Dem Tod verpflichtet

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 428 Seiten

- Bd. 1 [Köstner / Hattinger]

Couch-Wertung:

55°
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Thomas Gisbertz
Wenig fesselnder Auftakt einer neuen Thriller-Reihe

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2021

Kriminalhauptkommissar Mike Köster von der Kripo in Nürnberg bekommt es mit einem seltsamen Todesfall zu tun: Unbekannte werfen den Leichnam der 21-jährigen Nina Hoffmann vor ein vorbeifahrendes Auto. Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass dem Opfer erst kurz zuvor ein großflächiges Tattoo auf dem Rücken gestochen wurde. Im Rahmen einer Suchanfrage wird Hauptkommissar Ruben Hattinger, Sonderermittler bei der Bundespolizei in Bamberg, auf den Fall aufmerksam. Er erkennt sofort, dass ein alter ungelöster Fall und der neue Leichenfund zusammenhängen: Vor eineinhalb Jahren wurde ein 49-jähriger Mann tot mit einem nahezu identischen Tattoo gefunden. Sofort reist der „spezielle“ Hauptkommissar mit seinem Team nach Nürnberg …

Teamarbeit gefragt

Die Zusammenarbeit mit dem eigenwilligen Sonderermittler Hattinger stellt sich für Kommissar Köster zunächst als äußerst schwierig dar, fällt doch der clevere Ermittler eher durch seine exzentrische und spezielle Art auf. Auch wenn beide charakterlich vollkommen konträr sind, weiß der erfahrene Kommissar aus Nürnberg, dass er nur gemeinsam mit Hattinger und seinem Team den skrupellosen Serienkiller fassen kann. Es dauert auch nicht lange, bis der Täter erneut zuschlägt …

Erfolgsautor des Edition M Verlags

Autor Mark Franley gehört bereits seit mehreren Jahren zu den Erfolgsgaranten das Amazon-Hausverlages Edition M. Egal ob als eBook oder als Taschenbuchausgabe, gehören die Romane des Franken zu den beliebtesten Werken im Bereich „Thriller“. Darüber hinaus erfreut sich Franley einer immer größeren Fangemeinde. Mit Dem Tod verpflichtet verbindet der Autor nun zwei seiner erfolgreichen Romanreihen: die um den Nürnberger Kommissar Mike Köster (sieben Einzelbände) mit der des Bamberger Sonderermittlers Ruben Hattinger (drei Einzelbände). In seinem Interview mit der Krimi-Couch 2019 hat Franley die Möglichkeit einer Zusammenarbeit beider Ermittler bereits angedeutet. Zumindest ein weiteres Mal werden sich die Wege der beiden Protagonisten im Herbst 2021 in einem zweiten gemeinsamen Fall, Der Angst verfallen, kreuzen.

Obszöne Sprache

Auch wer sich mit den Reihen der beiden Kommissare bisher nicht vertraut gemacht hat, wird ohne Schwierigkeiten der Handlung folgen können. Dies liegt größtenteils daran, dass diese einfach gestrickt und der Plot an vielen Stellen vorhersehbar ist; die Sprache erscheint immer wieder banal, mitunter sogar platt und vulgär. Dabei nerven die wiederholten Bezeichnungen für das männliche Genital in sämtlichen Facetten ebenso wie infantile Wortspiele („Die Kopfschmerzen waren wie weggeblasen. Der Gedanke an das Wort blasen erinnerte sie an den hübschen jungen Mann, den sie vor einigen Tagen mit nach Hause genommen hatte.“) und der ständige Bezug zum Sexuellen (u.a. Domina, Sadomasochismus, Selbstbefriedigung). Der Höhepunkt des Nonsens wird sicherlich erreicht, wenn sich eine Geisel versucht, von ihren Fesseln zu befreien, indem diese die Lederriemen mit ihrem Urin aufzuweichen gedenkt: Der Gefangene „schloss […] die Augen, achtete erst nur auf seinen Atem und dachte schließlich an den letzten Sex mit dieser jungen, hübschen Prostituierten. Eine Zeit lang sackte seine Erektion immer wieder zusammen. Erst als er sein Lieblingsspiel visualisierte, ging es besser. Die Bilder, wie er sie von hinten nahm und ihr gleichzeitig auf das feste Fleisch ihrer Arschbacken schlug, waren intensiv genug. Den kurzen, kostbaren Augenblick, als sein Schwanz sich endgültig versteifte, nutzend, ließ er seinem Urin freien Lauf.“ Das hat nichts mit schriftstellerischer Freiheit oder Kreativität zu tun, sondern ist einfach nur ekelhaft und widerlich. Man muss sich ernsthaft fragen, warum Franley wiederholt innerhalb seines Romans in diesen Wahnwitz abgleitet.

An der Erzählweise stören darüber hinaus die Überblendungen, wenn der Autor zu Beginn einzelner Kapitel die Perspektive wechselt und eine bereits bekannte Situation nochmals - zumindest in Auszügen - aus der Sicht einer anderen Person schildert. Dies könnte man durch Rückblenden in einer fortlaufenden Handlung sicherlich eleganter lösen.

Schwächere Darstellung

Die Auswahl und Darstellung einzelner Figuren ist mehr als grenzwertig, wenn unter anderem ein körperlich und geistig benachteiligter junger Mann für den Autor als brutaler Psychopath herhalten muss, der seine Opfer auf das Übelste quält und misshandelt. Manch einer mag den Schreibstil Franleys und seine Figurenzeichnung kreativ, innovativ oder gar spannend finden - für mich ist sie leider nur Ausdruck einer schriftstellerischen Armut. Oftmals weiß sich Franley in seinem Schreibstil nur mit Ekel und Widerwärtigkeit zu helfen; dies hat nichts mit einer facettenreichen Darstellung eines Psychopathen und seiner Taten zu tun.

Die beiden Protagonisten Köster und Hattinger werden darüber hinaus viel zu oberflächlich und zu wenig differenziert beschrieben. Insbesondere der wiederholt in seiner exzentrischen und eigenwilligen Art dargestellte Bamberger Ermittler bleibt bis zum Schluss den Beweis seiner polizeilichen Klasse schuldig. Statt einer akribischen Ermittlungsarbeit ergeht sich das Team allzu oft in wilden Spekulationen. So interessant ungewöhnliche, überzeichnete Figuren für eine Kriminalhandlung auch sein können, sie müssen in erster Linie glaubhafte Ermittler bleiben, und dies ist hier zu wenig der Fall.

Insgesamt wirkt der Plot zu konstruiert. Das Motiv des Täters ist zwar stimmig und glaubwürdig, die Umsetzung seines Rachefeldzuges und die Verstrickung weiterer Personen ist aber aus meiner Sicht überzogen. Zugegeben: Die Roman ist einfach und schnell zu lesen, mitunter auch wendungsreich, aber er unterhält insgesamt viel zu wenig und fordert den Leser überhaupt nicht heraus. Einfachheit und Schlichtheit überwiegen leider.

Fazit

Autor Mark Franley hat eine große Fangemeinde und erreicht ein großes Lesepublikum; daher macht er wohl Vieles richtig. Eine anspruchslose Darstellung, der es an Tiefe fehlt, ein schlichter Erzählstil und eine triviale, oftmals obszöne Sprache sind mir deutlich zu wenig für einen guten Krimi.

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