Die Akte Adenauer

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 400 Seiten

- Bd. 1 [Philipp Gerber]

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Jörg Kijanski
Adenauers Wiederwahl ist in Gefahr - und Deutschland gleich mit

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2021

1953: Am 17. August freut sich Captain Phil Gerber über seinen ersten dienstfreien Tag, nachdem er jahrelang für den amerikanischen Geheimdienst CIC in Deutschland auf die Jagd nach Kriegsverbrechern und sogenannten Werwölfen ging; jene im September 1944 von Himmler ausgerufenen Partisanen, die dem Gegner Angst und Schrecken einjagen und selbst gegen Verräter in den eigenen Reihen vorgehen sollten. Nun aber ist Schluss, denn in Amerika warten seine Verlobte June und ein Job in Harvard. Allerdings macht ihm Colonel Anderson einen Strich durch die Rechnung, denn der Vater von June und CIC-Befehlshaber von Westdeutschland überträgt Phil, der in Deutschland unter dem Namen Philipp geboren wurde und der Ende der 1930er Jahre mit seinen Eltern nach Amerika emigrierte, einen wichtigen Auftrag …

Heinz Buchmann von der Sicherungsgruppe Bonn, deren Aufgaben der Schutz hoher Politiker sowie Ermittlungen in staatsgefährdenden Einsätzen sind, wurde ermordet. Gerber wird binnen zwei Tagen wieder deutscher Staatsbürger sowie Kriminalhauptkommissar beim BKA; kurz: Buchmanns Nachfolger, der dessen Tod aufklären soll. Als er Buchmanns Wohnung durchsuchen will, findet er dort die junge Journalistin Eva Herden von der kommunistischen Wochenzeitung „Brennpunkt Bonn“ mit einem Fotografen vor. Kaum hat er die beiden überrascht, fällt ein Schuss eines Scharfschützen, der den Fotografen tötet. Gerber glaubt, dass die attraktive Eva ihm helfen kann, und erfährt von deren Chef, dass Buchmann für die Amerikaner brisante Unterlagen des BKA verschwinden lassen sollte. Der Bund Deutsche Jugend und deren radikaler Arm, der Technische Dienst, planten den Aufbau einer neuen Partisaneneinheit im Stile der Werwölfe. Wenngleich inzwischen verboten, so steckte immerhin die CIA hinter deren Aufbau, der allerdings aus dem Ruder lief.

Gerber und Eva finden heraus, dass noch immer kleine Einheiten, die sich heute „Wölfe Deutschlands“ nennen, zu Anschlägen und Morden hinreißen lassen. Da in wenigen Tagen die nächste Bundestagswahl und damit die möglich Wiederwahl Adenauers ansteht, müssen unbedingt Geheimhaltung bewahrt und die Täter ermittelt werden. Schnell folgen weitere Tote, und Gerber gerät zwischen alle nur denkbaren Fronten ...

Kalter Krieg, Propaganda und die immer wiederkehrende Frage: Wer ist Freund, wer Feind?

Ralf Langroth bietet zum Start seiner Philipp-Gerber-Reihe mit Die Akte Adenauer einen guten Mix aus Politthriller und packendem Actionkracher. Der zeithistorische Ausflug in die 1950er Jahre, in denen eine behäbige Kleinstadt als Bundeshauptstadt fungiert - und dies in einem Land, in dem noch immer die Amerikaner das Sagen haben -, ist gut gelungen. Man kann sich in die damalige Zeit hineinversetzen, vor allem aber in die politische Lage. Adenauers strenger Kurs der Westanbindung ist verständlicherweise den Russen ein Dorn im Auge und erhöht aus Sicht linker Kreise die Gefahr eines erneuten Krieges. Je mehr er Deutschland den Amerikanern zutreibe, desto mehr müsse Russland gegenhalten.

„Er hatte den Eindruck, im Schloss Deichmannsaue einem Puppenspiel beigewohnt zu haben. Nur: Hatte er im Publikum gesessen oder war er die Marionette?“

So entsteht eine dramatische Gemengelage, in der verschiedenste Interessen aufeinanderprallen. Wer hier auf wessen Seite steht, ist kaum noch erkennbar. Bei Protagonist Gerber fängt das Problem schon an: Liebt er June oder Eva? Ist er dem CIC oder dem BKA verpflichtet, amerikanischen oder deutschen Interessen? Eine Frage, die ihm Adenauer persönlich stellen wird. Durch die Co-Protagonistin Eva Herden gelingt es zudem vortrefflich, die damalige linke Weltanschauung der des Kanzlers entgegenzusetzen.

Gerber hat zunächst viele Feinde in den eigenen Reihen. Sein neuer Chef Krey war bei der Wehrmacht, sein Partner Sattler gar bei der Waffen-SS. Dass ausgerechnet Sattler es sein wird, der dem Ex-CIC-Mann und einer kommunistischen Journalistin zur Seite steht, sei vorweggenommen; eine schöne Pointe. Während der Wahltag sich nähert, kommt man einem unheimlich anmutenden Komplott auf die Spur, und die Frage nach dem Vertrauen gewinnt an kaum noch greifbarer Bedeutung.

Fazit

Ein tempo- und actionreicher Politthriller aus einer miefigen Kleinstadt und einer ebensolchen Zeit. Alte Seilschaften gibt es reichlich, und auch die Amerikaner betreiben üble Machenschaften. Einblicke in die Politik des damaligen Kanzlers Adenauer und die damit einhergehende Verschärfung des Ost-West-Konflikts bilden den Rahmen dieses turbulenten, bleihaltigen und wendungsreichen Pageturners.

Die Akte Adenauer

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