Der Kastanienmann

Erschienen: August 2019

Bibliographische Angaben

Susanne Dahmann (Übersetzung)

Couch-Wertung:

98°

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Carola Krauße-Reim
Durchgehende Spannung ist garantiert

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Dez 2019

Søren Sveistrup ist ein dänischer Drehbuchautor, der bei uns durch die „Kommissarin Lund“-Reihe bekannt geworden ist. Mit „Der Kastanienmann“ legte er seinen ersten Roman vor, der gleich die internationalen Bestsellerlisten gestürmt hat. Mit mehr als 600 Seiten gibt Sveistrup dem Leser ganz schön was zu tun, aber, die Bestsellerlisten haben recht – es lohnt sich.

Nordic-Noir vom Feinsten

Der Thriller zeigt einmal mehr, dass die angeblich so heile Welt Skandinaviens nicht mehr existiert. Mit dem Finger wird auf Missstände im hochgelobten dänischen Wohlfahrtssystem gezeigt, die es so tatsächlich gab. Verpackt sind diese Mängel in eine atemraubende spannende Geschichte, die den Leser von Anfang an in den Bann zieht, was nicht zuletzt daran liegt, dass alles im Präsens erzählt wird. Zahlreiche Wendungen und immer neu aufgedeckte Erkenntnisse halten die Spannung bis zum Schluss hoch.

Die Schilderung manchmal mühseliger Polizeiarbeit wechselt sich mit teilweise, aber für dieses Genre üblichen, ziemlich brutalen Szenen ab. Typisch für einen dänischen Thriller ist auch die Verwicklung der Politik in den Fall. Sozialministerin Rosa Hartung muss mit dem brutalen Mord an ihrer Tochter zurecht kommen. Doch kaum ist sie wieder arbeitsfähig, wird die Aufklärung der Tat in Frage gestellt. In neuen Morden tauchen Kastanienmännchen auf, die Fingerabdrücke ihrer Tochter tragen. Das unfreiwillig zusammen arbeitende Ermittlerduo Mark Hess und Naia Thulin muss ganz von vorne anfangen und eckt dabei überall und nicht zuletzt bei den Kollegen und Vorgesetzten an.

Ein Team, das selten zusammen arbeitet

Hess und Thulin sind nicht gerade ein Dreamteam. Hess ist bei Europol in Ungnade gefallen und zurück nach Kopenhagen versetzt worden, und Thulin will unbedingt die Mordkommission verlassen, in der sie sich völlig fehlbesetzt vorkommt. Diese beiden sind kein Team, sondern zwei Einzelgänger, die sich nicht sympathisch sind und nur selten koordiniert arbeiten.

Sveistrup hat diese Charaktere bestens in Szene gesetzt. Der abgewrackt aussehende Hess, dem anfangs der Fall völlig egal ist, und der nur auf grünes Licht aus Den Haag wartet, um zu Europol zurückzukehren, und die alleinerziehende Mutter Thulin, die unbedingt in die Abteilung „Internetkriminalität“ versetzt werden will. Beide sind nicht sehr sympathisch, aber für den Leser so einprägsam geschildert, dass man mitfiebert, wenn sie wieder einmal gegen Mauern laufen.

Denn schnell merken beide, dass hinter den Verstümmelungen an den ermordeten Frauen mehr steckt, was aber außer ihnen keiner wahrhaben will. Getrennt und doch gemeinsam gegen den Rest der Welt knien sie sich in den Fall und geben auch dann nicht auf, als scheinbar alles gelöst ist. Die gekonnte Mischung aus beruflichen und privaten Problemen lassen beide sehr menschlich erscheinen, und ihre manchmal scharf an der Legalitätsgrenze verlaufenden Ermittlungen halten den Leser bei der Stange. Auch ihre Widersacher, der karrierebewusste Abteilungschef und die Kollegen der Mordkommission, sind glaubhaft und gut dargestellt und wecken mit ihrer Arroganz nicht gerade Empathie beim Leser.

