Die rote Frau

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • München: Random House Audio, 2018, Seiten: 6, Übersetzt: Cornelius Obonya

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Jörg Kijanski
August Emmerich genießt schon jetzt Kultstatus

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2018

Wien, März 1920. Rayoninspektor August Emmerich und sein Mitarbeiter Ferdinand Winter schieben ordentlich Frust. Sie wollen in der Abteilung "Leib und Leben", einer Spezialeinheit für Mord und schwere Delikte, auf Verbrecherjagd gehen, doch ihr neuer Abteilungsleiter, Oberinspektor Albrecht Gonska, lässt sie nur Hilfsarbeiten verrichten. Protokolle abtippen statt ermitteln, während die Kollegen unter Leitung des aufgeblasenen Revierinspektors Peter Brühl den Mord am beliebten Stadtrat Fürst untersuchen.

Emmerich hat eine Kriegsverletzung am Bein (Granatsplitter), Winters Arm ist lädiert - und so gilt das Duo als Krüppel-Brigade. Dieser winkt nun doch ein neuer Fall, die Schauspielerin Rita Haidrich fühlt sich bedroht, nachdem eine Frau ihren neuen Film mit einem Fluch belegt hat.

"Als wir mit den Dreharbeiten begonnen haben, ist eine unheimliche Frau im Atelier aufgetaucht. Sie hat den Film verflucht. Seither ereignet sich eine Katastrophe nach der nächsten. Unfälle geschehen, Menschen werden krank ... Das muss aufhören. Am Mittwoch wird die große Schlussszene inszeniert, und am Donnerstag richte ich einen wichtigen Ball aus. Da darf auf keinen Fall etwas passieren."
"Und was soll ich ihrer Meinung nach tun? Ich bin Kriminalbeamter, kein Exorzist."

Emmerich wittert seine Chance. Wenn er den Fluch besiegt, dann sollen er und Winter am Fall Fürst mitarbeiten dürfen. Gonska ist einverstanden, Emmerich entdeckt schnell das simple Geheimnis des Fluches, doch der verhasste Brühl macht ihm einen Strich durch die Rechnung. Dieser hat nämlich bereits den Mörder von Fürst verhaftet. Ausgerechnet Peppi, ein mehr als bemitleidenswerter Kriegsversehrter.

"Bis die endlich draufkommen, dass er's ned war - sofern's überhaupf draufkommen - is' der doch längst krepiert. Der überlebt im Häfn ka Woch'n, aber das is' der Kieberei wurscht. Sobald der Peppi tot is', is' der Fall für die Oaschlecha erledigt."

Emmerich, der aufgrund einer privaten Notlage selbst im Obdachlosenasyl lebt, kennt Peppi. Er weiß, dass dieser niemals der gesuchte Mörder sein kann, zumal Stadtrat Fürst sein wichtigster Gönner war. Er stellt Gonska zur Rede und dieser willigt überraschend ein, dass Emmerich und Winter auf eigene Faust ermitteln.

Allerdings nur inoffiziell. Drei Tage haben die beiden Polizisten Zeit, dann ist Gonska von einem Kongress zurück und will Ergebnisse sehen. Die Zeit drängt, denn Peppi wird bereits von anderen Häftlingen bedroht...

Kongeniale Fortsetzung von "Der zweite Reiter"

Alex "Daniela Larcher" Beer hat mit "Die rote Frau" einen kongeniale Fortsetzung ihres inzwischen preisgekrönten Romans "Der zweite Reiter" abgeliefert. Der neue Fall um den ermordeten Stadtrat führt die beiden ungleichen Ermittler (Emmerich ein Waisenkind, Winter von adeliger Herkunft) in die Wiener Unterwelt, das Nachtleben, die Clubs und die Prater. Essen, trinken und vergnügen, das geht immer und sei die Lage noch so schlecht.

Und ja, die Lage ist noch immer beschissen. Streng rationalisierte Lebensmittel, kaum Kleidung und abends ersetzen stinkende Karbidlampen die Elektrizität. Irgendwo muss die Stadt ja sparen. Doch trotz aller Armut mit der auch Emmerich zu kämpfen hat, nachdem er seine große Liebe Luise kopfüber verlassen musste - ihr als gefallen vermerkter Mann Xaver kehrte aus dem Krieg zurück - gibt es viele Menschen, denen es noch elender geht.

Die Zustände im Obdachlosenheim, wo Emmerich ein Notquartier hat, sind schon abstoßend, andere Lebensverhältnisse schlicht unvorstellbar. Alex Beer legt sie schonungslos offen und konterkariert sie mit der Reizüberflutung der Filmbranche. Sekt, Champagner, aber auch Fleisch; alles im Überfluss. Überbordende Dekadenz vor und hinter den Kulissen.

