Talberg 1977

  • Heyne
  • Erschienen: Februar 2022

- Die Talberg-Reihe 2

- Taschenbuch, Klappenbroschur

- 400 Seiten

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Carola Krauße-Reim
50°

Krimi-Couch Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2022

Wenig Spannende Fortsetzung der Trilogie

Nachdem die Trilogie rund um das Dorf Talberg im Jahr 1935 begonnen hat, entführt uns der Autor mit dem Pseudonym Max Korn im zweiten Teil ins Jahr 1977 und wieder geschehen merkwürdige Dinge in der kleinen Gemeinde im Bayrischen Wald.

In Talberg hat sich nichts geändert

Schon in „Talberg 1935“ herrschte eine düstere Grundstimmung in dem kleinen Dorf, das so abgeschieden lag, dass niemand kam, der nicht bewusst hierher wollte. Daran hat sich auch Jahrzehnte später nichts geändert. Die Menschen misstrauen sich weiterhin und das Dorf scheint immer noch unerkannt am Ende der Welt zu liegen. Lediglich eine minimalistische Tankstelle hat Einzug gehalten. Korn belässt das Setting unverändert und behält die depressiv-dunkle Atmosphäre aus dem ersten Band. Selbst bei der Figurenzeichnung verhindert er jede Wandlung - bei den schon bekannten, wie auch bei den neu dazu gekommenen. Wieder gibt es nicht einen positiven Charakter. Alle scheinen sich zu belauern. Gewalt, Brutalität und Egoismus prägen das gemeinsame Leben. Auch Maria, die Protagonistin dieses zweiten Teils, hat dunkle Seiten.

Maria lebt im allein im Wald

Schon seit vielen Jahren lebt die 70-jährige Maria in einem ehemaligen Jagdhaus mitten im Wald, einen langen Fußmarsch von Talberg entfernt. Sie will mit den Leuten im Dorf nichts zu tun haben, reduziert ihre Kontakte auf das Nötigste. Die Talberger bezeichnen sie als Hexe, haben wenig Scheu ihren Ruf zu schädigen und nehmen ihre Dienste dennoch gerne in an, wenn sie nicht mehr weiterwissen. Dann passieren beängstigende Dinge: ein Brief ihrer vor 20 Jahren verstorbenen Tante trifft ein; ein Mann, der in ihrer Scheune übernachtet hat, verschwindet spurlos; die Tochter des Metzgers braucht ihre Hilfe und bringt sie dann in große Schwierigkeiten… Die Polizei kommt ins Dorf und auch zu Maria, die Angst hat, dass ihr lange gehütetes Geheimnis ans Licht kommt.

Es hätte so spannend sein können

Die Idee, im selben Ort in unterschiedlichen Jahrzehnten Kriminalfälle geschehen zu lassen, ist interessant und hätte bei guter Umsetzung auch durchgängig spannend sein können. Doch der ganze Plot scheint ziemlich konstruiert, lässt nur sehr wenig Realitätsnähe, dafür aber umso mehr Mystik zu. Spannung ist kaum vorhanden, denn Voraussetzung dafür sind Charaktere, die differenziert sind und sich weiterentwickeln. Auch ein Setting, das sich wandelt und nicht im zweiten Teil genauso erscheint, wie im ersten, wäre hier wichtig gewesen.

Korn hat zwar versucht, mit kurzen Rückblicken in die Vergangenheit und vereinzelten Kapiteln mit anderen im Mittelpunkt stehenden Personen Spannung zu erzeugen und sie dann zu halten, doch der Aufbau dieses zweiten Teils ähnelt viel zu sehr dem Ersten, als dass diese Maßnahmen hätten erfolgreich sein können. Die meiste Zeit begleiten wir Maria (wie Elisabeth in „Talberg 1935“), erleben ihre Emotionen und lesen ihre Gedanken. Wie Elisabeth wird auch Maria als Hexe bezeichnet, wie diese gerät sie in Schwierigkeiten und hat ein düsteres Geheimnis, das vom Autor ganz groß aufgezogen wird, aber schnell zu erahnen ist.

Ein sehr unwahrscheinlicher Schluss schließt dann einen unspektakulären Roman ab. Mit wenig wörtlicher Rede, in die Länge gezogenen Beschreibungen, unzähligen Wiederholungen und ausschweifenden Darstellungen der Gedankenwelt lassen sich zwar fast 400 Seiten füllen, aber eine Raffung und eine vorangetriebene Entwicklung hätte der Geschichte gutgetan, auch wenn das Buch dann vielleicht nur halb so dick ausgefallen wäre.

Fazit

Wer den ersten Teil der Trilogie fasziniert verschlungen hat, dürfte auch von „Talberg 1977“ begeistert sein, denn es ähnelt in Figurenzeichnung, Plot und Setting exakt seinem Vorgänger. Wer den allerdings schon weniger gut fand, könnte jetzt vollends enttäuscht sein. Damit bleibt nur noch die Hoffnung auf den dritten Teil, der uns hoffentlich spannender ins Jahr 2022 nach Talberg entführt.

Talberg 1977

Max Korn, Heyne

Talberg 1977

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