Der Rat der Gerechten

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

Aus dem Polnischen von Saskia Herklotz, Andreas Volk
Originaltitel: Okularnik
Originalverlag: Muza

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Birgit Borloni
Spannend, anstrengend und anders

Buch-Rezension von Birgit Borloni Mai 2019

Katarzyna Bonda zählt zu den beliebtesten und bekanntesten Krimi-Autorinnen Polens und hat dort bereits einige Bücher veröffentlich. Neben zwei Krimi-Reihen, einmal um den Profiler Hubert Meyer, und einmal um die Profilerin Sasza Załuska, hat sie auch einen Schreibratgeber sowie zwei „True-Crime“ Bücher veröffentlicht. Insbesondere die vier Bände um Sasza Załuska sind ein riesiger Erfolg und teilweise in mehrere Sprachen übersetzt, darunter neben Englisch und Deutsch auch Italienisch, Niederländisch, Russisch und Tschechisch.

Nach „Das Mädchen aus dem Norden“ ist nun auch der zweite Teil der Serie, „Der Rat der Gerechten“, auf Deutsch erhältlich. Um es gleich vorwegzunehmen: Eine Inhaltsangabe zu verfassen ist extrem schwierig, und der Klappentext wird dem Buch nicht annähernd gerecht. Der klingt recht einfach: Iwona, eine junge polnische Frau aus ärmlichen Verhältnissen heiratet Piotr Bondaruk, einen reichen Weißrussen und Besitzer des örtlichen Sägewerks. Verdächtig ist, dass bereits frühere Partnerinnen Bondaruks verschwunden sind.

Sasza Załuska, eine Profilerin, wird in die Ermittlungen eingebunden und stößt bei ihren Recherchen auf ein jahrzehntealtes Verbrechen, das Auswirkungen bis heute hat. Doch das ist nur einer der Handlungsstränge, es gibt noch einige mehr: Da ist die Geschichte um Sasza Załuska selbst, die es auf der Suche nach ihrem Ex-Geliebten - und Vater ihrer Tochter - in die kleine Stadt Hainówka verschlägt, und die eher zufällig in die Ermittlungen rutscht.

Pikant an der Sache ist dabei, dass ihr Ex-Lover verdächtig ist, ein psychopathischer Serienmörder zu sein. Des Weiteren geht es um die Rivalitäten zwischen der polnischen und der weißrussischen Bevölkerung, um weitere verschwundene Personen, mysteriöse Vorgänge in der ansässigen psychiatrischen Klinik und letztendlich um das Pogrom, das die „verfemten Soldaten“ nach Ende des zweiten Weltkriegs an der weißrussischen, orthodoxen Bevölkerung verübten. Klingt komplex? Ist es auch. Diese Komplexität ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Buches.

Überraschende Wendungen garantieren Spannung

Der Roman beginnt mit einem verwirrenden Prolog - zumindest für Leser, die den ersten Band nicht kennen, denn dort dürfte man bereits einiges zu Załuskas Vorgeschichte erfahren haben. Damit wird auch deutlich, dass Bonda ihre Geschichte sichtlich über mehrere Bände angelegt hat und es in diesem Fall definitiv empfehlenswert ist, auch den ersten Teil bereits zu kennen.

Andererseits kann man sich den Großteil durch aufmerksames Lesen einigermaßen zusammenreimen, vor allem, da die ersten 200 Seiten hauptsächlich der Profilerin und ihrer Suche gewidmet sind. Nebenbei lernt man weitere Akteure der Geschichte kennen, die junge Braut, ihren ehemaligen und ihren jetzigen Verlobten und noch einige der wichtigen Leute des Ortes und ihre Beziehungen zueinander. Als dann schließlich die Braut entführt wird und die Erzählung zum ersten Mal in die Vergangenheit kurz nach Kriegsende springt, steigt die Spannung rasant an und bleibt auf diesem Niveau auch erhalten.

Katarzyna Bonda versteht es meisterhaft, der Geschichte immer neue, überraschende Wendungen zu geben und eine tief gehende Verstrickung zwischen den einzelnen Handlungssträngen zu erschaffen, die einen voller Interesse immer weiter lesen lassen. Allerdings ist es nicht immer leicht, den Überblick über die handelnden Figuren, ihre Motive, Taten und Beweggründe sowie über die einzelnen Handlungsstränge und ihren Zusammenhang den Überblick zu behalten.

Immer wieder einmal muss man innehalten, zurückblättern und sich noch einmal ins Gedächtnis rufen, wie das nun alles genau war. Erschwerend kommt die Vielzahl an handelnden Personen und ihre für deutsche Leser ungewohnten Namen hinzu. Manchmal werden die Figuren beim Vor-, dann wieder beim Nachnamen genannt - und etliche besitzen auch noch Spitznamen. Dankenswerter Weise haben die Übersetzer der deutschen Ausgabe ein Personenverzeichnis mit Angaben zu den Beziehungen, in denen die Charaktere stehen, vorangestellt. Ohne dieses wäre wohl so mancher Leser rettungslos verloren.

Aufarbeitung wenig bekannter polnischer Geschichte

Besonders interessant ist die Geschichte der „verfemten Soldaten“, mehrerer im Untergrund agierender Partisanengruppen, bestehend aus ehemaligen Soldaten, die nach dem zweiten Weltkrieg gegen das kommunistische Regime der Sowjetunion kämpften. Allerdings beginnen sie dabei auch nationalistisch motivierte, unsagbar grausame Verbrechen an der weißrussischen Zivilbevölkerung. Hier sei allen Lesern eine zumindest kurze, weiterführende Recherche im Internet empfohlen, denn diese Thematik ist bei uns weitgehend unbekannt, und so bleiben doch ein paar Fragen während der Lektüre offen. Doch wie die Autorin in einem Gespräch selbst sagte, ist „Der Rat der Gerechten“ in erster Linie ein Buch für polnische Leser und geht somit von entsprechendem Geschichtswissen aus.

Die ganzen Handlungsstränge münden letztendlich in einem furiosen Finale, in dem die letzten Fragen geklärt werden sollen, dass aber ins Abstruse abgleitet. Es gibt zwar reale Hintergründe für das Geschehen, aber gerade die medizinischen Sachverhalte sind stark übertrieben, teilweise sogar völlig unmöglich dargestellt. Das Ende kommt dann sehr überraschend und zielt, was Sasza Załuska angeht, sehr deutlich auf die weiteren Bände ab. Zudem lässt es den Leser mit dem leichten Gefühl der Unsicherheit zurück, ob denn nun wirklich alle während der Lektüre aufgetretenen losen Fäden letztendlich auch verknüpft wurden.

Fazit:

„Der Rat der Gerechten“ ist ein spannendes, sehr komplexes Buch, dass einige in Deutschland unbekannte Themen aufgreift. Es ist eine Geschichte, die man sich erarbeiten muss, bei der man stets aufmerksam und konzentriert lesen und am Ball bleiben muss. Die Vielzahl der ungewohnten polnischen Namen und das unterschiedliche Vorwissen polnischer und deutscher Leser erschwert die Lektüre zusätzlich. Trotzdem eine ausgesprochen lohnende Lektüre, die sich vom sonstigen Krimi-Allerlei deutlich abhebt.

Der Rat der Gerechten

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