"Die Ermordung des Thronfolgers, die Kriegsniederlage und der Zerfall der Monarchie, die Spanische Grippe, der Hungerwinter und die kommunistischen Stürme von Budapest und München. Wen scherte es? Wien tanzte noch immer und würde es auch weiterhin tun, selbst wenn der Rest der Welt in Schutt und Asche lag."

Die Auswirkungen nach Kriegsende sind allgegenwärtig und ihre expliziten Darstellungen sind ein großer Bestandteil des Romanerfolgs. Der zweite, wichtige Faktor ist der stets missmutige Protagonist, der die Anstandsregeln der besseren Gesellschaft schlicht verachtet. Diese haben für ihn keinen Sinn, dienen lediglich der Abgrenzung vom Rest der Gesellschaft.

Um deren Bodensatz geht es letztlich. Will man den Ärmsten, den Invaliden, den Kriegszitterern helfen - oder setzt man auf eine natürlich Auslese, damit die Gesellschaft neu erstarken kann? Bis zur Beantwortung dieser Frage gibt es viele böse Worte und Kommentare (nicht nur) von Emmerich, der sich und seinen jungen Partner Winter mehr als einmal in Gefahr bringt.

Wer sich für die Epoche der Weltkriege, vor allem deren soziale und gesellschaftliche Auswirkungen interessiert, der ist bei Alex Beer richtig. Mit einem zwinkernden Auge betrachtet, ist vielleicht der schönste Satz des Buches auch der Letzte: "Diese Geschichte war noch nicht zu Ende."

Die rote Frau

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Letzte Kommentare:
31.07.2018 00:00:27
stefan-scherer@bluewin.chREGEN

Ein Krimi in holprigem Stil, sehr einfach gestrickter Beschreibung einer zeitweise abenteuerlichen Geschichte (Gab's die "Ausmerzer" tatsächlich?) Wie sowas geht liest sich Welten besser in "Schwere Knochen". Nämlich richtig boshaft und gekonnt abgründig. Wiener Schmäh eben!Schade, hört man vom Brenner nix mehr.stefan-scherer

08.07.2018 18:18:48
clary999

»Wien war eine Weltstadt – schon immer hatte es hier unzählige Delikte gegeben, doch seit dem Krieg war ihre Zahl sprunghaft gestiegen. Die Bevölkerung war verroht, Hunger und Not forderten ihren Tribut.«
Zitat aus dem Buch, Seite 139

Zum Inhalt: Wien, im März 1920. Rayonsinspektor August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter sind jetzt in der Abteilung »Leib und Leben«. Ihre Freude darüber ist allerdings schnell gesunken. Die anderen Kollegen der Mordkommission missachten die beiden neuen Polizisten. Nennen sie verächtlich »Krüppelbrigade«. Der allseits beliebte Stadtrat Richard Fürst wurde ermordet. Emmerich und Winter werden von den Ermittlungen ausgeschlossen. Sie müssen sich mit der sonderbaren Anzeige einer berühmten Schauspielerin befassen. Schon bald wird ein Verdächtiger im Mordfall Fürst verhaftet, aber Emmerich glaubt nicht an seine Schuld und ermittelt mit Winter im Hintergrund. Von seinem Vorgesetzten bekommt er dafür, wenn auch widerwillig, 72 Stunden….

»Der Krieg hatte sich tief in das Stadtbild eingebrannt. Schrecklich zugerichtete Invaliden, Witwen in Trauerkleidung, rachitische und tuberkulöse Kinder. Stadtrat Fürst hatte stets versucht die Not dieser Menschen einfach und unbürokratisch zu lindern. Wer würde jemand wie ihn ermorden? Und vor allem: Aus welchen Grund? «
Zitat aus dem Buch, Seite 138

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Alex Beer ist fließend und mitziehend. Man fühlt sich in diese Zeit hineinversetzt. Es ist ein kalter März und überall herrschen Not, Hunger, Armut und Krankheiten. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die reiche Oberschicht vergnügt sich in Tanzlokalen und Theater. Die Filmindustrie hat einen Höhepunkt in den Zwanzigern.

