Der Tote im Bach: Ein Bad-Kleinkirchheim-Krimi

Erschienen: September 2021

Bibliographische Angaben

- Hardcover

- 264 Seiten

Couch-Wertung:

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Thomas Gisbertz
Mäßig unterhaltsamer Alpenkrimi

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Nov 2021

Es herrscht Hochsommer in Kärnten. Wendelin Kerschbaumer, Chefinspektor der Kriminalpolizei Wien, ist zurück und genießt die wohlverdienten Sommerferien im malerischen Luftkurort Bad Kleinkirchheim - mit gemütlichen, aber nicht zu langen Spaziergängen und allen guten Vorsätzen und Diätplänen zum Trotz mit deftiger Alpenküche. Zum Ausgleich steht auch der ein oder andere Besuch im Fitnesscenter „Ruckizucki Fit“ bei Muskelpaket Werner auf dem Programm. Zwei Wochen lang Unbeschwertheit und Erholung pur. Als die hiesigen Kollegen aber einen Leichnam finden, ist es mit der entspannten Urlaubsstimmung schnell vorbei. Kerschbaumer kann einfach das Ermitteln nicht sein lassen.

Dunkle Gestalten im beschaulichen Kurort

Bei dem Toten handelt es sich um Falko Bruchbichler, einen passionierten Glücksspieler mit engen Beziehungen zur Wiener Unterwelt. Und das Opfer ist kein Unbekannter für Kerschbaumer. Der Chefinspektor überführte einst mit Falkos Hilfe einen gefährlichen Waffenschmuggler. Hängt dieser Mordfall mit den Protesten gegen das geplante Alpen-Casino zusammen? Zumindest ist der Widerstand in der Öffentlichkeit gegen dieses Projekt groß. Als plötzlich noch weitere bekannte Gesichter aus dem Hauptstadtmilieu im kleinen Luftkurort auftauchen, kommt Kerschbaumer gar nicht daran vorbei, sich auf die Suche nach dem Täter zu machen - gegen den Widerstand von Hartmut Trevisol, den Chefinspektor vor Ort.

Fortsetzung der Reihe

Nach Bad Kleinkirchheim, dem Handlungsort seiner Reihe um den Wiener Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer, kam Autor Stefan Maiwald über seine italienische Familie, die dort eine Ferienwohnung besitzt - für ihn die Gelegenheit, sein Lieblingsurlaubsdomizil zum Ort des Verbrechens zu machen. Maiwald lebt mit seiner Familie in Italien. Er hat bereits erfolgreich Sachbücher über Italien und eine historische Krimireihe, die in Venedig spielt, veröffentlicht. Mit „Der Tote im Bach“ erscheint im Servus Verlag nun der zweite Band der Bad-Kleinkirchheim-Krimireihe. Ein dritter Teil, „Die Überlebende im Teich“, ist bereits in Planung.

Eher ein Reiseführer

Die große Stärke des ersten Bandes um Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer war die ironische Schreibweise, der hintergründige Humor und die pointierten Dialoge, die durchaus an die Jennerwein-Romane von Jörg Maurer erinnerten. Aber statt feinem Wortwitz bietet Maiwald diesmal eher Plattitüden rund um Urlaub, Essen und Gesundheit. Es ist ab und an noch recht amüsant, wenn der Ermittler am „Chinesischen Tiefenatemtraining mit Monika“ teilnimmt, um etwas für seine Fitness zu tun, oder sich für die „Yogastunde mit Astrid“ einträgt, um sein Stresslevel zu senken. Ansonsten findet man Kerschbaumer ständig beim Essen in diversen Lokalitäten oder erfährt, was er zum Frühstück gegessen hat und wo er seinen Cappuccino einnimmt. Das alles wirkt, als wäre Autor Stefan Maiwald Mitglied im Bad-Kleinkirchheimer-Fremdenverkehrsverein und bemüht, die touristischen Highlights des Luftkurortes anzupreisen. Verstärkt wird der Eindruck noch durch die „kulinarische Tatortbegehung“, die man im Anhang des Romans findet - samt Nennung der einschlägigen „Genusstempel“. Wie in einem Reiseführer werden hier die kulinarischen Besonderheiten und Übernachtungsmöglichkeiten inklusive Anschrift angepriesen. Nur die Preise fehlen leider. Der Autor schießt hier mit dieser speziellen Art eines „kulinarischen“ Krimis etwas über das Ziel hinaus.

Nur mäßig spannend

Spannung kommt dagegen leider kaum auf. Dafür wirkt die Figurendarstellung viel zu klischeehaft: Der künftige Manager des geplanten Alpen-Casinos, der getötete Falko, war ein über die Grenzen bekannter Spieler und Zocker, seine Ex-Freundin Natalia Nadalić-Filipović (eine kroatische Schönheit und ein ehemaliger Kinderstar im Staatsfernsehen), bandelt direkt mit dessen Nachfolger Pit Nick an und wird gleichzeitig dessen Managerin. Dazu gesellen sich mit den Brüdern Kenan und Samir Barbarez zwei Bosnier, die Falko nicht nur verpfiffen hat und die deshalb wegen Drogenhandels in den Knast mussten, sondern bei denen er auch mit zweihunderttausend Euro Spielschulden in der Kreide stand. Nicht zu vergessen der „Provinzermittler“ Hartmut Trevisol, der als unfähiger Chefinspektor dargestellt wird, dem der Hauptstadtermittler unbedingt unter die Arme greifen muss.

Mit Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer tritt erneut ein Ermittlertyp auf, der weiterhin farblos wirkt und dem einfach die Ecken und Kanten fehlen. Das Einzige, was man über ihn im Laufe der Handlung erfährt, ist der Umstand, dass er - wie schon im ersten Teil der Reihe - seine selbstauferlegte Diät zu Gunsten der regionalen, deftigen Küche, den Teigwaren der Bäckerei Weissensteiner oder des köstlichen Cappuccinos der Greislerei aufgibt. Neu ist lediglich, dass er mit der ortsansässigen Inspektorin Hilde Hofgärtner kokettiert und ihr den Hof macht. Aber auch hier wirkt er eher wenig „fachmännisch“. Das wirklich große Rätsel der Reihe ist es, wie es Kerschbaumer zum Wiener Chefinspektor geschafft hat.

Grundsätzlich haben die Land-, Provinz- oder Regionalkrimis, wozu „Der Tote im Bach“ zu zählen ist, durchaus ihre Berechtigung und ihren Charme. Dann erwartet man aber deutlich stärker gezeichnete skurrile Figuren, die mit ihren Eigenarten und Verschrobenheiten glänzen, pointierte Dialoge und viel Sprachwitz. Leider gelingt dies Stefan Maiwald bei weitem nicht so gut wie noch im ersten Band der Reihe.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Kapitel ohne Cliffhanger und inhaltlichen Bezug miteinander verbunden sind. Stattdessen beginnt nahezu jedes Kapitel mit dem Aufstehen oder Frühstück Kerschbaumers und endet mit einem deftigen Abendessen. Letztendlich ist auch das Motiv für den Mord nicht wirklich überzeugend.

Fazit:

Stefan Maiwald gelingt mit „Der Tote im Bach“ leider nur ein mäßig unterhaltsamer Kriminalroman, der aber als Urlaubslektüre oder Erzählung für zwischendurch durchaus lesenswert ist. Es gibt aber weitaus spannendere und kurzweiligere Provinzkrimis als diesen. Wer allerdings Freude am ersten Band der Reihe gefunden hat, dem wird sicherlich auch die Fortsetzung gefallen.

Der Tote im Bach: Ein Bad-Kleinkirchheim-Krimi

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