Die Tote im Sturm

  • Limes
  • Erschienen: August 2022
Die Tote im Sturm
Die Tote im Sturm
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Thomas Gisbertz
68°

Krimi-Couch Rezension vonAug 2022

Leider nur ein laues Lüftchen

Ein Sturm nähert sich dem verschlafenen Ort Hovenäset. In der Mainacht, als das Unwetter über der idyllischen schwedischen Westküste niedergeht, geschehen gleich zwei Ereignisse, die bei den Einwohnern für Gesprächsstoff sorgen: Die Lehrerin Agnes Eriksson verlässt ihr Haus, um ihr Boot im Hafen zu kontrollieren und verschwindet dann spurlos. Gleichzeitig taucht mit August Strindberg ein neuer Bewohner in Hovenäset auf. Der ehemalige Vermögensverwalter will Stockholm hinter sich lassen und wird neuer Besitzer des lokalen Bestattungsunternehmens – samt Leichenwagen. August will aber weder in die Fußstapfen des Vorbesitzers treten, noch - wie von einigen Bewohnern befürchtet - ein Bordell eröffnen, sondern sein Geld mit einem Secondhand-Laden verdienen.

Bereits in der Sturmnacht machen sich Kriminalkommissarin Maria Martinsson und ihr Team ergebnislos auf die Suche nach der vermissten Lehrerin. Nachdem diese auch nach Tagen nicht auftaucht, werden Erinnerungen an einen Vermisstenfall wach, der fast dreißig Jahre zurückliegt. Damals fand man die junge Lydia Broman nach Tagen der Suche ermordet und zerstückelt im „Eishaus“, wie es die Bewohner nennen. Hat der Täter erneut zugeschlagen? Während August sein neues Fahrzeug gelb lackiert, erfährt er, dass der damalige Tatort sein neues Domizil war. Auch diesmal scheint das Haus im Zentrum um Agnes‘ Verschwinden zu stehen. Daher beginnt August auf eigene Faust zu ermitteln.

Schwedische Bestsellerautorin

Kristina Ohlsson arbeitete im schwedischen Außen- und Verteidigungsministerium als Expertin für EU-Außenpolitik und Nahostfragen, bei der nationalen schwedischen Polizeibehörde in Stockholm und als Terrorismusexpertin bei der OSZE in Wien. Mit ihrem Debütroman „Aschenputtel“ gelang ihr der internationale Durchbruch und der Auftakt zu einer hoch gelobten Thrillerreihe um die Ermittler Fredrika Bergman und Alex Recht. Neben der Veröffentlichung zahlreicher Jugendbücher schuf Kristina Ohlsson außerdem den hartgesottenen Anwalt Martin Benner, der in den Bestsellern „Schwesterherz“, „Bruderlüge“ und „Blutsfreunde“ ermittelt. Nun stellt uns Kristina Ohlsson ihren neuesten Ermittler vor: August Strindberg, der als Hobbyermittler mit seinem gelben Leichenwagen Fälle löst, obwohl er gar nichts mit der Polizei zu schaffen hat.

Eher Roman als Kriminalerzählung

Zugegeben: Handwerklich ist der Roman absolut in Ordnung und die Story insgesamt auch interessant. Dennoch wird man mit dem neuesten Krimi der schwedischen Autorin nicht richtig warm. Die Figuren sind durchaus sympathisch und man findet sich als Leser schnell im Mikrokosmos des kleinen Schifferdorfes in der Nähe von Smögen wieder. Kristina Ohlsson selbst nennt es „einen der schönsten Orte Schwedens“. Die Idylle, die Ruhe und das launische Wetter in Hovenäset sind es dann auch, die mehr im Fokus der Erzählung stehen als der Kriminalfall. In einem recht einfachen Plauderton wird dann die Geschichte um die vermisste Agnes und den Neuankömmling August erzählt, die mehr als einmal auf seine Namensgleichheit mit dem bekannten schwedischen Schriftsteller und Künstler angesprochen wird.

Kristina Ohlsson ist sichtlich bemüht, einen etwas anderen, eher gewöhnlichen Kriminalroman zu schreiben. Dies betrifft sowohl die Figurendarstellung als auch die ein oder andere inhaltliche Besonderheit. Die Idee, August Strindberg in ein Bestattungsinstitut einziehen und ihn mit einem gelben Leichenwagen durch die Gegend fahren zu lassen, klingt zunächst recht amüsant, hat aber letztendlich keinerlei Bewandtnis. Er hätte auch in das Gerätehaus der örtliche Feuerwehr ziehen können. Dass das Ermittlungsteam mit Kommissarin Martinsson und ihrem Kollegen Ray-Ray in einem Wohnwagen als Zentrale untergebracht wird, betont ebenso das Bestreben nach Andersartigkeit wie die Tatsache, dass die Ermittlerin auch Leiterin des örtlichen Lesekreises ist. Dadurch erlangt der Roman schon fast den Charme eines Cosy-Krimis.

Dabei werden auch durchaus ernste und wichtige Themen wie häusliche Gewalt bzw. Gewalt gegenüber Frauen angesprochen. Den Spagat zwischen Leichtigkeit, Wohlgefühlt und Humor auf der einen Seite sowie Ernsthaftigkeit und Tragik auf der anderen Seite will in diesem ersten Band der Reihe noch nicht gelingen. Hinzu kommt, dass aufgrund der Figurenauswahl und der Erzählperspektiven relativ schnell deutlich wird, welches Motiv hinter dem Verschwinden steckt. Von knisternder Spannung und einem hohen Erzähltempo kann nicht die Rede sein. Wer aber einen unterhaltsamen, ruhigen und atmosphärisch gelungenen Kriminalroman sucht, der dürfte mit „Die Tote im Sturm“ richtig liegen.

Fazit

Kristina Ohlsson gelingt leider nur ein mäßig spannender Kriminalroman, dem es etwas an Tempo und Klarheit fehlt, der aber gleichzeitig mit sympathischen Figuren und einem schönen Handlungsort zu überzeugen weiß. Dem ein oder anderen Krimileser dürfte dies aber insgesamt zu wenig sein.

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