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Thomas Gisbertz
Kurzweiliger Alpenkrimi mit Charme

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Sep 2020

Bad Kleinkirchheim – ein beschaulicher Ort mitten in Kärnten, bekannt und beliebt als Heilbad, Luftkurort und ganz besonders als Austragungsort des Skiweltcups. Würde da nicht Anfang Dezember - kurz vor Saisoneröffnung - eine Tote das schöne Bild trüben. Dabei hat sich der Wiener Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer im Winterurlaub ganz seiner Diät verschrieben, um die überzähligen Scheidungskilos loszuwerden. Da kommt ihm dieser Mord an einer jungen Slowenin so gar nicht recht. Schnell gehören Ruhe und Diät der Vergangenheit an; Kerschbaumer muss sich nämlich nicht nur mit der zwielichtigen Verwandtschaft der Toten und einem übereifrigen Journalisten herumschlagen, sondern auch mit den Zwistigkeiten des örtlichen Hotelgewerbes. Stets gut gestärkt durch die ausgezeichnete regionale Küche, geht er den Dingen auf den Grund und erkennt, dass auch Bad Kleinkirchheim nicht vor den Niederungen der Habgier gefeit ist …

Amtshilfe in den Alpen

Kerschbaumer hat sich nach der Trennung von seiner Frau ordentlich Kummer angefressen - sicherlich keine vernünftige Strategie bei der Suche nach einer neuen Partnerin. Also zieht sich der Chefinspektor der Landespolizeidirektion Wien, dreiundvierzig Jahre alt, in Form einer Selbstkasteiung zu einer zweiwöchigen Sportkur in die Gurktaler Alpen zurück. Da aber der zuständige Chefinspektor der Landespolizeidirektion Kärnten mit einem Schien- und Wadenbeinbruch im Krankenhaus liegt, ist bald Wendelins Spürsinn gefragt.

Die einundzwanzigjährige Slowenin Swetlana Kastelic, die im ortsansässigen Hotel Pulracher als Reinigungskraft gearbeitet hat, wird nämlich tot im Eingang eines Stadls gefunden. Gemeinsam mit Revierinspektor Feiersinger und Inspektorin Hofgärtner macht sich Kerschbaumer auf die Suche nach dem Täter. Dabei stoßen sie auch auf einen interessanten Nebenerwerb der Toten, die so manchem männlichen Hotelgast schlaflose Nächte bereiten dürfte…

Start einer neuen Reihe

Stefan Maiwald, 1971 in Braunschweig geboren, lebt mit seiner Familie in Grado in Italien und schreibt u. a. für GQ, Merian sowie das SZ-Magazin. Er hat bereits sehr erfolgreich Sachbücher über Italien und eine historische Krimireihe, die in Venedig spielt, veröffentlicht. Zuletzt erschien im April 2020 der Kriminalroman Wenn die Gondeln untergehen, in dem das deutsch-venezianische Team um den Münchner Kommissar Hempel in der Lagunenstadt ermittelt. Nach Bad Kleinkirchheim, dem Handlungsort seiner neuen Reihe mit Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer, kam Autor Stefan Maiwald über seine italienische Familie, die dort eine Ferienwohnung besitzt - für ihn die Gelegenheit, sein Lieblingsurlaubsdomizil zum Ort des Verbrechens zu machen. Der zweite Band der Bad-Kirchheim-Krimireihe, Der Tote im Bach, ist bereits in Planung.

Eigener Schreibstil mit viel Witz

Wenn man Maiwalds neuen Roman liest, fühlt man sich unweigerlich an Jörg Maurer oder Thomas Raab erinnert. Die ironische Schreibweise und den hintergründigen Humor hat er mit seinen beiden Schriftstellerkollegen gemein, auch wenn er (noch) nicht ganz deren einzigartiges Sprachtalent und den feinen, aber auch skurillen Wortwitz besitzt.

Dennoch überzeugt Die Tote im Stadl mit einer Mischung aus Komik, einer Prise Spannung und einem gewissen literarischen Eigensinn. Es wird aber auch deutlich, dass Maiwald sein sprachliches Niveau nicht über den gesamten Roman hinweg halten kann. Während er besonders zu Beginn ein regelrechtes Feuerwerk abbrennt, gibt es vor allem im mittleren Teil des Romans einige Längen. Dies liegt auch daran, dass die wiederholten Befragungen des - zumindest gefühlt - gesamten Hotelpersonals etwas zu viel des Guten sind. Dafür überzeugt der Autor zum Schluss mit einer wenig spektakulären, aber dennoch überraschenden Auflösung.

Mehr Humor als Spannung

Mit Chefinspektor Wendelin Kerschbaumer tritt ein Ermittler auf, dem noch etwas die Ecken und Kanten fehlen. Das einzige, was man über ihn im Laufe der Handlung erfährt, ist der Umstand, dass er seine selbstauferlegte Diät zu Gunsten der regionalen, deftigen Küche, den Teigwaren der Bäckerei Weissensteiner oder des köstlichen Cappucino der Greislerei aufgibt. Zwar wird ab und an sein Scharfsinn angedeutet, was aber letztendlich eher der Aufklärung des Falles geschuldet ist und weniger der Charakterdarstellung dient; hier würde man sich ein klareres Profil des Ermittlers wünschen.

