Wintersonne

  • Diogenes
  • Erschienen: Oktober 2022

- Übersetzung: Ulrich Sonnenberg

- Originaltitel: "Isola"

- Hardcover Leinen

- 368 Seiten

Wintersonne
Wintersonne
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Carola Krauße-Reim
65°

Krimi-Couch Rezension vonDez 2022

Wer war der zersägte Tote im Koffer?

Die Dänin Katrine Engberg legt mit „Wintersonne“ den mittlerweile schon fünften Teil ihrer Kopenhagen-Krimiserie vor. Obwohl Annette Werner und Jeppe Kørner inzwischen getrennte Wege gehen, kommen sie doch wieder zusammen um an diesem ebenso brutalen wie mysteriösen Fall zu arbeiten.

2 Koffer und 1 Toter

Jeppe braucht etwas Abstand und arbeitet daher als Baumfäller auf Bornholm. Doch als eine Freundin ihn bittet, nach einem verschwundenen Mann zu suchen, ist er gerne bereit ein paar Erkundigungen einzuholen. Zeitgleich wird in Kopenhagen die Hälfte eines der Länge nach zersägten Toten, eingequetscht in einen alten Reisekoffer, gefunden. Annette Werner leitet die Ermittlungen, doch sie kommt einfach nicht weiter. Selbst ein zweiter Koffer mit der anderen Hälfte des Mannes bringen sie kaum voran. Doch dann führt eine Spur ausgerechnet nach Bornholm.

Viel Atmosphäre, wenig Spannung

Der Einstieg in das Geschehen hat es in sich, doch das war es dann auch schon fast. Die Suche nach der Identität des Toten ist langwierig und langatmig. Selbst als Annette so langsam die Vermissten ausgehen und dadurch der Plot einige Wendungen bereit hält, verbessert sich das nicht. Im Gegenteil, die Leserschaft ahnt, dass das Verschwinden des Mannes auf Bornholm etwas mit dem Opfer in den Koffern zu tun haben muss. Wenn man die über 400 Seiten zäher Geschichte durchhält, steht man dann allerdings vor einer Lösung, die so doch nicht zu erwarten war. Dadurch wirkt das Finale zum einen ziemlich konstruiert und zum anderen sogar etwas kitschig, denn zum Schluss wird noch einmal auf die Tränendrüse gedrückt. Was den Krimi aber vor dem frühzeitigen Aus durch eine gelangweilte Leserschaft bewahren könnte, ist die eindringlich geschilderte Atmosphäre auf Bornholm im Winter. Während in den Sommermonaten die Insel nur so von Touristen überrannt wird, ist jetzt in der dunklen Jahreszeit nichts los. Die Einheimischen müssen sich mit einer Spelunke von Kneipe zufrieden geben und bleiben daher lieber zu Hause. Die Straßen sind einsam und kaum beleuchtet, die Bäume rauschen im ständigen Regen und Wind und das Meer tost an die Strände. Engberg kann mit dieser dunklen Atmosphäre punkten, die man selbst im warmen Lesesessel fast körperlich spüren kann. Doch das macht  aus einer Geschichte noch keinen packenden Krimi.

Die Figurenzeichnung ist gelungen

Natürlich werden die Charaktere von Annette und Jeppe im fünften Band nicht mehr explizit eingeführt, doch finden sich auch Neueinsteiger in der Geschichte durchaus zurecht. Engberg schafft es, ihre Protagonisten allein durch ihre Gedanken und Handlungen zu zeichnen. Annette ist gerne Polizistin, doch sie ist auch Ehefrau und Mutter und damit immer im Zwiespalt und in der Angst entweder das eine oder das andere zu vernachlässigen. Das dürfte vielen berufstätigen Mütter nicht fremd sein. Jeppe gönnt sich zwar eine Auszeit von seinem Polizistenjob, ist aber nicht ganz zufrieden in der Einsamkeit Bornholms im Winter. Die ganz persönlichen Befindlichkeiten dieser zwei Personen bringen eine humane Komponente in den ansonsten ziemlich brutalen Fall. Das wird dann auch noch durch die einfühlsame Zeichnung von Jeppes Bekannter, Esther de Laurenti, unterstrichen, die den Tod ihres langjährigen Mitbewohners verkraften muss und gleichzeitig ein lange gehütetes Geheimnis mit sich herumträgt. Wenn dann auch noch ziemlich zwielichtige Gestalten und konservativ Gläubige hinzu kommen, ist der Reigen interessanter Personen komplett.

Fazit

Ein sehr ruhiger Krimi, der kaum Spannung aufweist, aber durch Atmosphäre und Figurenzeichnung punkten kann. Damit ist er wohl nur etwas für Fans der Serie. Alle anderen sollten nur dann einsteigen, wenn sie sich gerne in den dunklen und einsamen Winter auf Bornholm versetzen lassen wollen.

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