Handel der Gefühle

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Unionsverlag, 2004, Seiten: 254, Übersetzt: Hans-Joachim Hartstein
  • Barcelona: Tusquets, 2001, Titel: 'Vientos de cuaresma', Originalsprache
  • Havanna: Unión, 1994, Titel: 'Vientos de cuaresma', Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2006, Seiten: 250
  • Grevenbroich: LifeTime, 2016, Seiten: 1, Übersetzt: Martin Armknecht

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Thomas Kürten
Triumph der Melancholie

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jul 2003

Padura's Havanna-Quartett ist eine Serie für ganz besondere Momente. Für Momente voller Charme und Emotion, und ganz besonders für die Momente, in denen wir gerne in Erinnerungen schwelgen, denn hier zeigt uns Padura, mit wie viel Herzblut wir uns an die Ideale unserer Vergangenheit klammern können.

Padura lässt seinen Helden Mario Conde sehr oft an die glorreichen Tage seiner Jugend erinnern. An seine große Jugendliebe Tamara (wie im ersten Teil der Serie) oder an die Gemeinschaft seiner Schulfreunde, allen voran der Dünne Carlos, der damals auch wirklich noch dünn war. Wehmütig sind diese Erinnerungen. Der Blues der Karibik erklingt aus der Feder des kubanischen Autoren und wenn man die Erinnerungen des Protagonisten an den eigenen Großvater liest, tritt automatisch einer der Opis aus dem Buena Vista Social Club auf die Bühne.

Frühlingsgefühle

Bezeichnend, dass der Roman am Aschermittwoch des Jahres 1989 beginnt. El Conde ist seit drei Tagen in Gedanken bei der schönen Karina, einer jungen und geheimnisvollen Saxophonspielerin. Der Frühling, das ist die richtige Zeit um sich zu verlieben, weshalb auch ein Mario Conde ins Schwärmen gerät. Gegenüber dem dünnen Carlos, der früher noch dünn war, kennt er kein anderes Thema mehr. Noch während sich El Conde auf ein Wiedersehen am nahenden Wochenende freut, erhält er einen neuen Fall: Eine junge Lehrerin ist in ihrer Wohnung ermordet worden. Es scheint nichts gestohlen worden zu sein, aber in der Toilette findet die Spurensicherung die Reste eines Joints.

Die ist die einzige Spur, die der Tatort bietet und auch am Arbeitsplatz der Lehrerin, zufällig auch El Condes ehemalige Schule, erreicht der Teniente nichts. Aber ist das denn überhaupt wichtig, wenn man sich mit einer talentierten jungen Bläserin - ähem, Saxophonistin - trifft?

Sieg der Erinnerungen

Die Mischung macht beim Havanna-Quartett die Musik. Es ist aufwühlend, wie der kubanische Autor Leonardo Padura einen klassischen Whodunit mit Passagen voller Melancholie, Tränen und großer Gefühle bereichert. Auch wenn zeitweise die Kriminalhandlung in den Hintergrund tritt, so findet jede der zahlreichen Rückblenden und romantisch gefärbten Erinnerungen eine ästhetische Rechtfertigung. Man möchte weder die Passagen über den Großvater, der die Hähne zum Kampf abrichtete, noch die Abendessen beim dünnen Carlos, der früher wirklich einmal dünn war, vermissen.

Aber die vier Romane des Havanna-Quartetts sind mehr. Neben einem Krimi, neben verträumter Nostalgie, bieten sie ein desillusioniertes Bild Kubas im Jahre 1989. Eben dieses Jahr ist nicht nur das Jahr der Maueröffnung in Deutschland oder des Falles des eisernen Vorhangs gewesen. Auch in Kuba stellt es einen gesellschaftlichen Wendepunkt dar. In diesem Jahr werden eine Reihe angesehener Politiker wegen Drogenhandel und Korruption verurteilt, während sich Castro zeitgleich ziemlich allein im Kreise seiner ehemaligen kommunistischen Bruderstaaten vorkommen muss. Padura zeigt die Auswirkungen einer heruntergekommenen Wirtschaft und dem Streben der Menschen nach all den schönen Sachen, die ins Land geschmuggelt werden müssen. Er zeigt auch, wie Vetternwirtschaft und Korruption das schöne brüderlich-gleiche System unterwandern und wie weit zu gehen die Menschen für den eigenen Vorteil bereit sind. Und Padura macht das so gut, dass er für die gesamte Tetralogie nicht nur im Ausland, sondern auch in Kuba mit Preisen geehrt wurde.

Handel der Gefühle

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Letzte Kommentare:
19.04.2014 20:47:09
Jossele

Wieder eine sehr schön erzählte Geschichte um den Teniente Mario Conde, der es diesmal mit dem Mord an einer scheinbar allseits belliebten Lehrerin zu tun bekommt. Nach und nach gelingt es ihm und seinen Kollegen, die Farce aufzudecken. Für meinen Geschmack allerdings tritt in diesem Fall die Aufklärung etwas zu sehr in den Hintergrund gegenüber dem Privatleben des Ermittlers. 70°

25.04.2011 11:56:43
Anja S.

Wie auch in dem ersten Band des "Havanna-Quartetts" ist der Mordfall eher sekundär. Was dieses Buch so lesens- und liebenswert macht, ist die Schilderung des Lebens in Kuba, der Menschen, ihrer Leidenschaften und Sehnsüchte. Für Fans von Karin Schlächterin oä sind diese Bücher nicht zu empfehlen, wer jedoch anspruchsvoll erzählte Geschichten mit Atmosphäre mag, wird am diesem Buch seine Freude haben.

10.10.2008 14:17:35
mylo

Der Eindruck, der sich nach dem ersten Roman gebildet hat wird verstärkt und ergänzt. Es werden die Schwachstellen des Regimes dargestellt, mit der Korruption und einer Jugend, die den alten Idealen der Revolutionäre nicht mehr folgt. Nebenbei wird ein Kriminalfall mit Drogenhandel etc. erzählt, der von Zeit zu Zeit immer wieder mal in den Hintergrund tritt.
Bleibe auch hier bei 80 Punkten.

13.08.2006 19:13:23
Mäxchen

Sehr schön. Genauso habe ich es mir vorgestellt. Der Mordfall ist fast schon sekundär, denn das Treiben der Hauptfigur zieht den Leser in seinen Bann.
Besonders beeindruckt hat mich die Freundschaft Mario Condes und des "Dünnen", der jetzt nicht mehr dünn ist.
Man bekommt einen Eindruck, wie es sich in Kuba und damit in diktatorischem Sozialismus lebt.
Dieses Buch macht Lust auf mehr Padura und auch auf weißen Rum.
Wer also Kim Novak, Kumla und Schatten/Regen von Nesser so genial fand wie ich, sollte auch das Havanna-Quartett antesten.

27.03.2005 09:41:15
K-G BECK

Dies ist der zweite Band des Havanna-Quartetts, der beim Unionsverlag (ISBN 3-293-00322-2) erschienen ist und hier muss Mario Conde den Mord an einer jungen Chemielehrerin aufklären, die an seiner alten Schule unterrichtet hat. In vielerlei Hinsicht ist dies für ihn wieder mit mentalen Reisen in die Vergangenheit verbunden, während seine Gegenwart allerdings auch einige interessante Momente bereit hält.

Erzählerisch und sprachlich wieder ganz hervorragend und ein Muss für Jeden, der gute und gut erzählte Geschichten liebt.

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