Gut gelingt es Maiwald aber, die Atmosphäre im verschneiten Bad Kleinkirchheim zu schildern. Es wirkt fast so, als würde man mit dem Autor, der den Ort bestens kennt, durch die Straßen, Restaurants und die nahe Gegend streifen. Man muss derlei "kulinarische" Krimis, die mit einer guten Portion Humor gewürzt sind, mögen. Dann wird man mit diesem Roman bestens bedient.

Fazit

Der Auftakt der neuen Krimireihe um den Wiener Chefinspektor ist ein unaufgeregter, humorvoller Roman mit einem unterhaltsamen Schreibstil, der aber nicht von atemloser Spannung und einem hohen Erzähltempo lebt. Es bedarf sicherlich einer stärkeren Charakterdarstellung der Hauptfigur, da dieser noch das Unverwechselbare fehlt. Dennoch ist der erste Band der Wendelin-Kerschbaumer-Reihe ein kurzweiliges Lesevergnügen.

Die Tote im Stadl

Die Tote im Stadl

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Letzte Kommentare:
14.10.2020 14:53:23
Gaby2707

Gelungener Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe

Ernstl Tiefenhauer, Star der Ski- und Snowboardschule Kraxler in Bad Kleinkirchheim in Kärnten, entdeckt bei einem Skikurs in der Holztür eines Stadls am Waldrand eine junge Frau mit einem Messer in der Brust.
Wendelin Kerschbaumer, 46, hat gerade seine Scheidung hinter sich und möchte seinen Body durch eine Fitness- und Diätkur in diesem idyllischen Ort auf Vordermann bringen. Da er ja schon mal da ist, bekommt er von seinem Vorgesetzten die Order die Ermittlungen zu übernehmen. Seine Kollegen aus Bad Kleinkirchheim erwarten den Wiener Chefinspektor bereits.
Da die Tote ihren Ausweis dabei hat, ist sie schnell als Swetlana Kastelic, eine Slowenin, die als Putzfrau im Hotel Pulracher arbeitet, identifiziert. Was wollte die junge Frau, zwar mit dicker Daunenjacke und Schal, aber nur mit Halbschuhe bekleidet, dort oben am Berg? Gemeinsam mit Inspektorin Hilde Hofgärtner und Revierinspektor Volker Feiersinger macht Kerschbaumer sich auf, den Fall zu lösen.

„Die Tote im Stadl“ ist der erste Krimi, den ich von Stefan Maiwald gelesen habe. Mit seinem feinsinnigen, trockenen, manchmal hintergründigen Humor trifft er bei mir mit diesem Krimi voll ins Schwarze. Bei den Bildern, die er mir in den Kopf pflanzt, habe ich oft schmunzeln und manchmal sogar laut lachen müssen. Durch seine bildhaften Beschreibungen von Bad Kleinkirchheim habe ich mich dort schnell richtig wohl gefühlt. Da es hier gerade scheußlich kalt ist, kann ich mir die winterliche Atmosphäre sehr gut vorstellen. Ich habe Lust bekommen, mir diesen kleinen Ort in den Gurktaler Alpen mal in Natura anzuschauen.

Gleich nach den ersten Seiten ist mir der Wiener Chefinspektor mit seiner ruhigen, besonnenen Art sympathisch. Er, der nach seiner Scheidung immer noch etwas angeschlagen wirkt, startet seinen Neuanfang mit einer Sport- und Diätkur. Ihn sich mir im Fitnessstudio keuchend Hanteln stemmend vorzustellen, um ihn herum lauter junge Hüpfer mit Muckis ohne Ende, fand ich sehr erheiternd. Auch seine Erklärungen, die sich immer wieder gegen seine Diät stellen, haben meine Mundwinkel nach oben ziehen lassen. Auch mit Inspektorin Hilde Hofgärtner und Revierinspektor Volker Feiersinger habe ich mich schnell angefreundet. Aber wie überall gibt es auch hier Menschen, mit denen ich nicht befreundet sein möchte.

Der Kriminalfall ist spannend, gibt einige Rätsel auf und wird schließlich gut und nachvollziehbar gelöst. Vor allem kann ich mit rätseln, mit ermitteln und mich auch auf falsche Spuren führen lassen.

Sehr phantasievoll gestaltet finde ich auch das Cover. Vor allem fällt der blaue Schnitt sofort ins Auge.
Witzig zu lesen sind vor jedem Tag, der die Ermittlungen andauert, ein Wetter- und ein Pistenbericht. Im Anhang kann ich mich noch zu einer kulinarischen „Tatortbegehung“ aufmachen. Der lokale Anstrich des Krimis kommt hier immer wieder sehr gut heraus. Und Dank Frau Google kenne ich nun auch das „Binnenmajuskel“.

Alles in allem ein spannend aufgebauter Krimi mit viel Lokalkolorit, der mich sehr gut unterhalten hat.

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