Kill Time

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- OT: Sleepwalker

- aus dem Englischen Karl-Heinz Ebnet und Andrea O'Brien

- TB, 448 Seiten

- Bd. 3 [Aidan Waits ermittelt]

 

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Thomas Gisbertz
Starker Schluss einer großartigen Trilogie

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Mai 2021

Seit zwölf Jahren sitzt Martin Wick seine Strafe im Strangeways-Gefängnis von Manchester ab. Aber noch immer wartet die Öffentlichkeit darauf, dass dieser verrät, was mit der kleinen Lizzie Moore geschehen ist, deren Familie er einst brutal abgeschlachtet hat – denn von dem Kind fehlt bis heute jede Spur.

Jetzt liegt Wick im Krankenhaus St. Mary's - Lungenkrebs im Endstadium. Detective Inspector Sutcliffe und sein Partner Detective Aidan Waits sollen ihm ein letztes Geständnis entlocken. Doch stattdessen taucht eine Serie von plötzlichen Stromausfällen Manchester in Dunkelheit, eine tätowierte Frau dringt in Wicks Krankenzimmer ein und setzt ihn mit einem Flammenwerfer in Brand. Die letzten, kaum noch verständlichen Worte des Killers schicken Aidan Waits auf eine Reise in die Finsternis: „Ich war es nicht …“

Unschuldiger Mörder?

Der Flur, auf dem sich das Krankenzimmer des Mehrfachmörders Wick befindet, wird strengstens bewacht. Dennoch macht Aidan Waits eine beunruhigende Entdeckung. Als er sich auf die Verfolgung einer unbekannten Frau macht, wird der Feueralarm ausgelöst. Sofort eilt der Detective zurück auf die Station, kommt aber zu spät: Der wachhabende Polizist liegt mit aufgeschnittener Kehle auf dem Boden und Waits‘ Partner Sutcliffe stürzt brennend aus Wicks Zimmer. Er überlebt nur knapp mit schwersten Verbrennungen. Für Martin Wick, der am Bett fixiert war, kommt jede Hilfe zu spät. Kurz vor seinem Tod weist er aber noch jegliche Schuld an der Ermordung der Familie Moore von sich. Für Waits beginnt damit ein letzter Kampf - gegen den Attentäter und seine eigene Vergangenheit ...

Ende der Trilogie

Nach Dreckiger Schnee  und Smiling Man  findet die Geschichte um Detective Aidan Waits mit dem dritten Band nun leider ihr Ende. Joseph Knox hat mit seiner Reihe bewiesen, dass er bereits jetzt in einem Atemzug mit den großen Autoren des britischen Thrillers zu nennen ist. Seine Figuren sind in ihrem Verhalten moralisch mehr als zweifelhaft; dabei spielt es fast keine Rolle, ob es sich um Verbrecher oder Ermittler handelt. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen ebenso wie die zwischen Recht und Unrecht. Man hat den Eindruck, dass es nur Zufall ist, wer sich auf welcher Seite befindet.

Im Mittelpunkt der Reihe stehen zumeist desillusionierte Charaktere wie Detective Waits, die von der Realität und ihrem Leben angewidert sind, gleichzeitig aber in ihrer gebrochenen, resignierenden Haltung das Besondere der Serie ausmachen. Die Existenz erscheint oftmals derart perspektivlos, dass der Tod billigend in Kauf genommen wird.

Dazu kommen Figuren wie Superintendent Parrs, der in seiner zynischen und überheblichen Art Waits als dessen Vorgesetzter das Leben zur Hölle macht, gleichzeitig aber auch der einzige ist, der ihn ansatzweise unterstützt - allerdings nur, wenn er einen eigenen Vorteil für sich sieht. Diese Ambivalenz ist ein typisches Merkmal vieler Figuren der Reihe.

Neue Perspektive

Der dritte Band der Manchester-Reihe um Detective Waits ist aber in gewisser Weise anders als seine Vorgänger. Dies liegt besonders daran, dass Waits diesmal nicht wie gewohnt in der Nachtschicht arbeitet. Leider verliert die Reihe auch etwas von ihrer typisch düsteren Atmosphäre und ihrem ganz eigenen Sound, wenn Autor Joseph Knox seine Figuren diesmal nicht wie üblich in das Nachtleben der Stadt im Nordwesten Englands eintauchen lässt.

Gleichzeitig bekommt Detective Waits eine neue Partnerin: Constable Naomi Black. Dass man eine fähige junge Polizistin als vorübergehenden Ersatz für DI Sutcliffe an seine Seite stellt, die sich karrieremäßig eindeutig auf der Überholspur befindet, kann für ihn nur einen Grund haben: Sie soll ihre Augen und Ohren offen halten und Parrs als Informantin dienen. Auch wenn die Kenner der Reiher vielleicht die scharfzüngige, sarkastische Art von Suttcliffe vermissen werden, so bringt Autor Joseph Knox mit Constable Black doch auch einen frischen Wind in die Reihe.

Versöhnliches Ende

Knox greift auch in seinem aktuellen Thriller Waits düstere, aber auch traurige Vergangenheit auf; endlich erfährt man unter anderem, was mit seiner Schwester Anne geschehen ist. Killtime ist zwar in seiner Erzählweise anders als die beiden Vorgängerbände, dennoch gelingt Joseph Knox ein fulminantes Ende seiner Trilogie: Offene Fragen werden geklärt, Handlungsfäden zusammengeführt und das Finale besticht mit einer Wucht - aber gleichzeitig auch schonungslosen Konsequenz-, wie man es sich nur wünschen kann.

Bis zur letzten Seite nimmt Knox den Leser mit auf eine Reise zwischen Schuld  und Sühne. Zwar findet das gleichnamige Werk des russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewski nur am Rande Erwähnung innerhalb des Romans, dennoch gibt es kein besseres Sinnbild für das Leben des Aidan Waits: Die Grenzen zwischen Recht und Unrecht stets überschreitend, sucht er am Ende nach einen Ausgleich für seine Schuld, die er aus seiner Sicht auf sich geladen hat. Ein wundervoller Schluss der Reihe, der zeigt, dass Joseph Knox ein großartiger Schriftsteller ist.

Fazit

Wer Joseph Knox noch nicht kennt, sollte dies schnell ändern. Die Reihe überzeugt mit einer Schonungslosigkeit, inhaltlichen Wucht und einer immensen Ausdrucksstärke. Die Figuren sind Grautöne in schwarzer Nacht - zynisch, brutal, menschenverachtend. Aidan Waits kämpft als Don Quichote dagegen an - und das, obwohl er weiß, dass er verlieren wird. Eine großartige Trilogie und ein beeindruckender Autor: Joseph Knox ist längst kein Talent mehr, sondern ein Versprechen für die Zukunft.

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