung funktioniert auch deshalb zu gut, weil mit Ffion Morgan und Leo Brady zwei starke, eigenwillige Protagonisten aufeinandertreffen, die man einfach mögen muss. Ein Buch, wie gemacht für die Weihnachtstage!

Die letzte Party

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