Ein Schluss, der es in sich hat

Spannung ergibt sich aus den Fragen, wer die Frauen ermordet und verstümmelt, was Kristina Hartung damit zu tun hat, und ob der Chef der Mordkommission seine Arroganz überwindet und einsieht, dass er falsch liegt und alles viel komplizierter ist, als er es sich so medienwirksam erträumt.  Immer wieder wird der Leser zusammen mit den Ermittlern auf falsche Fährten gelockt, immer wieder offenbart sich ein neues Puzzleteilchen der Lösung.

Was dann zum Schluss herauskommt, war so aber nicht vorherzusehen. Das Finale legt noch einmal eine Schippe Spannung und Action drauf und lässt den Leser nur so über die Seiten fliegen, in der Hoffnung, dass alles gut ausgehen wird. Abschließend ist man dann doch etwas ausgesöhnt mit Hess und Thulin, die gegen alle Widerstände gearbeitet und damit dem Leser ein wahrhaftiges Lesevergnügen bereitet haben.

Fazit:

Ein dickes Buch, das dann doch viel zu schnell zu Ende ist. Hier stimmte einfach alles – der Plot, der immer hochgehaltene Spannungsbogen, die schwierigen Charaktere und der Schluss mit Knalleffekt, und das Ganze auch noch flüssig und gut geschrieben. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung, jedoch mit dem Hinweis, dass es einige ziemlich schockierende und brutale Szenen gibt, und dass die Gefahr besteht, zum Einsiedler zu werden, weil man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.

Der Kastanienmann

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Letzte Kommentare:
31.08.2020 23:21:42
Jean

Ein perfekter Herbstkrimi! Hat mir sehr gut gefallen.
97°

23.08.2020 12:17:54
Stefan Roth

Soren Sveistrup legt mit „Der Kastanienmann“ sein Erstlingswerk vor. Das Buch ist alles in allem gut gelungen und macht Lust mehr von Sveistrup zu lesen. Das Ende provoziert fast eine Fortsetzung, wir Leser dürfen gespannt sein, ob diese tatsächlich auch irgendwann auf dem Buchmarkt erscheint.

In Kopenhagen verschwindet das Kind der dänischen Sozialministerin Rosa Hartung, ein Täter wird ermittelt, die Leiche des Kindes aber nie gefunden, der Fall wird als abgeschlossen angesehen. Geraume Zeit später ermittelt die dänische Polizei in den Mordfällen mehrerer Frauen, denen am Tatort Gliedmaßen abgetrennt werden und jeweils ein Kastanienmännchen in der Nähe der Toten zurückgelassen wird. Wie dies alles zusammenhängt schildert Sveistrup sehr gekonnt.

Die beiden Ermittler Thulin und Hess könnten unterschiedlicher nicht sein, werden auf ihre Art aber Beide als äußerst emphatisch dargestellt. Den Gegenpart bildet ihr Chef, der Leiter der Mordkommission, ein Kotzbrocken der übleren Sorte.

Die Handlung ist sehr gut durchdacht, die beiden Handlungsstränge werden gegen Ende des Buches logisch zusammengeführt, eine Tatsache die nicht jedem Autor und Buch in dieser Art gelingt.

Einzige kleine Kritikpunkte meinerseits wären die Brutalität mit der einige Gewaltszenen geschildert wurden, was gar nicht notwendig für die Geschichte war, und das dann doch recht langatmig geschilderte Ende. Der Leser hat längst alle Zusammenhänge erkannt und trotzdem gab es noch 50 Seiten „Nachschlag“

Alles in allem ein Debut das eindeutig Lust auf mehr gemacht hat und trotzdem noch Luft nach oben lässt.

