Der Mongole - Das Grab in der Steppe

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

- Übersetzung: Wolfgang Seidel

- Kommissar Yeruldelgger ermittelt (1)

- Originaltitel: "Yeruldelgger"

- Taschenbuch

- 640 Seiten

Couch-Wertung:

65°
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Jörg Kijanski
Actionreicher hard-boiled vor ungewohnter Kulisse.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2019

Der Tag hätte für Kommissar Yeruldellger kaum schlimmer sein können. Zunächst findet man drei Leichen von massakrierten Chinesen in einer Ziegelei in Ulaanbaatar, nur wenige Stunden später muss er in die Steppe der Provinz Chentii-Aimag, wo Kinder einer Nomadenfamilie beim Spielen eine Kinderleiche entdeckt haben. Kurz darauf gibt es einen dritten Tatort. Zwei mongolische Frauen, offenbar Prostituierte, wurden mit Kopfschüssen hingerichtet. Yeruldellger übernimmt die Ermittlungen und stellt bald fest, dass die drei Fälle womöglich miteinander verbunden sind und dass der Feind nicht nur ein großmäuliger Möchtegern-Nazi ist, der sich Adolf nennt, sondern auch in den eigenen Reihen zu suchen ist. Auch seine Familientragödie holt Yeruldellger wieder ein …

Traditionen, Geister und Traumdeutungen sind wichtig

Ian Manook führt den Leser in seinem Thriller „Der Mongole – Das Grab in der Steppe“ an einen höchst ungewöhnlichen Schauplatz. Das ist auch gleichzeitig schon das Besondere an diesem über 600 Seiten dicken Plot, der das Buch aus der Masse der Neuerscheinungen hervorhebt. Viel erfährt man über das Land mit seinen großen Weiten der Steppe, seinen alten Traditionen, seine Geschichte und seine Nachbarn, wobei die Nachbarn aus Korea und insbesondere aus China nicht unbedingt willkommen sind. Getrunken wird heißer Buttertee, gegessen wird Chuuschuur (gefüllte Teigtaschen, beispielsweise mit Hammelfleisch) oder das Nationalgericht Boodog, welches meist aus Murmeltieren zubereitet wird.

„Es kommt mir vor, als wärst du ein bisschen überfordert.“

„Nein, durchaus nicht. Sie können ganz beruhigt sein, ich habe alles im Griff.“

„Man hat dir deinen Dienstausweis abgenommen, man hat dir deine Dienstwaffe abgenommen, du hast Zeugen misshandelt, die chinesische Botschaft verlangt, dass du abgezogen wirst, du hast auf einen Zivilisten geschossen: Willst du ernsthaft behaupten, das alles glattläuft?“

Ebenso ungewohnt wie die Speisen sind auch die Namen der mitwirkenden Figuren, wobei man diese leicht auseinanderhalten kann, so dass es diesbezüglich keine Verständnisschwierigkeiten gibt. Neben der Tradition sind in der Mongolei auch Träume und deren Deutung wichtig und so darf es nicht verwundern, dass Yeruldellger in seinen Träumen von den aktuellen Fällen heimgesucht wird und die Traumfiguren somit (nur noch) mit der Realität in Einklang bringen muss.

Welche Traumfigur steht für welche reale Person? Viel Zeit zum Nachdenken hat der Kommissar nicht, denn seine gefährlichsten Gegner sind seine eigenen Kollegen, die nicht weniger korrupt und vor allem gefährlich sind als die vermeintlichen Mörder, die es zu fangen gilt. Hinzu kommt noch der geheimnisvolle Mann, der im Hintergrund die Fäden zieht, wobei dessen Identität nach der Hälfte des Buches jedem Leser klar ist.

„Diese entsetzliche Barbarei ist das Werk ausgesprochener Dummköpfe, die keine Ahnung haben und alles durcheinanderbringen. Und das, was all diese Dinge verbindet, die chinesischen „Besatzer“, die geschorenen Mongolinnen und den Judenstern, ist die Nazi-Ideologie. Dieser primitive, halbgare mongolische Nazi-Quark. Dieser extrem fremdenfeindliche Nationalismus, der sich seit geraumer Zeit in Ulaanbaatar breitmacht. Das hier ist auf keinen Fall ein Verbrechen mit irgendeinem satanischen Hintergrund, auch wenn mir das fast lieber gewesen wäre. Es handelt sich schlicht und ergreifend um ein rassistisch und politisch motiviertes Verbrechen. Und das macht mir wirklich Angst, weil ich nicht weiß, wie du dem Einhalt gebieten willst.“

Neben den eingangs geschilderten Mordfällen führt eine heiße Spur in Yeruldellgers eigene Vergangenheit beziehungsweise seine Familie, die nach einer Tragödie auseinanderbrach. Seine jüngste Tochter Kushi kam vor einigen Jahren ums Leben, wofür seine Frau Yeruldellger die Schuld gab und ihn verließ bevor sie in ihre eigene Gedankenwelt abdriftete.

Auch seine ältere Tochter Saraa verachtet ihren Vater und lehnt jeden Kontakt zu ihm ab. Dementsprechend düster ist die Stimmungslage bei Yeruldellger, der lediglich zu einer platonischen Liebe zu der Gerichtsmedizinerin Solongo fähig scheint. Dementsprechend jähzornig und brutal geht Yeruldellger seine Arbeit an. Ein sturer Dickschädel, dem selbst sein Chef nicht im Wege stehen sollte. Selbstjustiz inklusive.

Fazit:

„Der Mongole“ ist ein actionreicher und brutaler Thriller, der sich in erster Linie durch seine besonderen Schauplätze (die Hauptstadt Ulaanbaatar und die Steppe) sowie die Traditionen und Bräuche des Landes positiv auszeichnet. Ansonsten bietet der Plot viel Gewalt, Testosteron, korrupte Polizisten und (nicht zuletzt) einige Wiederholungen, wobei die teils hirnlose Gewalt nicht über einige inhaltliche Schwächen hinwegzutäuschen vermag. Fans hartgesottener Spannung wird es egal sein, sie sind hier richtig.

Der Mongole - Das Grab in der Steppe

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