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Thomas Gisbertz
Mörderisches Krippenspiel in St. Wolfgang

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Dez 2019

Auf dem Adventsmarkt zwischen Punschständen und Weihnachtssternen verschwindet die fünfjährige Marie Tettmann spurlos. Die verzweifelte Mutter ist sich sicher: Es hat sich jemand unter die Perchtenläufer gemischt und das Mädchen entführt. Während die Salzburger Polizei im Dunkeln tappt, verfolgt Gerichtspsychologe Thomas Meiberger eine andere Spur. Dabei bekommt er es mit einem Gegner zu tun, der ein perfides Katz-und-Maus-Spiel mit ihm treibt.

Dann finden zwei Bergsteiger die Leiche eines Mannes auf dem Untersberg. Das Seltsame aber ist, dass der Mann bereits tot war, als man ihn auf dem Berg zum Erfrieren abgelegt hatte. Makaber an der Situation ist auch, dass auf der Stirn des Toten ein Symbol eingeritzt ist: eine Krone. Meiberger ahnt, dass dies nicht der letzte Tote sein wird.

Verbindung zu altem Fall

Während der bedächtige Salzburger Kripochef Nepomuk Wallner und sein schaumrollensüchtiger Assistent Ganslinger eher erfolglos nach dem Mädchen und dem Mörder des Toten auf dem Untersberg suchen, stößt Gerichtspsychologe Thomas Meiberger auf Hinweise, die den beiden Kripospezialisten entgangen sind - und die Parallelen zur Entführung einer Frau aus Salzburg aufweisen.

Die Spuren deuten auf einen Psychopathen, der zu Weihnachten ein tödliches Krippenspiel aufführen will - und dem noch vier weitere „Mitspieler“ fehlen. Um die mörderischen Spielregeln des Täters zu durchschauen und die Geiseln zu finden, bevor der Weihnachtsabend anbricht, muss Meiberger an seine Grenzen gehen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit.

Österreichisches Autorenpärchen

Die Autoren Maja und Wolfgang Brandstetter leben und arbeiten in Wien. Sie schreiben Drehbücher, so auch das Drehbuch für die Servus-TV-Produktion „Meiberger - Im Kopf des Täters“ rund um den Gerichtspsychologen Thomas Meiberger, der von Fritz Karl gespielt wird. Der Psychologe ist ein forensischer Experte und Zauberkünstler, der die menschliche Psyche wie kein Zweiter kennt. Die Figur ist an einem realen „Vorbild“ angelehnt: Alexander Gappmaier, einem Salzburger Psychologen, der ebenfalls im wahren Leben zaubert. Die beiden Autoren verbrachten über Monate hinweg unzählige Stunden mit Gappmaier, in denen er aus seinem beruflichen Alltag und „vom weiten Land der Seele“ erzählte. Die zweite Staffel der ersten Krimiserie im österreichischen Privatfernsehen startete im November 2019 bei Servus TV. „Perchtenjagd“ ist der erste Meiberger-Krimi im Buchformat. Parallel zur Fernsehserie soll eine Buchreihe etabliert werden.

Schwächen in der Erzähltechnik

Der Kriminalroman ist durchaus temporeich und spannend erzählt. Die Handlung weist ihre eigene Dynamik auf, Nebenhandlungen werden auf ein Minimum reduziert und treten nur auf, wenn es die Erzählung erfordert. Wer also sozialkritische und tempoarme Nebenstränge à la Elisabeth George liebt, ist hier fehl am Platz.

Erzähltechnisch merkt man aber deutlich, dass die beiden Autoren bisher für das Fernsehen geschrieben haben und sich nun erstmals an einen Krimi in Romanform wagen. Dialoge findet man kaum. Stattdessen herrscht der personale Erzähler vor, der den Leser aber das ein oder andere Mal erstaunt zurücklässt. Während beim Film zeitliche und inhaltliche Sprünge nicht nur typisch sondern auch notwendig sind, füllen Maja und Wolfgang Brandstetter in „Perchtenjagd“ diese Lücken allzu oft mit schnellen und sinnfreien Themenwechseln bzw. Überleitungen. Dabei wären diese Leerstellen auch angemessener zu füllen gewesen.

