Old Bones - Das Gift der Mumie

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

Michael Benthack (Übersetzer)

Couch-Wertung:

85°
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Andreas Kurth
Schatzjäger, Soldaten und zwei beherzte Ermittlerinnen

Rezension von Andreas Kurth Dez 2021

Nachdem Douglas Preston und Lincoln Child ihr neues Ermittlerinnen-Paar Corrie Swanson und Nora Kelly mit spektakulären Ermittlungen in der Sierra Nevada ins Rennen geschickt haben, war mir klar, dass ich mich auf die Fortsetzung freue. Und die hält nun tatsächlich auch, was ich mir davon versprochen habe. Preston und Child sind dem deutschen Publikum mit ihrer Pendergast-Reihe bestens vertraut, und auch bei “Old Bones”, wie die neue Reihe wegen der Archäologin im Team offenbar genannt wird, entfalten die beiden Vielschreiber ihre volle Erzählkunst.

Mumie ist auch noch radioaktiv verseucht

In diesem Fall ist es die junge FBI-Agentin Corrie Swanson, die sich in einer von Sandschwaden durchzogenen Geisterstadt in New Mexiko mit einer mumifizierten Leiche beschäftigen muss. Zuvor hatte dort der örtliche Sheriff eine Auseinandersetzung mit einem kriminellen Schatzsucher. Angesichts der archäologischen Komponente überredet die FBI-Agentin die Wissenschaftlerin Nora Kelly, sich den Fund in High Lonesome mal anzuschauen. Und so haben die beiden plötzlich einen mehr als rätselhaften Fall zu lösen, denn die mumifizierte Leiche liegt bereits seit Ende des Zweiten Weltkriegs in der verlassenen Stadt - und stellt sich zudem als radioaktiv verseucht heraus.

Die Bundespolizistin und die Archäologin begeben sich auf eine schwierige Spurensuche. Bei der Leiche wird eine Gesichtsrekonstruktion vorgenommen, und so finden die Ermittlerinnen die Identität des Mannes heraus, der mit schrecklich schmerzverzerrtem Gesicht gestorben ist. Als Nora Kelly seinen Lagerplatz ausgräbt, wird eine weitere Leiche gefunden. Der Partner des Mannes war offenbar Apache. Die beiden Frauen wühlen in der Folge höchst engagiert und hartnäckig in lauter Geheimnissen, die sie schließlich zu einer Militär-Basis und zum sogenannten Trinity-Test führen. Bevor sie den höchst verworrenen Fall lösen, geraten die beiden jungen Frauen mehrfach selbst in große Gefahr.

Wie schon im ersten Band von Old Bones geraten Swanson und Kelly durch hartnäckige Recherchen in einen ziemlich schwierigen Fall, der nur durch ihre kombinierten Fähigkeiten zu lösen ist. Den Autoren gelingt es einmal mehr, von Beginn an einen enormen Spannungsbogen zu erzeugen. Die Geschichte entwickelt einen großen Sog, denn die Erkenntnisse der beiden Ermittlerinnen werden - wie üblich bei Preston und Child - scheibchenweise präsentiert. Das Setting mit der gruseligen und doch faszinierenden Geisterstadt High Lonesome und der nicht weit entfernten Militärbasis sorgt für einiges an Gänsehaut.

Ist die Geschichte überhaupt realistisch? Zumindest sind die notwendigen Fakten rund um den Plot von den Autoren offensichtlich gut recherchiert worden - wie man es von Preston und Child gewohnt ist. Den Trinity-Test hat es am 16. Juli 1945 tatsächlich in den White Sands Proving Grounds gegeben. Unweit davon ist die fiktive Geisterstadt aus dem Roman angesiedelt. Der tote Mann mit seinem wertvollen Artefakt im Gepäck ist an den Folgen der Radioaktivität bei der Atombomben-Explosion gestorben - und die aktuelle Rolle einiger Militärs ist mehr als zwiespältig. Ein toller Plot, bei dem ich den möglichen Realitätsgehalt für ausreichend halte, weil ich mich angesichts der vielen Rätsel und Nebengeschichten glänzend unterhalten fühle.

Junge Ermittlerinnen machen den Charme der Roman-Reihe aus

Großen Charme hat die Reihe auch durch die beiden Ermittlerinnen. Die junge Bundesagentin Corrie Swanson ist noch frisch im Geschäft, steht bei ihren Kollegen und Vorgesetzten mächtig unter Druck. Sie will sich unbedingt beweisen, und legt deshalb auch bei ihrem zweiten Fall großes Engagement an den Tag. Sie lässt sich auch von ihrem skeptischen Chef nicht bremsen, überwindet allerlei Widerstände und lässt sich immer wieder auf neue Situationen und Erkenntnisse ein. Das Autoren-Duo hat hier eine sympathische Figur geschaffen, die in meinen Augen gemeinsam mit ihrer Partnerin wider Willen großes Potenzial hat.

Das gleiche gilt für Nora Kelly, die von Preston und Child als eine Art Gegenentwurf zur Polizistin geschaffen wurde. Sie ist Archäologin, und im ersten Fall der beiden Frauen war die Wissenschaftlerin lange Zeit aufgebracht über die Einmischung der FBI-Agentin in ihre Ausgrabungen. Und auch im aktuellen Roman lässt sie sich nur widerwillig in den Fall hinein ziehen - bis die Neugier angesichts der faszinierenden Fakten überwiegt. Die beiden Autoren haben das sehr geschickt angelegt, und in der Kombination der unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden Frauen liegt am Ende das Geheimnis des Erfolges bei den Ermittlungen. 

Fazit:

Es ist eine ziemlich weit hergeholte Erzählung, die Preston und Child ihren Lesern hier präsentieren. Aber voller Geheimnisse und Wendungen, die das Ganze zu einer süffigen Lektüre machen - da kneift man bei der Frage nach dem Realitätsgehalt gerne die Augen zu. Swanson und Kelly verbreiten hohes Suchtpotenzial mit dieser spannenden Geschichte, die die Bezeichnung Thriller nun wahrlich verdient hat. Und man freut sich auf ein Wiedersehen mit den beiden Frauen.

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