Der lauernde Tod

  • Edition M
  • Erschienen: Dezember 2022
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Thomas Gisbertz
78°

Krimi-Couch Rezension vonDez 2022

Spannende Fortsetzung der schottischen Krimi-Reihe

Während eines Wohltätigkeitslaufs in St. Andrews wird aus einem Kinderwagen ein sechs Monate alter Säugling entführt. Die Eltern sind verzweifelt, denn die kleine Abigail ist herzkrank und hat ohne Medikamente höchstens noch zwei Tage zu leben. DI Clare Mackay und ihr Team ermitteln mit Hochdruck in diesem brisanten, hochemotionalen Fall, aber die Spurenlage ist dürftig, eine Lösegeldforderung gibt es nicht. In der folgenden Nacht wird in eine Apotheke eingebrochen und ein Herzmittel gestohlen. Ein Zeichen, dass die Entführer sich gut um Abi kümmern? Oder eine falsche Spur? Nichts ist, wie es scheint, in diesem Fall: Kurz darauf verschwindet die Mutter des Kindes spurlos.

Fortsetzung der Clare-Mackay-Reihe

Die aus Dundee stammende Schriftstellerin Marion Todd studierte Musik an der Open University in Milton Keynes und arbeitete viele Jahre lang als Klavierlehrerin und Begleitmusikerin. Ein vorübergehendes Engagement als Pianistin in einer Hotellounge bot ihr reichlich Stoff für das Schreiben und sie begann, mit einer Vielzahl von Genres zu experimentieren. Heute ist sie hauptberuflich Schriftstellerin und lebt im schottischen North East Fife.

Als begeisterte Krimi-Leserin widmete sie sich immer mehr der Kriminalliteratur. 2020 wurde Marion Todd mit ihrem Debütroman „Die Nummern des Todes“ (2019), dem ersten Band in der Krimireihe um DI Clare Mackay, für den prestigeträchtigen Preis „Bloody Scotland Scottish Crime Debut of the Year“ nominiert.

Nun erscheint mit „Der lauernde Tod“ bei Edition M des Amazon-Verlags der zweite Band der Reihe. In Großbritannien wurden bereits sechs Folgen um DI Clare Mackay veröffentlicht. Ein beachtliches Schreibtempo der Autorin.

Ermittlungsarbeit im Vordergrund

Erneut gelingt der schottischen Autorin Marion Todd ein typisch britischer Kriminalroman, bei dem weniger die Ermittler, sondern viel mehr der Fall im Vordergrund der Handlung steht. So erscheint das Ermittlerteam rund um DI Clare Mackay und ihrem Assistenten DS Chris West wohltuend normal. Wie schon beim ersten Band „Die Nummern des Todes“ wird Ermittlungsarbeit groß geschrieben: Verdächtige werden mehrfach aufgesucht, Zeugen wiederholt befragt und die Ergebnisse penibel ausgewertet. Teambesprechungen können dann innerhalb des Romans auch gerne einmal 15-20 Seiten einnehmen. Folglich ist das Erzähltempo nicht immer hoch, dafür wirkt die Polizeiarbeit sehr authentisch. Man bekommt fast das Gefühl, auf dem Polizeirevier anwesend zu sein oder Mackay und West bei den Zeugenbefragungen über die Schulter zu schauen. Dadurch weiß man als Leser auch stets soviel wie die ermittelnden Beamten. Am Ende ist es dann auch der Verdienst guter Polizeiarbeit, dass man den Täter fassen kann. Doch bis dahin gilt es erst einmal, die ein oder andere Spur zu verfolgen und die einzelnen Puzzleteile zusammenzusetzen.

Ein alter Bekannter

Im Mittelpunkt stehen erneut die beiden Ermittler DI Clare Mackay und DS Chris West, die es diesmal mit einem sehr emotionalen Fall zu tun bekommen. Die Entführung der sechs Monate alten Abigail Mitchell fordert das gesamte Team besonders heraus, zumal das Baby wegen eines Herzfehlers dringend Medikamente benötigt. Unter Verdacht gerät schnell eine junge drogenabhängige Frau, der das Jugendamt erst vor Kurzem das Sorgerecht für ihren Säugling entzogen hat. Doch die Spur scheint zunächst im Sande zu verlaufen. Wegen eines personellen Engpasses erhält das Team dann auch noch ausgerechnet Unterstützung von DCI Tony McAvettie, dem Chris West erst vor einem Jahr die Nase gebrochen hat, nachdem er diesen mit seiner damaligen Freundin im Bett erwischt hatte. Dem überheblichen und arroganten McAvettie geht es auch weniger um das vermisste Baby, sondern vielmehr um seine eigene Karriere, denn bei einem Erfolg in diesem aufsehenerregenden Fall wäre ihm der Posten des neuen regionalen Superintendent so gut wie sicher.

Wirkliche Teamarbeit

Wie bereits im erste Band der Reihe haben die Ermittler auch mit ihren ganz persönlichen Problemen zu kämpfen. Allerdings rücken diese niemals in den Mittelpunkt der Handlung. Dass dies auch die Polizeiarbeit nicht stört, dafür sorgt DI Mackay, die das Ermittlerteam in St. Andrews nicht nur zusammenhält, sondern sich auch der privaten Schwierigkeiten der Kollegen annimmt. Neu zur Gruppe stößt der Journalist Lyall McGill, der von der Press Association als Verbindungsmann im Rahmen einer engeren Zusammenarbeit von Polizei und Medien benannt wurde. Während man der Kooperation von Polizeiseite zunächst eher widerwillig zustimmt, weiß man zunehmend auch den Vorteil eines journalistischen Mitarbeiters zu schätzen.

Fazit

Die Clare-Mackay-Reihe dürfte all diejenigen begeistern, die gute Ermittlungsarbeit zu schätzen wissen, auch wenn darunter das Erzähltempo etwas zu leiden hat. In diesem Sinne ist „Der lauernde Tod“ ein eher traditioneller britischer Kriminalroman mit einem starken Ermittlerteam und glaubwürdiger Polizeiarbeit.

Der lauernde Tod

, Edition M

Der lauernde Tod

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