August Emmerich und Ferdinand Winter sind mir schon aus dem ersten Band vertraut und sympathisch. Emmerich ist ein Kriegsversehrter. Der Granatsplitter in seinem Bein bereitet ihm oft Schmerzen. Winter ist erst seit kurzem der Assistent von Emmerich. Nach anfänglichen Misstrauen und ihrem ersten gemeinsamen Kriminalfall haben sich die beiden mittlerweile zu einem guten Team entwickelt. Emmerich ist erfahren und stur. Seine Vergangenheit hat ihn geprägt. Er bedient sich hin und wieder unkonventionellen Methoden. Winter ist zwar noch unerfahren, aber wissbegierig und zuverlässig.

Bei der Suche nach dem Mörder des Politiker Fürst verfolgen Emmerich und Winter verschiedene Spuren, die mitunter im Sande verlaufen, aber die Erkenntnis daraus, sind manchmal dennoch hilfreich. Das Mordmotiv? Persönlich oder politisch? Ein weiterer Mord geschieht. Gibt es eine Verbindung? Was Emmerich und Winter herausfinden ist schockierend! …

Der Handlungsverlauf ist spannend und abwechslungsreich! Gleichzeitig bekommt man einen beeindruckenden Einblick in die Lebensumstände der armen und reichen Bevölkerung, sowie über politische, wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse. Die einzelnen Personen sind authentisch und überzeugend dargestellt. Waisenkinder, Zigeuner, Kriegsveteranen, Politiker, Polizisten, Kleinkriminelle u.v.m..
Der trockene Humor, Sarkasmus und einige Gespräche im Wiener Dialekt (auch für deutsche Leser verständlich ;)), die zwischendurch auftauchen, haben mich ebenfalls sehr gut unterhalten.

Faszinierend und wissenswert sind historische Fakten über die Nachkriegszeit in die Geschichte eingebunden! Manche Details waren mir noch nicht bekannt!

Ich bin schon gespannt auf den nächsten Band! Das Buch kann allerdings auch einzeln gelesen werden, weil der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist.

Ein spannender historischer Krimi mit viel Interessantem aus den frühen Zwanzigern in Wien!

Sehr lesenswert!
5 Sterne

»Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. - Platon«
Zitat aus dem Buch, Seite 5

(Empfehlenswert finde ich auch den ersten Band! »Der zweite Reiter« von Alex Beer)

12.06.2018 17:03:09
clary999

»Wien war eine Weltstadt – schon immer hatte es hier unzählige Delikte gegeben, doch seit dem Krieg war ihre Zahl sprunghaft gestiegen. Die Bevölkerung war verroht, Hunger und Not forderten ihren Tribut.«
Zitat aus dem Buch, Seite 139

Zum Inhalt: Wien, im März 1920. Rayonsinspektor August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter sind jetzt in der Abteilung »Leib und Leben«. Ihre Freude darüber ist allerdings schnell gesunken. Die anderen Kollegen der Mordkommission missachten die beiden neuen Polizisten. Nennen sie verächtlich »Krüppelbrigade«. Der allseits beliebte Stadtrat Richard Fürst wurde ermordet. Emmerich und Wagner werden von den Ermittlungen ausgeschlossen. Sie müssen sich mit der sonderbaren Anzeige einer berühmten Schauspielerin befassen. Schon bald wird ein Verdächtiger im Mordfall Fürst verhaftet, aber Emmerich glaubt nicht an seine Schuld und ermittelt mit Wagner im Hintergrund. Von seinem Vorgesetzten bekommt er dafür, wenn auch widerwillig, 72 Stunden….

»Der Krieg hatte sich tief in das Stadtbild eingebrannt. Schrecklich zugerichtete Invaliden, Witwen in Trauerkleidung, rachitische und tuberkulöse Kinder. Stadtrat Fürst hatte stets versucht die Not dieser Menschen einfach und unbürokratisch zu lindern. Wer würde jemand wie ihn ermorden? Und vor allem: Aus welchen Grund? «
Zitat aus dem Buch, Seite 138

Meine Meinung: Der Schreibstil der Autorin Alex Beer ist fließend und mitziehend. Man fühlt sich in diese Zeit hineinversetzt. Es ist ein kalter März und überall herrschen Not, Hunger, Armut und Krankheiten. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch. Die reiche Oberschicht vergnügt sich in Tanzlokalen und Theater. Die Filmindustrie hat einen Höhepunkt in den Zwanzigern.

August Emmerich und Ferdinand Winter sind mir schon aus dem ersten Band vertraut und sympathisch. Emmerich ist ein Kriegsversehrter. Der Granatsplitter in seinem Bein bereitet ihm oft Schmerzen. Wagner ist erst seit kurzem der Assistent von Emmerich. Nach anfänglichen Misstrauen und ihrem ersten gemeinsamen Kriminalfall haben sich die beiden mittlerweile zu einem guten Team entwickelt. Emmerich ist erfahren und stur. Seine Vergangenheit hat ihn geprägt. Er bedient sich hin und wieder unkonventionellen Methoden. Wagner ist zwar noch unerfahren, aber wissbegierig und zuverlässig.

