Kant und der Schachspieler

  • Heyne
  • Erschienen: November 2022

- Die Kommissar-Kant-ermittelt-in-München-Reihe (2)

- Paperback, Klappenbroschur

- 320 Seiten

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Thomas Gisbertz
82°

Krimi-Couch Rezension vonNov 2022

Einfach ein guter Kriminalroman

Die Hitze im sommerlichen München ist kaum auszuhalten. Schon lange sehnt man in der Isar-Metropole einen kühlenden Regenschauer herbei, als das Team der Mordkommission einen Notruf erhält: Auf dem alten, verfallenen Fabrikgelände der „Kolorit-Werke“ im Nordwesten von München wurde bei Rückbauarbeiten in einem leeren Chemikalientank eine Wachsleiche gefunden. Ihr Zustand weist darauf hin, dass der Mann schon seit einigen Jahren tot ist. Dem ermittelnden Hauptkommissar Joachim Kant und seinem Kollegen Anton Rademacher fällt auf, dass das Opfer eine äußerst teure Lederjacke über seiner ansonsten abgenutzten Kleidung trägt. Des Weiteren hält es in seiner Hand eine Schachfigur umklammert.

Genau dies führt das Team der Mordkommission bei der Durchsicht der Vermisstenfälle vergangener Jahre auf eine heiße Spur: Handelt es sich beim Toten möglicherweise um den genialen Schachspieler und ehemaligen U16-Meister Jakob Holler, der vor zwei Jahren plötzlich spurlos verschwand? Kant und sein Team versuchen die letzten Tage Hollers vor dessen Verschwinden zu rekonstruieren. Damals wurden die Kolorit-Werke veräußert und kurze Zeit später wieder zurückgekauft. Allerdings bleibt der Grund zunächst unklar. Die Ermittler setzen alles daran, die Fäden zu entwirren. Doch gerade als der Durchbruch zum Greifen nahe scheint, schlägt der Schachmörder erneut zu.

Fortsetzung der Kant-Reihe

Autor Marcel Häußler wurde 1970 in Essen geboren. Um die Jahrtausendwende arbeitete er in Köln als Kameraassistent und Cutter, ehe ihn die Liebe aus der Großstadt in ein bayerisches Dorf verschlug. Zwei Jahre später zog es ihn aus der Provinz nach München, wo er bis heute wohnt. Er veröffentlichte mehrere Kurzgeschichten, schrieb an Drehbüchern mit und übersetzte über dreißig Romane aus dem Englischen.

„Kant und der Schachspieler“ ist der zweite Fall für Kriminalhauptkommissar Joachim Kant und sein Team der Münchner Mordkommission. Eine Reihe, die in vielerlei Hinsicht sehr lesenswert ist.

Neues Teammitglied

Wie schon im ersten Band überzeugt Marcel Häußler auch diesmal mit einem einfach guten Kriminalroman ohne viel Action und Effekthascherei. Die Stärke seines Ermittlerteams ist nichts anderes als gute Polizeiarbeit, bei der Teamwork ebenso groß geschrieben wird wie gute Recherchearbeit. Nach dem Kants Kollege und Freund Klaus Weber im letzten Band verstorben ist, sorgt nun eine Neue für frischen Wind bei der Mordkommission: Hanna Weiß. Die junge Frau, die sich nach ihrem Informatikstudium als Quereinsteigerin beim LKA bewarb, leidet aber unter einer zwanghaften Persönlichkeitsstörung, die ihre Arbeit entscheidend prägt. Sie neigt zu Perfektionismus, beharrt auf Ordnung und Pünktlichkeit und tendiert dazu, Dinge zu kontrollieren. Abweichungen vom Plan sind ihr ein Graus. Auch Kant fällt schnell auf, dass Hanna noch keine gefestigte Persönlichkeit ist. Auch wenn ihre Aufgabe eigentlich darin besteht, die Mordkommission bei der Beschaffung von Informationen mittels EDV zu unterstützen, ist bereits jetzt klar zu sehen, dass sie bei den nächsten Fällen in der Hierarchie aufsteigen und eine bedeutsamere Rolle einnehmen wird.

Gelungenes Ermittlerteam

Häußlers Schreibstil ist erfreulich klar und konzise. Ausschweifungen sind ihm fremd, vielmehr lässt er seine Protagonisten sprechen. Die Figurendarstellung weiß auch deshalb zu überzeugen, weil sie mit viel Feingefühl gelingt. Die Ermittler sind keine Superhelden, sondern mitunter empfindsame Charaktere, die auch das ein oder andere private Päckchen mit sich tragen müssen. Während Oberkommissar Rademacher gesundheitliche Probleme plagen, muss sich Kant alleine um seine 16-jährige Tochter Frida kümmern, die sich als XR-Aktivistin einer radikalen Umweltschutzbewegung angeschlossen hat. Dabei ist Kant durchaus stolz auf deren Engagement. Für ihn persönlich läuft es hingegen weniger gut: Katja, eine Polizistin, die er vor einem knappen halben Jahr bei einer Mordermittlung kennen- und lieben gelernt hat, gibt ihm den Laufpass. Da kommt es dem umtriebigen Kommissar gerade recht, sich in die neuen Ermittlungen zu stürzen.

Nicht vergessen werden dürfen die Teammitglieder Petra Lammers und der stets braungebrannte und muskulöse Ben Dörfer, zwischen denen es immer wieder knistert. Gleichzeit scheint Dörfer aber hinter nahezu jedem Rock her zu sein, denn er flirtet gerne auch mit der neuen Kollegin Hanna. Dies sorgt immer wieder für die nötige Prise Humor.

Bei allem bleibt aber die Polizeiarbeit stets im Vordergrund, so dass Marcel Häußler auch mühelos die Spannungskurve hochhalten kann. Einen besonderen Clou hebt sich der Autor dann noch für das Ende auf.

Fazit

Marcel Häußlers Kriminalromane sind ganz klassisch angelegt - und wissen genau deshalb zu überzeugen. Die gute Teamarbeit und das Setting erinnert etwas an die großen schwedischen Autoren wie Sjöwall/Wahlöö und auch Henning Mankell. Man darf gespannt sein, wie die Reihe sich weiterentwickelt.

Kant und der Schachspieler

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Kant und der Schachspieler

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