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Thomas Gisbertz
Starke Fortsetzung der Aidan-Waits-Reihe

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Jan 2020

Wie löst man einen Mordfall, wenn das Opfer scheinbar niemals existiert hat? Dieser Frage müssen sich Aidan Waits und sein Vorgesetzter Detective Inspector Peter Sutcliffe stellen, als sie einen toten Mann in einem verlassenen Hotel mitten in Manchester finden. Das Makabere daran: Seine Kiefermuskeln haben sich verspannt und die Lippen zu einem breiten, bedrohlichen Grinsen verzogen. Wer der unheimliche Unbekannte ist, gibt den Ermittlern lange Zeit Rätsel auf. Die Identifizierung des Toten ist nämlich äußerst schwierig: Sämtliche Zähne wurden herausgebrochen und ersetzt, die Fingerkuppen chirurgisch verändert. Einziger Anhaltspunkt ist ein Zettel, der in die Hose des Toten eingenäht wurde.

Detective Aidan Waits, der resigniert und ohne Zukunftsperspektive die Nachtschicht schiebt, sieht sich mit einem nahezu unlösbaren Fall konfrontiert. Wer ist der lächelnde Tote, was wollte er in dem alten Hotel und wie ist er überhaupt gestorben? Während Waits versucht, mehr über die Herkunft des Unbekannten in Erfahrung zu bringen, muss er feststellen, dass auch seine eigene Vergangenheit ihn einzuholen droht.

Sexvideo und brennende Abfalltonnen

In der selben Nacht bekommen es Waits und Sutcliffe aber noch mit einem weiteren Fall zu tun. Die junge Studentin Sophie hatte nach einem Date einvernehmlichen Sex mit Oliver Cartwright, einem bekannten Fernsehmoderator. Nun erpresst dieser Sophie aber mit einem Video, das beide beim Geschlechtsverkehr zeigt. Waits sucht daraufhin den rechtspopulistischen Journalisten in dessen Penthouse auf, um den Fall in seiner direkten, nachdrücklichen Art unbürokratisch zu klären.

Das wiederum ruft Superintendent Parrs auf den Plan. Es dauert nicht lange, und Waits wird untersagt, sich weiter aktiv an der Suche nach dem Mörder des „Smiling Man“ zu beteiligen. Stattdessen muss er sich um den Fall der brennenden Abfalltonnen kümmern, die wiederholt nachts der Polizei gemeldet werden. Nur widerwillig setzt sich der Detective damit auseinander - bis er erkennt, dass hier der Schlüssel zur Lösung des Falls liegt.

Englischer Noir vom Feinsten

„Smiling Man“ ist der neue, packende Thriller des britischen Autors Joseph Knox und nach „Dreckiger Schnee“ der zweite Fall für Detective Aidan Waits. Wieder entführt Knox die Leser in die düsteren Viertel Manchesters. Hier begegnen einem in den zahlreichen Bars und Nachtclubs Anti-Helden, gescheiterte Existenzen und Drogenabhängige. Knox ist ein Autor, der etwas wagt - sowohl stilistisch als auch inhaltlich. Seine Geschichten um den unbequemen Aidan Waits sind voller Aggression, Gewalttätigkeit und Resignation.

Knox beschönigt nichts und überzeugt durch eine fast schon schmerzvolle Realitätsnähe. Seine Figuren sind oftmals zynische und pessimistische Charaktere wie zum Beispiel Waits Kollege und Vorgesetzter DI Peter Suttcliffe, den man weder im Auftreten noch im Aussehen von einem Verbrecher unterscheiden kann. Dass Waits gemeinsam mit Suttcliffe überwiegend nachts unterwegs ist, verstärkt die düstere Atmosphäre des Thrillers.

Ambivalenter Ermittler mit dunkler Vergangenheit

Aidan Waits ist eine ganz besondere Figur in der gegenwärtigen Thrillerliteratur: Von der Realität angewidert und desillusioniert, taucht er immer wieder in dunkle Seiten Manchesters ein. Waits selber hat nichts mehr zu verlieren hat, nachdem er im ersten Band der Reihe der Korruption überführt wurde. Nur Dank der Fürsprache von Superintendent Parrs ist er noch im Dienst, obwohl man ihn bei der Entwendung von Drogen aus der Asservatenkammer erwischte. Nicht nur die Unterwelt Manchesters sähe Waits lieber tot als lebendig, auch im Kollegenkreis - allem voran ist hier die Rechtsmedizinerin Karen Stromer zu nennen - versucht man mit allen Mitteln, dem unkonventionellen Detective das Leben so schwer wie möglich zu machen.

Waits weiß, dass er vielleicht eine letzte Chance bekommen hat und ist deswegen zunächst sichtlich bemüht, sich etwas zurückzuhalten. Letztendlich kann er seine impulsive und auch aggressive Art aber nicht unterdrücken, wenn er spürt, dass ihm die Dinge entgleiten und er machtlos scheint. Trotz seines oftmals ruppigen und rauen Auftretens ist der Detective eine sympathische Figur. Dies mag daran liegen, dass sein Verhalten Verständnis beim Leser hervorruft und er jederzeit authentisch agiert - auch wenn dies natürlich nicht immer mit dem Verhaltenscodex eines Polizisten übereinstimmen mag.

Die Dämonen der Vergangenheit

Bereits im ersten Band „Dreckiger Schnee“ erfährt der Leser, dass Waits in einem Kinderheim groß geworden ist und eine jüngere Schwester hat, zu der aber kein Kontakt besteht. Knox greift auch in seinem aktuellen Thriller Waits düstere Vergangenheit auf und legt dabei einen weiteren Teil seiner traurigen Biografie offen. Mit Bateman tritt eine zentrale Figur aus seiner Kindheit in Erscheinung, die sein Leben und damit auch seine Entwicklung als Mensch stark beeinflusst hat. Waits muss sich den langen Schatten seiner Vergangenheit stellen, wenn er diese endgültig hinter sich lassen will. 

Die dunkle Seite Manchesters

Knox schreibt, wie die dunkle Seite Manchesters in der Realität selber ist: knallhart, brutal, düster. Seine Figuren wirken oftmals emotionslos und kalt, dabei scheint diese Distanz gleichzeitig notwendig, um in einer Welt voller Gewalt, Korruption und Verbrechen überleben zu können. Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen ebenso wie die zwischen Recht und Unrecht. Man hat den Eindruck, dass es nur Zufall ist, wer auf welcher Seite steht. Die Mittel, denen sich vor allem Aidan Waits bedient, unterscheiden sich kaum von denen der Kriminellen. Der Zweck heiligt alle Mittel, wenn es darum geht, für Gerechtigkeit zu sorgen.

Fazit:

Nach der Lektüre des zweiten Bandes der Aidan-Waits-Reihe wundert man sich als Leser, dass ein Autor wie Joseph Knox hierzulande weitgehend unbekannt ist. War sein Debüt „Dreckiger Schnee“ bereits ein kompromissloser, harter Thriller, so ist dieser Roman insgesamt sogar noch rasanter. Knox steht bereits jetzt in einer Reihe mit den großen britischen Thrillerautoren wie Ian Rankin und Stuart McBride. Er ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein absolutes Muss für alle Fans des britischen Noirs.

Smiling Man

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