Die schwarze Wölfin

  • Goldmann
  • Erschienen: Juli 2022

- Übersetzung: Sybille Martin

- Originaltitel: "Loba Negra"

- Taschenbuch, Broschur

- 600 Seiten

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Thomas Gisbertz
88°

Krimi-Couch Rezension vonJul 2022

Packende Fortsetzung der Antonia-Scott-Reihe

Sieben Monate sind inzwischen vergangen, seit Antonia Scott und Inspector Jon Gutiérrez die reiche Erbin Carla Ortiz aus den Klauen ihres Entführers befreien konnten. Der Fall sorgte weltweit für Aufsehen. Dass dennoch kein Wort in der Presse über Antonia Scott verloren wurde, hängt mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten und dem Projekt „Rote Königin“ zusammen. In jedem Land der Europäischen Union gibt es seit einiger Zeit eine Spezialeinheit mit besonderen Zielsetzungen, die vor der Öffentlichkeit geheim gehalten werden müssen. Die Einheiten besitzen keine Hierarchien und arbeiten angeleitet von einem Verbindungsmann im Hintergrund.

Nun gibt es eine neue Aufgabe für die beiden Ermittler. Der russische Geschäftsmann Yuri Woronin wird in seiner Villa in Marbella erschossen, seine schwangere Frau verschwindet spurlos. Das Opfer arbeitete als Finanzchef für Aslan Orlow, den höchsten Vertreter der russischen Mafia in Spanien. Ein mehr als brisanter Fall. Mentor, der Verbindungsmann für Scott und Gutiérrez, schickt beide umgehend nach Andalusien. Kurz darauf taucht im Hafen von Málaga ein Schiffscontainer aus St. Petersburg auf, in dem zahlreiche Frauen qualvoll erstickt sind. Hängen die Vorfälle vielleicht zusammen? Und wer steckt dahinter? Während sich Scott und Gutiérrez auf die Suche nach Woronins Frau machen, haben sie nicht nur mit eigenen Problemen und der Mafia zu kämpfen, sondern auch mit einer gefürchteten russischen Auftragsmörderin: der schwarzen Wölfin.

Rote-Jägerin-Trilogie

Autor Juan Gómez-Jurado hat früher als Journalist für Radio und Fernsehen sowie als Marketingdirektor in der Technologiebranche gearbeitet. Mittlerweile ist der 44-jährige gebürtige Madrilene einer der erfolgreichsten Schriftsteller Spaniens. Seine Romane wurden in über vierzig Sprachen übersetzt und ziehen Millionen Leser weltweit in ihren Bann. Großes Aufsehen erregte der Autor 2006 mit seinem Debüt„Espía de Dios“ (dt: „Der Gottesspion“, Rowohlt Verlag), einem packenden Thriller um einen Serienmörder und pädophilen Priester im Vatikan.

„Die schwarze Wölfin“ ist die temporeiche Fortsetzung der Thriller-Reihe um Antonia Scott und Inspector Jon Gutíerrez. Im Spanien ist mit „Rey Blanco“ (2020) bereits der letzte Band der Trilogie erschienen. Die ungewöhnliche und spektakuläre „Rote-Königin-Reihe“ gehört sicherlich zu den aktuell besten europäischen Thriller-Serien. Der Goldmann Verlag beweist hier erneut ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Autoren.

Außergewöhnliche Ermittlerin

Wie schon beim ersten Band der Trilogie überzeugt auch „Die schwarze Wölfin“ mit einer temporeichen, actiongeladenen Handlung, cleveren Twists und einem starken Ermittlerteam. Besonders Antonia Scott ist eine mehr als ungewöhnliche Ermittlerin. Aufgrund ihrer besonderen mentalen und kognitiven Fähigkeiten wurde sie zu einer „Roten Königin“ ausgebildet. Gleichzeitig ist Antonias Verstand eher ein Dschungel: „Ein Dschungel voller Affen, die sich rasend schnell von Liane zu Liane schwingen und dabei allerlei mitreißen“. Um ihr geistiges Chaos in den Griff zu bekommen und ihre Stärken zu nutzen, muss sie Tabletten nehmen, die sie mehr und mehr abhängig machen. Antonia ist eine starke Ermittlerin, kämpft aber auch täglich gegen ihre inneren Dämonen an.

Ihr zur Seite steht mit Jon Gutíerrez ein erfahrener Ermittler, dessen Geduld mit Antonia des Öfteren auf die Probe gestellt wird. Der stämmige, homosexuelle Baske lebt mit 43 Jahren noch immer bei seiner Mutter. Gutíerrez, der viel Wert auf sein Äußeres legt, ist so etwas wie der Aufpasser für Scott, der darauf achten muss, dass die Grenzen der Ermittlungsarbeit eingehalten werden. Gleichzeitig sind aber immer wieder seine Erfahrung aus dem Polizeidienst und seine Diplomatie gefragt.

Zweite Handlungsebene

Antonia ist nicht gerade eine vernünftige Person. Stichhaltige Argumente prallen oft an ihr ab, besonders wenn es um den Unbekannten geht, der ihren Mann einst ins Koma beförderte: der geheimnisvolle Mr. White. Beim letzten Entführungsfall standen Scott und Gutíerrez kurz davor, Sandra Fajardo zu ergreifen, eine mutmaßliche Handlangerin des Unbekannten. Mentor hält ihn allerdings nur für eine von Antonias Obsessionen. Antonias Suche nach Mr. White klingt immer wieder im Laufe des Romans an und dürfte daher beim Abschluss der Trilogie noch eine wichtige Rolle spielen.

Der Roman überzeugt auch diesmal mit einem fesselnden Erzählstil. Hier stimmt einfach alles. Kurze Kapitel, überraschende Wendungen und wilde Verfolgungsjagden tragen dazu bei, dass der Roman ein rasantes Erzähltempo vorlegt. Hinzu kommt ein feiner Humor, der immer wieder durchscheint. Ein spannender Thriller, der beste Unterhaltung garantiert.

Fazit:

Juan Gómez-Jurado gelingt eine starke Fortsetzung seiner Reihe. „Die schwarze Wölfin“ ist ein packender Pageturner, den man nicht mehr aus der Hand legen mag. Antonia Scott und Jon Gutíerrez sind eins der interessantes Ermittlerpaare aktuell. Man darf sich schon jetzt auf den letzten Band der Trilogie freuen.

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