Störend sind die zum Teil vorpubertären Textpassagen, wenn Meiberger über den Grund einer Flatulenz des Kripochefs sinniert oder wenn er sich - verärgert über dessen Verhalten - vorstellt, wie er Wallner den Kopf abreißt, damit Fußball spielt und abschließend darauf uriniert. Solche Aussagen sind in diesem Krimi völlig deplatziert und frei von jeglichem Humor.

Spekulative Tätersuche

Die Hypothesen, die von Meiberger aufgestellt werden, sind - wie der Name schon sagt - Vermutungen und Spekulationen aber keineswegs logische und für den Leser nachvollziehbare Schlüsse. Nur deshalb ist er der Polizei auch immer einen Schritt voraus. Dies mag nicht immer einleuchtend sein, ist aber bei einem Roman durchaus erlaubt, weil er der Handlung auch schnelle Wendungen ermöglicht.

Manchmal hat man das Gefühl, dass die beiden Autoren in ihren Gesprächen mit dem Salzburger Psychologen Gappmaier aber zu gut zugehört haben und immer wieder mit ihrem Wissen über forensische Psychologie punkten wollen. Zugegeben: Man lernt einiges Interessantes über diesen Bereich der Kriminalpsychologie, wie in diesem Fall insbesondere über multiple Persönlichkeitsstörungen. Das einzige Problem ist jedoch, dass es dem Leser mehr als schwer gemacht wird, den Täter selber zu ermitteln.

Eigenwilliger Psychologe

Die Figur des genialen, aber eigensinnigen Gerichtspsychologen Thomas Meiberger steht klar im Mittelpunkt der Handlung. Der Ermittlung des Täters ordnet er alles unter und nimmt auch persönliche Entbehrungen in Kauf, die ihn schnell an seine Grenzen bringen. Dabei geht es ihm weniger um die Opfer und vermissten Personen. Stattdessen wirkt es eher wie ein persönliches Duell zwischen Meiberger und dem Täter. Der Psychologe beschäftigt sich dabei vor allem mit den geistigen sowie psychischen Ursachen der Verbrechensentstehung und -durchführung. Dennoch erkennt er erst sehr spät, wie nah ihm der Täter die ganze Zeit über war. Dass dieser durch kluge Polizeiarbeit schneller zu ermitteln gewesen wäre, sei hier nur am Rande erwähnt. So genial der Psychologe auch auftreten mag, so erkennt er nicht, wie man ihn mit einfachsten Mitteln täuschen kann.

Privat leidet Meiberger immer noch unter dem Verlust seines Sohnes Patrik, der vor Jahren plötzlich spurlos und unerwartet verschwunden ist. Hier versuchen die beiden Autoren dem Psychologen eine verletzliche Seite zu geben, was aber nicht so recht zu seiner übrigen eher emotionslosen Art passen will.

Andere Figuren wie Inspektor Kevin Gottlieb Ganslinger, der ständig eine Schaumrolle bei sich hat bzw. isst und als Sprössling einer Zuckerbäcker-Familie der österreichischen Konditorkunst frönt, wirken nur albern. Der Versuch, wie in diesem Fall, Jörg Maurers einzigartiges Sprachtalent, seinen feinsinnigen, zum Teil bissigen, aber stets skurrilen Humor mit hintersinnigen Pointen nachzuahmen, scheitert hier kläglich.

Fazit:

Insgesamt gelingt Maja und Wolfgang Brandstetter ein zum Ende zunehmend temporeicher und kurzweiliger Krimi, der aber sprachlich und erzähltechnisch klare Schwächen aufweist. Dennoch unterhält „Perchtenjagd“ den Leser, da die Autoren auf Nebenhandlungen verzichten und zahlreiche Wendungen einbauen, die aber oftmals zu abrupt auftreten. Wer leichte Krimikost sucht, ist hier richtig. Fans der Fernsehserie werden sicherlich auch die Romanumsetzung lieben. Für 2020 ist bereits der nächste Band angekündigt.

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