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Sabine Bongenberg
Das alte Berlin, es steht wieder auf

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Sep 2019

Als der Kollege Jörg Kijanski seinerzeit in der Histo-Couch den ersten Band „Der weiße Affe“ um die Irrungen und Wirrungen um den neuen Ermittler Ariel Spiro rezensierte, setzte er sich schon für einen Fortsetzungsband mit diesem sympathischen Ermittler ein. Und was will ich sagen? Recht hat er!

Ariel Spiro taucht in diesem Band wieder tief in das Berlin der 20er Jahre ein. Immer noch kämpft er um die Anerkennung seiner Kollegen, denn noch immer gilt er als der Emporkömmling, den keiner so richtig wollte, und den die Kollegen weiterhin am liebsten kaltstellen würden. Spiro aber beißt sich verbissen durch, hauen ihm die Nazis auf die Nase, dann lernt er eben, wie man boxt, werden in Berlin Menschen gefunden, die auf mysteriöse Art und Weise mitten auf belebten Plätzen verstarben, so ermittelt er, bis er eine Spur findet. Aber es gibt eine Sache, die nagt doch an ihm und das sind die grünen Augen der Bankierstochter, Nike Fromm, die ihm den Laufpass gab. Die kann er nicht vergessen.

Autorin schafft Nähe zu einer Gesellschaft, die schon lange vor dem zweiten Weltkrieg unterging

Kerstin Ehmer verfasst ihren wunderbaren zweiten Band wieder im gewöhnungsbedürftigen Präsens, schafft damit aber auch eine Nähe zu einer Stadt und zu einer Gesellschaft, die schon lange vor dem zweiten Weltkrieg unterging. Es ist ein zügelloses, ein wildes Berlin. Die oberen 10.000 feiern rauschende Feste, die mittellosen Arbeiter verhökern ihre Betten an „Schlafburschen“ und können sich mit dieser Doppelbesetzung ein paar Kröten dazu verdienen. Was sie eint ist offensichtlich die Vorstellung, dass das mit den Bazillen, Viren und der Ansteckung wohl nicht so schlimm ist, denn Infektionen und insbesondere die Syphilis rasen durch die Stadt und verschonen weder die Armen, noch die, die vom goldenen Teller essen, und auch nicht die, die es eigentlich am besten wissen müssten – die Mediziner.

Die besondere Leistung dieses mitreißenden Buches liegt nicht alleine in der Konstruktion des Krimis. Dieser Aufbau ist eher von solider Qualität, wäre aber allein für sich gestellt nicht der Grund für meine Begeisterung. Es sind vielmehr die Beschreibungen des alten Berlin, mit seinen Tanzpalästen und Vergnügungsstätten, mit seinen wilden Kinderhorden, die den heutigen Helikopter-Eltern die Haare zu Berge stehen lassen würden, mit seinen tragischen, mageren jungen Frauen, mit seinen Originalen und mit seinem Charme.

Davon abgesehen zeigt Ehmer, dass das Problem einer Flüchtlingswelle und der angestrebten Assimilation kein Problem der Neuzeit ist und ganz nebenbei packt sie mit wenigen Sätzen und Augenblicken noch drei vollendete Morde in die Geschichte ein, die so raffiniert eingefädelt wurden, dass der Leser bei dem einen vor Mitleid weinen möchte, sich bei dem anderen wundert, wie viel denn dahinter stecken mag und den dritten mit einer gewissen Billigung zur Kenntnis nimmt. Die jeweiligen Handlungen werden dabei aus der Sicht der gerade betroffenen Personen geschildert und so erfährt der Leser ein großes Maß an Informationen, Gefühlen und Gründen, die zu bestimmten Taten führen. Mehr als bezaubernd auch der zarte Lichtblick am Ende des Buches.

Fazit:

Es bleibt nur zu hoffen, dass Kerstin Ehmer ihren sympathischen Ermittler alsbald wieder in einen neuen Fall schickt. Dennoch ist hier die Erwartung schon keine ungetrübte mehr. Denn die Hydra des Nationalsozialismus erhebt schon ihr schreckliches Haupt und jeder weiß, was den bisher so fröhlich und arglosen Homosexuellen, Kommunisten, Juden und überhaupt allen Andersdenkenden drohte. Immerhin – diese Konstellation spielt hier noch keine besonders große Rolle, aber die Autorin zeigt, wie sie auch außerhalb der Katastrophe, die das dritte Reich aufwirft, einen spannenden, lesenswerten Krimi verfassen kann. Selbst wer – wie ich – Berlin bisher nicht so mochte, fängt doch langsam mal an zu überlegen, ob man nicht doch wieder hinfahren sollte. Andererseits – wo finde ich denn den Spiro?
 

Die schwarze Fee

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