Für mich

78 von 100 °

24.06.2020 22:06:51
Vielleser

Obwohl ich eigentlich keine Romane im Präsens mag, bei diesem war es erträglich. Und das liegt daran, dass er wirklich spannend ist.
Eine typisch skandinavische Mischung aus Politik, Sozialproblemen und eigentlicher Handlung.
Lösung erst sehr spät zu ahnen. Allerdings mag ich es nicht sonderlich, wie immer wieder in solchen Romanen schwierige Kindheiten als Ursachen herhalten müssen. Das ist zu einfach!
Aber insgesamt ein spannender und recht guter Roman.

21.05.2020 08:49:15
Laura-Sophie

Das Buchcover war schon sehr vielversprechend und der Titel machte einen auch neugierig, aber wurde leider enttäuscht.... Das Buch zieht sich so in die Länge und mit den paar wenigen spannenden Momenten hätte man es auch auf die Hälfte reduzieren können. Die Figuren sind so farblos und der Charakter lässt sich kaum herauslesen, man fühlt nicht wirklich mit ihnen mit. Oft nervten die Figuren einfach.
Die Story ist teilweise sehr an den Haaren herbeigezogen, da im gesamten Buch jede eindeutige Spur von den Ermittlern ignoriert wird und auf einmal doch ganz banal die Kastaniensorte zur Aufklärung führt? Würde für mich Sinn ergeben, wenn die Hinweise vorher schon ernst genommen würden.
Das einzige was sehr gut gelungen ist ist am Ende die Aufklärung des Falls.

01.05.2020 00:07:59
meier13

Ich schreibe erstmals über ein Buch, welches ich noch lese (Kapital 30 aktuell), dass mich aber zu einen Zwischenfazit veranlaßt. Der Anlaß ist simpel; dass Buch hat mich immer noch nicht gepackt und meine Zweifel wachsen mit jeder Seite, dass das noch passiert. Der für nordische Krimis nahezu charakteristische brutale, nein perverse, Mord soll aufgeklärt werden, ein ungleiches Ermittlerteam wird darauf angesetzt. Da es sich bei diesem Buch um einen Thriller handelt, erwarte ich einen Spannungsaufbau, eine Handlung, die fesselt und die Neugierde auf jede neue Seite steigert. Hier leider Fehlanzeige. Es gibt eine Distanz (anders kann ich das nicht beschreiben) zwischen dem Autor und seiner Geschichte, die für mich nüchtern distanziert voranschreitet und der jegliche Fähigkeit fehlt, mich in den Bann zu ziehen. Möglicherweise lese ich die Geschichte zu Ende und werde unter Umständen danach eine ergänzende Kritik schreiben. Bis jetzt teile ich eher die Leserwertung.

13.03.2020 17:53:31
Boadicea

ein sehr spannendes Buch, aber über die Handlung nachdenken darf man nicht, denn sie ist total unlogisch und unrealistisch

04.02.2020 18:23:39
Bernhard Wieser

Zwar spannend - aber aufreißerisch, brutal und vor allem weltfremd.

03.02.2020 14:05:16
jadzia_dax29

Dieses Debüt von Sören Sveistrup hat alles was ein guter Thriller braucht - das nötige Maß an Brutalität - eine spannende Hintergrundgeschichte und ein unterschiedliches Ermittlerteam das sich erst zusammenraufen muss - und jeder für sich mit einem persönlichen Schicksal das erst nach und nach enthüllt wird

Mir persönlich hat das Buch sehr gut gefallen und am meisten begeistert es mich immer wenn es der Autor schafft mich in die Irre zu führen und ich nicht schon frühzeitig herausfinde wer der Täter ist - das ist hier sehr gut gelungen und auch die Hintergründe sind durchaus nachvollziehbar und plausibel - soweit das bei einem Psychopathen überhaupt möglich ist

Anfangs stand ich Hess und seiner Art sehr skeptisch gegenüber aber je länger ich gelesen habe desto mehr wurde ich Team Hess :o)

Ich hoffe noch viele Bücher mit dem Ermittlerteam zum lesen zu bekommen

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