Bei der Suche nach dem Mörder des Politiker Fürst verfolgen Emmerich und Wagner verschiedene Spuren, die mitunter im Sande verlaufen, aber die Erkenntnis daraus, sind manchmal dennoch hilfreich. Das Mordmotiv? Persönlich oder politisch? Ein weiterer Mord geschieht. Gibt es eine Verbindung? Was Emmerich und Wagner herausfinden ist schockierend! …

Der Handlungsverlauf ist spannend und abwechslungsreich! Gleichzeitig bekommt man einen beeindruckenden Einblick in die Lebensumstände der armen und reichen Bevölkerung, sowie über politische, wirtschaftliche und kulturelle Verhältnisse. Die einzelnen Personen sind authentisch und überzeugend dargestellt. Waisenkinder, Zigeuner, Kriegsveteranen, Politiker, Polizisten, Kleinkriminelle u.v.m..

Der trockene Humor, Sarkasmus und einige Gespräche im Wiener Dialekt (auch für deutsche Leser verständlich ;)), die zwischendurch auftauchen, haben mich ebenfalls sehr gut unterhalten.

Faszinierend und wissenswert sind historische Fakten über die Nachkriegszeit in die Geschichte eingebunden! Manche Details waren mir noch nicht bekannt!

Ich bin schon gespannt auf den nächsten Band! Das Buch kann allerdings auch einzeln gelesen werden, weil der Kriminalfall in sich abgeschlossen ist.

Ein spannender historischer Krimi mit viel Interessantem aus den frühen Zwanzigern in Wien!

Sehr lesenswert!
5 Sterne

»Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen. - Platon«
Zitat aus dem Buch, Seite 5

Empfehlenswert finde ich auch den ersten Band!
»Der zweite Reiter« von Alex Beer

10.06.2018 17:27:45
leseratte1310

Wien gibt nach dem 1. Weltkrieg ein elendes Bild ab. Die Not ist allerorts zu spüren, aber es gibt auch Menschen, denen es so gut geht wie vor dem Krieg. Dann wird der beliebte Stadtrat Richard Fürst ermordet und die Abteilung „Leib und Leben“ unter der Leitung von Brühl hat schnell einen Schuldigen ausgemacht und ins Gefängnis gesteckt. Unterdessen müssen sich Kriminalinspektor August Emmerich und sein Assistent Winter mit Schreibarbeiten und mit einem Fluch bei einem Filmprojekt beschäftigen. Doch Emmerich wird in seiner Unterkunft darauf aufmerksam gemacht, dass der inhaftierte Peppi es nicht gewesen sein kann. Daher beginnt er mit eigenen Ermittlungen und wird dabei von seinem Assistenten Winter unterstützt, was natürlich den Unmut seines Vorgesetzten hervorruft. Ihm bleibt nicht viel Zeit, diesen Fall aufzuklären.
Dies ist nach „Der zweite Reiter“ der zweite Band um den Kriminalinspektor August Emmerich.
Da Emmerich den letzten Fall so vorbildlich gelöst hat, wurden er und Winter endlich in die Abteilung „Leib und Leben“ übernommen. Doch was die beiden dort erledigen sollen, schmeckt Emmerich überhaupt nicht, denn er ist ein Kriminalinspektor und will richtige Polizeiarbeit leisten. Aber er macht sich bei Vorgesetzten und Kollegen nicht gerade beliebt mit seiner Halsstarrigkeit. Um zum Ziel zu kommen, schiebt er oft auch die Regeln beiseite und ermittelt risikoreich nach seinem Gefühl. Auch wenn er kriegsversehrt ist, so nimmt er bei seinen Recherchen auf seine Beschwerden wenig Rücksicht. Er ist ein guter Ermittler, der beharrlich sein Ziel verfolgt und auch auf sein Bauchgefühl hört. Bei diesem Fall stößt er aber nicht nur seine Vorgesetzten vor den Kopf, sondern auch eine ganze Reihe von angesehenen Bürgern aus dem Umfeld von Fürst.
Winter kommt aus so gänzlich anderen Verhältnissen als Emmerich. Er ist vorsichtig und hat oft Bedenken, wenn Emmerich vorprescht. Aber er ist eine treue Seele und unterstützt Emmerich immer, was manchmal ganz schön brenzlig werden kann. Als Team sind die beiden unschlagbar.
Es sind Ermittlungen der kleinen Schritte und obwohl viele Hinweise in eine Sackgasse führen, kommen Emmerich und Winter doch langsam voran. Aber die Zeit drängt.
Nebenher erfährt man historische Fakten und viel über das Leben der Menschen in Wien. Ich bin mit Emmerich durch Wien gelaufen und habe viele Örtlichkeiten gleich wieder vor Augen gehabt. Dass einige der Charaktere auch Dialekt (wirklich nur wenig) gesprochen haben, sorgt dafür, dass es sehr authentisch war.
Dieser historische Krimi ist informativ, unterhaltsam und sehr spannend. Ich kann das Buch nur empfehlen und freue mich schon auf den nächsten Fall mit Kriminalinspektor August Emmerich und seinem Assistenten Winter.

