Die dunklen Wasser von Inverness

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

Bettina Spangler (Übersetzung)

Couch-Wertung:

70°
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Carola Krauße-Reim
Das Grauen im dunklen Tal

Rezension von Carola Krauße-Reim Dez 2021

G.R. Halliday setzt die Reihe rund um Detective Monica Kennedy fort. Nach „Die Toten von Inverness“ zeigen uns Kennedy und ihr Team auch dieses Mal wieder nicht nur die schönen Seiten der malerischen Highlands in Schottland. Der Fund einer grausam zugerichteten Leiche zwingt Monica Kennedy früher in den Dienst zurück als sie es eigentlich wollte. Als dann ein weiterer verstümmelter Leichnam gefunden wird, fragen sich alle, ob man es mit einem Serientäter zu tun hat. Zeitgleich wird eine einsame Bergstraße einer jungen Frau zum Verhängnis – nach einem Autounfall findet sie sich in einem sehr desolaten Zustand in einem dunklen feuchten Raum wieder, aus dem sie nicht entkommen kann. Unbemerkt von der Außenwelt werden die Highlands auch für einen Touristen zur Falle – die Übernachtung im Zelt weit ab von der Zivilisation hat für ihn schwerwiegende Folgen.

Eine dünne und sehr brutale Geschichte

Schon gleich zu Beginn wird klar, dass es auch in diesem zweiten Krimi der Serie ziemlich brutal wird. Verstümmelte Leichen und eingesperrte hilflose Menschen sind erst der Anfang in dieser ansonsten eher dürftigen Geschichte. Neben der Brutalität gibt es nur sehr wenig, auf das der Plot aufbauen kann, sodass der Krimi streckenweise zu einem trivialen Horrorgeschichtchen zu verkommen droht. Die Ermittlungen laufen zäh, die Hintergründe der Taten sind mehr konstruiert als plausibel und haben einmal mehr einen unverkennbaren mystischen Touch, der dieses Mal durch Monicas Tochter Lucy entsteht. Doch was wohl Spannung generieren soll, wirkt sehr unrealistisch und bleibt ohne weitere Erklärungen im Raum stehen.

Spannung kommt erst zum Schluss auf

Auch dieses Mal tappt der Autor in die Falle von zu vielen ermüdenden Wiederholungen, statt ein Problem punktgenau zu nennen und zu erklären. So hadert Monica immer noch mit dem Spagat zwischen alleinerziehender Mutter und einem fordernden Job, was durch ständige Erwähnung auch der ignoranteste Leser begriffen haben dürfte, ebenso wie die Loyalität von Crawford, ihrem Mitarbeiter, die mannigfaltig zum Ausdruck kommt.

Doch nicht nur das bremst die Spannung aus: Der ständige Perspektivwechsel zwischen den Ermittlungen und der eingesperrten Annabelle soll wohl genau das Gegenteil bewirken, behindert aber nur den Lesefluss. Die oft nur wenige Absätze langen Passagen geben schon Gesagtes wieder, bringen die Geschichte nicht voran und lassen, wie die erschöpfend langwierig dargestellte Ermittlungsarbeit übrigens auch, die Spannung gegen den Nullpunkt gehen. Hier muss man schon einiges an Durchhaltevermögen aufbringen um nicht irgendwo, in den immerhin mehr als 500 Seiten, stecken zu bleiben. Wenn dann auch noch ganz plötzlich kurze Rückblicke in die Vergangenheit eingestreut werden, fragt man sich, ob das nicht wesentlich packender gelöst hätte werden können.

Dass der Autor es auch spannend machen kann, wird erst im letzten Drittel deutlich, wenn alle Fäden zusammenlaufen und es schlussendlich zu einem wirklich dramatischen Showdown kommt, der zwar nicht unbedingt realistisch aber enorm packend ist.

Die Highlands faszinieren auch dieses Mal

Wie auch schon im ersten Band der Serie ist die beschriebene Natur der schottischen Highlands ein absoluter Pluspunkt im Krimi. Einsame, düstere Täler mit schneebedeckten hohen Gipfeln und dunkle Stauseen mit maroden Mauern wechseln sich mit Beschreibungen von Inverness ab, der Stadt, die sowohl pittoresk als auch schäbig sein kann.

Das schafft enorm viel Atmosphäre, erst recht, wenn die Einwohner dieser Abgeschiedenheit als Sonderlinge dargestellt werden, die abergläubisch erscheinen und den Leser in desolate, ja psychopathische Abgründe führen. Leider hält der Autor auch dieses Mal keine Landkarte bereit, die seine detaillierten und ständig vorkommenden Ortsangaben zeigen würde, selbst, wenn einige fiktiv sind, hätte das der Orientierung doch sehr geholfen.

Fazit

In Aufbau und Stil gleicht dieser zweite Teil der Monica-Kennedy-Reihe sehr seinem Vorgänger: ein ausschweifender, leicht mystischer Plot mit durchhängender Spannung, die sich zum Schluss hin steigert und das in einer Landschaft, die nicht schöner sein könnte. Lediglich auf das im ersten Band aufgebaute ungewöhnliche Team von Detectiv Monica Kennedy und Sozialarbeiter Michael Bach müssen wir leider verzichten - der spielt in diesem Krimi keine Rolle mehr.

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