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Jörg Kijanski
Packender dritter Teil der August-Emmerich-Reihe

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2019

Wien, November 1920. An Allerheiligen ist der Wiener Zentralfriedhof ein Ort, an dem man sich mit einem Informanten treffen kann, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. So denkt zumindest Kriminalinspektor August Emmerich, der sich von Bruno Kopp den lang ersehnten Hinweis erhofft, wohin Xaver Koch seine Frau Luise und deren Kinder verschleppt hat. Emmerich und Luise hatten große Pläne, doch dann kam völlig unerwartet ihr Mann aus dem Krieg heim.

Verroht und brutal riss er seine Familie an sich und verschwand mit dieser an einen unbekannten Ort. Doch Kopp erscheint nicht zum Treffpunkt, stattdessen Ferdinand Winter, Emmerichs Partner, denn ein neuer Mordfall steht an. Ein Mann wurde brutal ermordet, seine Zunge entfernt, sein Körper von einer kleinen Eisschicht bedeckt.

„Glauben Sie, dass wir es damit zu tun haben? Mit einem Wahnsinnigen?“

„Genug davon laufen herum. Seit dem Krieg ist die halbe Stadt voll mit Irren. Das viele Sterben, die große Not … das macht etwas mit den Leuten. Das schlägt nicht nur aufs Gemüt, sondern auch auf den Verstand.“

Wenig später erhält die Journalistin Anna Lehner ein kleines Päckchen, in dem sich die Zunge des Opfers befindet. Ein Artikel erscheint in der Wiener Illustrierten und als nur einen Tag später unter ähnlich schaurigen Umständen eine weitere, zungenlose Leiche gefunden wird, ist klar, dass sich Emmerich und Winter beeilen müssen. Verbindungen zwischen den beiden Opfern scheint es nicht zu geben, Zeugen oder gar Verdächtige sind kaum zu finden.

Recht spät finden die Ermittler einen ersten Anhaltspunkt, der sie zu dem „dunklen Boten“ führen könnte: Dantes „Göttliche Komödie“. Derweil hält es Luise kaum noch bei Xaver aus und glaubt eine Lösung gefunden zu haben, diesen für immer loszuwerden …

Tiefgehende Einblicke in die Nachkriegsjahre begleiten den spannenden Plot

Nach „Der zweite Reiter“ und „Die rote Frau“ liegt nunmehr der bereits dritte Teil der ausgezeichneten August-Emmerich-Reihe von Alex Beer, auch bekannt als Daniela Larcher, vor. Unter ihrem Pseudonym erscheint die im Wien der Nachkriegsjahre spielende Emmerich-Reihe und wie schon bei den beiden Vorgängern gelingt es der Autorin höchst gekonnt, ihre Leser in die damalige Zeit zu entführen. Ein packender Kriminalfall, hier eine brutale Mordserie, wird gekonnt kombiniert mit dem Privatleben des Protagonisten und den Umständen der damaligen Zeit.

Wobei das Privatleben von August Emmerich weitestgehend darin besteht, dass er versucht, seine geliebte Luise zu finden. Er müsste sich von seinem jüngeren Kollegen helfen lassen, doch will er diesen nicht in Gefahr bringen. Schließlich weiß Emmerich, zu welchen Taten Xaver Koch in der Lage ist. Dieser träumt derweil mit einigen Helfern von der Eroberung Wiens, zumindest will er mit Hilfe einer großen Waffenlieferung der König der Unterwelt werden. Hier hat jedoch auch Veit Kolja ein gewichtiges Wort mitzureden, dem Emmerich bereits mehr als einen Gefallen schuldet. 

„In Freibanken wird minderwertiges Fleisch billig verkauft. Oft ist es mit Wurmlarven befallen oder stammt von verseuchten Tieren.“

„Das ist nicht Ihr Ernst, oder?“

„Mein voller Ernst. Vor dem Verkauf wird zwar alles sterilisiert, trotzdem …“

„Was sind das nur für Zeiten. Die Menschen essen verdorbenes Fleisch und in der Stadt treibt der Teufel sein Unwesen.“

Im November 1920 sind die Temperaturen konstant unter null Grad; die Menschen frieren, manche erfrieren und hungern tun sie ohnehin. Jedenfalls die meisten, sofern sie nicht in der Unterwelt aktiv oder in Jugendgangs, welche die Stadt terrorisieren, engagiert sind. Mit der Verunsicherung und der Not der Menschen kann man reich werden, in Zeiten der Inflation vor allem mit Geldschmuggel, denn internationale Devisen sind heiß begehrt.

Auf fruchtbaren Boden fallen zudem Beschuldigungen politischer Art, denn das millionenfache Sterben haben die meisten noch nicht überwunden. Die unbesiegte Armee, die im Feld nie geschlagen wurde, dieser Slogan zieht noch immer und da ja irgendwer den Schlamassel verbockt haben muss, verbreitet sich der Antisemitismus rasant. Derweil müssen junge Mädchen sehen, wie sie über die Runden kommen, ohne in die Straßenprostitution abzudriften.

All diese Gemengelagen führen zu den Orten, die Emmerich und Winter auf der Suche nach dem gefährlichen Serienmörder aufsuchen müssen. Vor allem der junge Winter erfährt dabei für ihn völlig neue Aspekte in die Abseitigkeiten des Lebens. Am Ende wartet - neben einem großen und unerwarteten Knall - erneut ein gewaltiger Cliffhanger. Auch wenn sich einiges aufgeklärt hat, ein vierter Band muss folgen.

Fazit:

Wer die Serie um August Emmerich kennt, wird hier ein weiteres Mal auf große Krimikost stoßen. Die Kombination aus Krimiplot und Einblicke in die „damalige Zeit“, das Elend und die Not der Nachkriegsjahre und die damit verbundenen gesellschaftlichen Verwerfungen, sind trotz oder gerade wegen ihrer Tragik packend zu lesen. Auch ohne Vorkenntnisse der beiden ersten Romane kann man bedenkenlos einsteigen.

Der dunkle Bote

Der dunkle Bote

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Letzte Kommentare:
30.07.2019 14:39:51
Ingelinde

Ich habe alle drei Teile hintereinander weggelesen! Einfach großartige Krimis, die keine Minute langatmig sind. Der Fall, die handelnden Personen und nicht zu vergessen die düstere Athmosphäre Wiens in den 1920er Jahren. Das 3. Buch endet mit den Worten " die Geschichte ist noch nicht vorbei ".
Ich freue mich auf die nächste!