Lieblingsleichen (Die Knudsen/La Lotse-Serie 4)
- btb
- Erschienen: März 2026
- 0


Harte Realität und hanseatischer Humor.
Ein Obdachloser richtet sich in einer Mauernische in der Speicherstadt für die Nacht ein. Eine Autotür schlägt zu, Schritte nähern sich. Sekunden später ist er tot. Ein Bolzenschuss, wie es bei der Schlachtung von Tieren verwendet wird, hat sein Leben ausgelöscht.
Ungewöhnliche Mordwaffe
Nach einem anonymen Anruf übernehmen die Kommissare Thies Knudsen und Dörte Eichhorn vom LKA 12 Hamburg den Fall. In der Jacke des Toten finden sie einen Zettel mit der Aufschrift «In Hamburg sagt man tschüss! Lieblingsleiche Nr. 1». Weitere Hinweise oder gar verwertbare Spuren lassen sich nicht finden.
Am nächsten Morgen entdeckt eine Reinigungskraft im «Wunderland» in der Speicherstadt eine Miniaturfigur, die den toten Obdachlosen exakt darstellt. Sogar der Ort ist in der Miniaturdarstellung Hamburgs identisch. Die Kommissare stehen vor einem Rätsel und fürchten das Schlimmste: weitere Morde. Tatsächlich gibt es weitere Tote, und jedes Mal finden sich die entsprechenden nachmodellierten Figürchen im Miniatur Wunderland an den deckungsgleichen Orten.
Thies Knudsen sucht bei seinem Freund Oke «La Lotse» ein wenig Entspannung, und sie diskutieren die Mordfälle. Da alle Opfer ausländische Obdachlose sind, geht der Kommissar mit seinem Team mittlerweile von einem Feldzug aus. Damit rückt die rechte Szene in den Fokus der Ermittlungen.
« «Das Böse im Überbau», wie Oke Andersen das mal genannt und ergänzt hatte, dass es immer irgendwelche kruden Ideologien waren, die das Schlechteste aus den Menschen hervorholten, auch wenn sie selbst glaubten, etwas Gutes zu tun.»
Ein gesellschaftliches Problem
Die weltoffene Hansestadt Hamburg führt leider die Statistik der Obdachlosigkeit an. Ein alarmierendes Zeichen für die wachsende Spaltung der Gesellschaft. Die Vorstellung eines Feldzugs gegen Randständige ist deshalb äusserst erschütternd. Mit diesem Kriminalfall greifen Kester Schlenz und Jan Jepsen also ein echtes Problem auf, auch wenn man beim Lesen hofft, dass es sich nur um Fiktion handelt. Die unterhaltsamen Momente, etwa wenn Oke den überbesorgten Vater gibt, unterbrechen gezielt das Düstere und Brutale.
Wie bereits bei den vorherigen Büchern der Reihe, profitiert die Geschichte auch von den sympathischen Protagonisten. Knudsen und seine Partnerin Eichhorn haben Ecken und Kanten, aber seine trockene Art und ihre Ruhe in kritischen Situationen machen sie zu einem unschlagbaren Team. Das Knistern zwischen ihnen macht sie nahbar. Das Autorenduo weiss, wie der Spannungsbogen durchgängig hoch zu halten ist und nutzen dazu auch wechselnde Erzählstränge.
Fazit
«Lieblingsleichen» von Kester Schlenz und Jan Jepsen ist kein gewöhnlicher Krimi. Er ist ein schonungsloser Spiegel der Realität. Die Autoren bauen eine beklemmende Atmosphäre auf und decken Schwachpunkte in der Gesellschaft auf. Sie legen den Fokus auf rechte Gruppierungen, Rassismus und Vorurteile. Aber sie erzählen auch von sozialen Institutionen, wie zum Beispiel der Drogenanlaufstelle. Diese Mischung aus unbequemer Realität und fiktiver Erzählung macht den Roman besonders.

Jan Jepsen, Kester Schlenz, btb





Deine Meinung zu »Lieblingsleichen (Die Knudsen/La Lotse-Serie 4)«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!