Ein Mord im November (Ein Fall für DI Wilkins 1)

  • Goldmann
  • Erschienen: Mai 2025
  • 6
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Carola Krauße-Reim
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2025

Zwei DI Wilkins und ein bisschen Krimi.

DI Ryan Wilkins ist nicht nur einer der jüngsten Detective Inspectors überhaupt, er ist auch ein eher ungewöhnlicher. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen, der Vater ein brutaler Trinker, die Mutter wenig fürsorglich und er selbst bald mit aussichtsreicher krimineller Karriere, hat er so gerade noch die Kurve bekommen. Die Colleges der Universität Oxford kennt er nur von außen, anders als sein Kollege Raymond Wilkins. Der kommt aus einer wohlhabenden Familie von Oxford-Absolventen. Und ausgerechnet diese beiden Gegensätze müssen den brutalen Mord an einer jungen Frau aufklären, die im Haus des Provost von Barnabas Hall gefunden wurde. Schnell tun sich Welten auf, doch Ryan hat einen guten Riecher und Ray die guten Manieren.

Oxford vom Insider

Wenn Oxford und Krimi in einem Satz benutzt werden, denkt man unwillkürlich an Inspector Morse oder seinen Nachfolger Lewis. Doch Oxford-Absolvent, Herausgeber und Autor Simon Mason lässt, quasi mit Insider-Wissen, ein neues, wie auch ungewöhnliches Duo in den heiligen Hallen der Colleges ermitteln. In Großbritannien taten sie das bereits drei Mal seit 2022, in Deutschland steigt der Goldmann Verlag jetzt ein. Wann die beiden bisherigen Nachfolger von „Ein Mord im November“ erscheinen werden, ist noch unbekannt, doch könnte sich DI Ryan Wilkins mit seinem ersten Auftreten eine so beachtliche Fangemeinde erschlossen haben, dass es vielleicht mit der Serie auch in Deutschland recht zügig weitergeht.

Interessant, auch ohne viel Spannung

Wer einen knallharten Thriller erwartet, ist hier eindeutig am falschen Platz. Wie man es von Universitätskrimis aus England gewohnt ist, geht es eher gemächlich zur Sache. Im Vordergrund stehen eindeutig die beiden gegensätzlichen Ermittler und Ryan noch ein wenig mehr als Ray. Die Krimihandlung hält sich diskret zurück und erscheint fast als lediglich notwendige Bühne für den Auftritt der beiden DIs Wilkins zu sein. Das produziert nicht gerade viel Spannung, allzumal die Geschichte auch noch ziemlich weit hergeholt und unrealistisch ist. Dennoch will man das Buch nicht aus der Hand legen, denn was Ryan und Ray abliefern, ist Gesellschaftskritik pur, mit ein wenig Humor vermischt.

Die Neuen aus Oxford

Leider kommen die Figurenzeichnungen nicht über Klischees hinaus, was etwas enervierend ist. Die Dozenten sind arrogant und berechnend, die Exil-Syrerin mit einem Trauma und der Herr aus dem Orient unermesslich reich und mit Dreck am Stecken. Aber zumindest Ryan hat auch eine, für viele andere, unsichtbare Seite und Ray immerhin die Flexibilität sich seinen Vorurteilen zu stellen. Ryan ist ein völlig anderer Mensch, wenn er mit seinem kleinen Sohn zusammen ist. Das gewährt ihm bestimmt viele Sympathiepunkte bei der Leserschaft, von denen Ray auch ein paar abbekommt, denn ganz so glatt und problemlos verläuft auch sein Leben nicht. Dennoch hätte man mehr aus diesen beiden Protagonisten machen können. Doch so werden lediglich die üblichen Klischees von dummen und Umgangsform-freien Menschen aus der Unterschicht und gehobene Küche essende und klassische Musik hörenden Angehörige der Oberschicht bedient.

Fazit

Nichts für Fans von knallharten Thrillern. „Ein Mord im November“ konzentriert sich auf die Protagonisten und ihre Eigenarten. Der Krimi läuft recht sanft nebenher. Doch Simon Mason macht das so gut, dass man schon auf den nächsten Teil und mehr von den DIs Wilkins gespannt sein darf.

Ein Mord im November (Ein Fall für DI Wilkins 1)

Simon Mason, Goldmann

Ein Mord im November (Ein Fall für DI Wilkins 1)

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