Safe Space - Der sicherste Ort. Eine tödliche Falle.
- Lübbe
- Erschienen: November 2025
- 4


Spannende Grundidee mit schwacher Auflösung.
,,Ich hin hier genau am richtigen Ort'', sagt sich die junge Gefängnispsychologin Anna Salomon immer wieder, als sie ihren Dienst in der JVA Weyer, einem Hochsicherheitsgefängnis in der Nähe von Köln, antritt. 233 Intensivstraftäter, die hier wegen schwerer Gewaltdelikte, Sexualstraftaten oder Organisierter Kriminalität einsitzen. Ein eher ungewöhnlicher Ort für eine junge Frau, auch wenn Anna als Jahrgangsbeste mit ausgezeichneten Qualifikationen abgeschlossen hat. Alles an diesem Gefängnis ängstigt sie. Doch es sind weniger die Insassen. Anna kann hier ihrer Vergangenheit nicht mehr entfliehen.
Denn dass sie gerade diese Justizvollzugsanstalt ausgesucht hat, ist kein Zufall. Anna verfolgt einen Plan, von dem niemand etwas wissen darf. Inmitten von Schwerverbrechern, Serienmördern und Vergewaltigern will sie Heilung finden - und eine Antwort auf die Frage, die sie seit sechs Jahren quält. Hierfür ist Anna bereit, sich ihren Dämonen zu stellen. Doch einer der Insassen erkennt ihre Absicht und setzt alles daran, dass die Wahrheit unentdeckt bleibt.
,,Happy End'' - Autorin
Autorin Sarah Bestgen studierte Psychologie in Köln und Bonn und arbeitete rechtspsychologisch und klinisch, bevor sie für eine renommierte Personalberatung in der Führungskräfteauswahl und -entwicklung tätig wurde. Bereits in ihrem Thrillerdebüt ,,Happy End'' bewies Bestgen ihr Gespür für psychologische Abgründe. Nun erscheint mit ,,Safe Space'' der zweite Stand-Alone beim Lübbe Verlag.
Packender Plot
Wenn man einen wirklich ungewöhnlichen Plot sucht, ist man bei Sarah Bestgens zweiten Thriller gut aufgehoben. Dass die junge, hoch talentierte Psychologin Anna, die Wissen mit viel Gefühl für die menschliche Seele paart, nach ihrem Abschluss unbedingt in einem Hochsicherheitsgefängnis arbeiten will, hat weniger mit ihren beruflichen Wünschen zu tun. Der Grund hierfür liegt in der näheren Vergangenheit und war gleichzeitig der Auslöser für ihren beruflichen Werdegang. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.
Bestgen gelingt es in spannender Weise, Annas Einstieg in die Gefängniswelt darzustellen. Gleichzeitig nähert man sich als Leser allmählich dem tatsächlichen Grund für ihre Arbeit in der JVA Weyer. Dies geschieht durch vier Erzählebenen bzw. -perspektiven, was zunächst etwas verwirrend erscheinen mag, da man nicht alle unmittelbar zuordnen kann. Erst nach gut einem Drittel versteht man die Zusammenhänge besser und kann sich selbst ein Bild von Annas Intention machen, auch wenn diese nicht in Gänze zu überzeugen weiß.
Schwaches Ende
So überraschend das Ende des Romans sicherlich ist, desto wenig überzeugend erscheint es. Denn Anna, die große ,,Menschenleserin'', hat sich täuschen lassen. So etwas gehört zu einem packenden Thriller sicherlich auch dazu. Allerdings ist diese Fehleinschätzung kein Augenblick, sondern ein Dauerzustand, der sich über Jahre erstreckt. Die Motivation Ihres Gegenspielers mag aus psychologischer Sicht nachvollziehbar sein, was allerdings für die Umsetzung weniger gilt. Am Ende überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, sondern die Handlung wirkt leider auch stellenweise abstrus und unglaubwürdig. Einen solchen Schluss hat der wirklich packende Plot eigentlich nicht verdient.
Multiperspektiv
So vielfältig die Erzählperspektiven sind, so unterschiedlich überzeugend erscheinen diese. Wirklich packend und gelungen sind die Gefängnisepisoden, auch wenn es die Autorin mit ihrer Expertise als Psychologin manchmal etwas zu gut meint, zumal dies nicht immer einen Mehrgewinn darstellt. Andere Erzählperspektiven wissen nicht immer und vor allem nicht durchgehend den Ton zu treffen. Erstaunlich ist ebenso, dass die junge Psychologin Anna bei ihrer Suche zeitliche Zusammenhänge erkennt, die die Ermittlungsbehörden übersehen haben. Nicht nur hier wirkt die Umsetzung des Plots etwas gezwungen und arg konstruiert.
Fazit
Sarah Bestgen weiß zunächst mit einem wirklich ausgefallenen Plot zu überzeugen, dessen Umsetzung aber stellenweise zu holprig erscheint. Leider fällt die Auflösung zwar sehr überraschend, aber ebenso überzogen aus. Insgesamt ein Thriller, der sein großes Potential zu wenig zu nutzen weiß.

Sarah Bestgen, Lübbe

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