04.06.2018 20:54:00
elke17

Wien nach dem Ersten Weltkrieg, wir schreiben das Jahr 1920, zehn Tage im März. Der Mangel ist allgegenwärtig. Hunger und unzureichende medizinische Versorgung bestimmen den Alltag. Es gibt kaum Arbeit, und wer welche hat, ist auch bestrebt, diese zu behalten. Speziell die Kriegsheimkehrer, die buchstäblich vor dem Nichts stehen. Die Lebensumstände der Kriegsgewinnler und des einfachen Volkes könnten nicht unterschiedlicher sein. Die einen leben im Luxus und dinieren unter Kronleuchtern von bestem Porzellan, die anderen sind froh um einen Schlafplatz im Männerwohnheim und stehen in den Schlangen der Armenspeisung für einen Teller Wassersuppe an. Golden Twenties? In keinster Weise. Nein, für die meisten geht es ums nackte Überleben, Moral wird klein geschrieben, Raub, Mord und Totschlag gehören zum Alltag, das Verbrechen blüht.

Der kriegsversehrte Rayonsinspektor August Emmerich ist mit seinem Assistenten Ferdinand Winter, beide dem Leser bereits aus dem Vorgängerband „Der zweite Reiter“ bekannt, endlich in die Abteilung „Leib und Leben“ versetzt worden. Doch vom Lösen spektakulärer Mordfälle sind die beiden meilenweit entfernt. „Krüppelbrigade“ werden sie despektierlich genannt und in eine Abstellkammer verbannt, wo sie ihre Tage mit dem Abtippen von Berichten verbringen.

Emmerich ist ein äußerst sympathischer Protagonist, der zwar manchmal mit seinem Schicksal hadert, aber doch immer bemüht ist, aus seiner Situation das Beste zu machen. Er gibt nicht auf sondern beißt sich durch, ganz gleich wie viele Steine man ihm in den Weg legt. Und davon hat das Leben für ihn mit Sicherheit noch jede Menge in petto.

Nur seinem Insistieren ist es zu verdanken, dass man ihn und seinen Assistenten mit einem kleinen Fall betraut. Eine Schauspielerin fürchtet um ihr Leben, da am Set ihres Films immer wieder unerklärliche Dinge geschehen. Die Erklärung dafür ist schnell gefunden, aber dann wird ein Stadtrat ermordet aufgefunden, der sich, wie sie auch, in einer karitativen Organisation engagiert hat, die sich um Kriegsheimkehrer kümmert. Emmerichs Schnüfflerinstinkt erwacht und begibt er sich mit seinem Assistenten auf die Suche nach dem Mörder. Wer hätte ahnen können, dass sie dabei in ein Wespennest stechen und ihr eigenes Leben in Gefahr bringen würden…

Einmal mehr gelingt es der Autorin Alex Beer das Nachkriegswien mit all seinen Facetten anschaulich zum Leben zu erwecken. „Die rote Frau“ ist ein höchst spannender historischer Kriminalroman, gespickt mit einer Unmenge Details, nicht nur zum Alltagsleben sondern auch zur politischen Situation der damaligen Zeit, was von einer eingehenden Recherche zeugt. Der Kriminalfall an sich ist kompliziert, verästelt, entwickelt sich aber ohne Längen logisch und nachvollziehbar.

Wenn ich einen historischen Kriminalroman lese, möchte ich nicht nur spannend unterhalten werden, sondern auch verbürgte Informationen zu der Zeit und dem Umfeld erhalten, in dem sich die Handlung abspielt. Das ist Alex Beer mit ihrem neuen Fall für Emmerich und Winter gelungen. Von daher – volle Punktzahl!