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Sabine Bongenberg
Historisch sehr interessant - Handlung eher behäbig

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Mai 2020

Manchmal fragt man sich, ob der Polizei ihre Arbeit nach dem zweiten Weltkrieg nicht eigenartig vorkam. Bis zu einem bestimmten Datum bekam man viele Orden an die Brust geheftet, wenn man möglichst viele Leute ermordete. Machte man das aber nach diesem Stichtag, wurde man nur für einen einzigen Mord ins Gefängnis geworfen. Hans-Joachim Stein immerhin kennt das erste Szenario in Deutschland nicht. Er hat seine Jugend und seine ersten beruflichen Schritte in London verbracht, und wäre da wohl auch geblieben, wenn nicht das Herz es anders wollte.

So kommt er als Kommissar in seine alte Heimatstadt Berlin zurück, um hier zukünftig für Recht und Ordnung zu sorgen. Sofern das im Berlin der Nachkriegszeit überhaupt machbar ist. Direkt der erste Fall gibt allerdings schon Rätsel auf, wird doch offensichtlich einer der Großfürsten des Schwarzmarktes erschossen. Stein ermittelt zwischen verschiedenen Fronten. Die werden nicht  nur durch die Groß- und Kleinkriminellen der damaligen Zeit, oder die immer noch bestehenden Abhängigkeiten und Altlasten aus dem gerade vergangenen dritten Reich besetzt, sondern sind auch durch das Misstrauen seiner Kollegen und den Konflikt mit seinem Vater geprägt. Stein Senior gehört nämlich zu den Volkspolizisten des Berliner Ostteils - und zu denen tut sich schon jetzt ein Graben auf.

Spannende Einblicke in die Geschichte des dritten Reiches

Das Autorenduo Liv Amber und Alexander Berg präsentiert „Pandora“ als erstes Werk seiner Kooperation und als Beginn einer Trilogie. Das Gespann beweist hier, dass es historische Aspekte genau recherchiert und interessant aufbereitet zu vermitteln vermag. So erfährt der Leser vieles über die Lebenssituation der Berliner, die den Krieg knapp überlebten, über das „Organisieren“ von Lebensmitteln, das Hausen in Bruchbuden, über den täglichen Kampf, den Lebensunterhalt irgendwie sicher zu stellen.

Sehr interessant sind auch die Verflechtungen in die Nazizeit. So wird zum Beispiel einiges über die „Panzerschokolade“ berichtet, eine Droge ähnlich dem Crystal Meth, die seinerzeit unter dem Namen „Pervitin“ rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen war. Möglicherweise verdankte die Wehrmacht einen großen Erfolgsanteil des Blitzkriegs diesem Mittel, verhalf es ihren Soldaten doch dazu, weit über ihre Belastungsgrenze zu gehen, trieb aber  als Nebenwirkung viele Landser in die Abhängigkeit. Einen wichtigen und respektvoll aufgearbeiteten Bestandteil der Handlung bilden auch die Umtriebe der Nazis um die Wittenauer Heilstätten bei Berlin. Generell sind alle Bereiche, die die Historie und Nachkriegsgeschichte abdecken, sehr gut bearbeitet.

Bei der Krimi-Handlung beginnt der Motor zu stocken

Unglücklicherweise ist aber ein Krimi ein literarisches Produkt und keine Dokumentation eines geschichtlichen Abschnittes, und hier beginnt der Motor leider zu stocken. Amber und Berg schildern vieles sehr, sehr zäh, gerne verschwindet ein wichtiger Zeuge vor der Befragung, und überhaupt läuft so einiges aus befremdlichen Gründen schief. Ein Polizeibeamter ist im Rausch der Hormone teilweise nicht mehr in der Lage eine vernünftige Befragung hinzubekommen. Der andere sieht sich als Beschützer der hilfesuchenden Weiblichkeit, und sobald ihn ein Blick aus großen Bambiaugen trifft, ist es um seine berufliche Neutralität geschehen. Die eingangs verhalten geschilderten Kollegen sind bald so ineinander verliebt, dass des Schulterklatschens kein Ende zu sehen ist, alternativ dazu wird gefühlt auf jeder Seite bei jeder sich bietenden Gelegenheit einmal so richtig erbleicht. Auffällig ist auch, dass immer wieder Worte fehlen oder Sätze eigenartig konstruiert wurden. Das Lektorat – so war mein Eindruck – war hier teilweise sehr großzügig.

Fazit:

Da geht noch was… Amber und Berg haben damit ein interessantes Werk präsentiert, bei dem noch deutlich Luft nach oben ist, sofern es als ernstzunehmender und spannender Krimi gehandhabt werden soll. Es bleibt zu wünschen, dass die grundsätzlich nicht unsympathischen Helden der Geschichte noch ein bisschen Schliff erfahren, und die schulterkopfende Kumpanei verlassen, wogegen die Tunichtgute – und damit sind nicht die Verbrecher sondern die grundsätzlich nur schwarz gezeichneten Widersacher im Amt gemeint – vielleicht auch ein wenig facettenreicher dargestellt werden. Da weder Rom noch das zerstörte Berlin an einem Tag aufgebaut wurden, bleibt also abzuwarten, wie sich das nächste Buch entwickelt. Das grundsätzlich notwendige Potential ist mit dem hier vorgestellten Ermittlerteam auf jeden Fall vorhanden.
 

Pandora: Auf den Trümmern von Berlin

Pandora: Auf den Trümmern von Berlin

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