Spanischer Totentanz

Erschienen: März 2019

Bibliographische Angaben

  • München: Droemer, 2019, Seiten: 320, Originalsprache

Couch-Wertung:

85°
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Birgit Stöckel
Gelungener Krimi mit viel Humor, Charme und Spannung

Buch-Rezension von Birgit Stöckel Jun 2019

Es ist selten, dass die Werbetexte oder Lobreden auf der Rückseite eines Buchs auch wirklich zutreffen. Bei „Spanischer Totentanz“ findet man folgendes: „Ein atmosphärischer Barcelona-Krimi, der mit einem ausgetüftelten Kriminalfall, Humor, Charme und viel  Lokalkolorit punktet.“ Nach der Lektüre kann ich diesen Worten nur voll und ganz zustimmen.

Karl Lindberg ist seiner spanischen Frau zuliebe mit seiner Familie von Berlin nach Barcelona gezogen, wo sie die Apotheke ihrer Eltern übernehmen soll. In Deutschland war Karl in der Mordkommission tätig, in Barcelona fehlt ihm sein Beruf zunehmend. Nachdem er seinem Schwager bei einem aufsehend erregenden Fall (nachzulesen im ersten Band „Spanische Delikatessen“) assistiert hat, ist er nun als erster Nicht-Katalane in die Mossos d’Esquadra, die katalanische Polizei, aufgenommen worden.

Besagter Schwager, Sergent Alex Diaz, ist bei den Mossos nicht gerade bliebt, hat er doch seine Position vor allem seinen exzellenten Beziehungen und nicht einem nennenswerten Können (er hat nämlich kaum Erfahrung in der Kriminalpolizei) zu verdanken. Am Tag von Karls Vereidigung ereilt ihn auch schon sein erster offizieller Fall: Auf dem Cementiri de Montjuïc, dem städtischen, riesigen Friedhof, wird eine Leiche gefunden. Schnell ist klar, dass es sich um den seit zwei Wochen verschwundenen Politiker Fernando Bunyol, den Vorsitzenden einer erzkonservativen Partei, handelt. Bunyol war wegen seiner Ansichten und Handlungen nicht gerade beliebt und so sorgt der Fall natürlich für viel Aufsehen. Und der Mord an dem Politiker bleibt nicht der einzige…

Zwei sehr unterschiedliche Schwager

Karl Lindberg und Alex Diaz sind extrem gelungene Figuren. Deutsche Gründlichkeit trifft spanische Leichtigkeit - und das zum Glück ohne zu viele Klischees. Das Verhältnis der beiden ist nicht ganz reibungsfrei, aber mittlerweile haben sie zu einem Umgang mit gegenseitigem Respekt und Toleranz gefunden, dem auch eine ganze Menge familiärer Zuneigung zugrunde liegt. Nur hin und wieder kommen die Unterschiede der Persönlichkeiten zum Tragen. Insbesondere, wenn der erfahrene Karl seinen jüngeren Schwager während der Ermittlungen mehrfach in den Schatten stellt.

Gekonnt trifft Ferrera die genau richtige Mischung zwischen Privatleben der Ermittler und dem Kriminalfall. Erfrischenderweise haben Karl und Alex keine tiefgehenden psychischen Probleme, basierend auf erlebten Traumata, sondern kämpfen mit Alltagsschwierigkeiten. Alex mit seiner Verliebtheit zu der Rechtsmedizinerin, die es ihm alles andere als leicht macht, und Karl mit den alltäglichen Schwierigkeiten eines Familienlebens.

Doch diese Dinge überschatten keinesfalls den Kriminalfall, sondern dienen in erster Linie dazu, den Lesern und Leserinnen die Figuren näher zu bringen, was auch hervorragend gelingt. Dazu trägt auch bei, dass Ferrera sehr humorvoll schreiben kann und man bei der Lektüre des Öfteren schmunzeln muss. Allerdings rutscht die Geschichte dabei nie ins Lächerliche, sondern die Autorin versteht es, ihre Erzählung an den richtigen Stellen einfach aufzulockern.

Handwerklich sehr gut gemacht

Der Kriminalfall bietet keine atemraubende Spannung, aber auch hier zeigt Ferrera, dass sie ihr Handwerk versteht. Weder die Morde an sich noch die Auflösung sind jetzt ausgesprochen innovativ, man hat  das in ähnlicher Form durchaus schon gelesen, aber es gelingt hier, den Spannungsbogen kontinuierlich aufzubauen und bis zum Ende zu halten. Insgesamt verlaufen die Ermittlungen zwar recht geradlinig, doch geschickt eingebaute Wendungen und überraschende Informationen halten das Interesse beim Lesen gleichmäßig hoch.

Zudem gibt es noch einen ungewöhnlichen Nebenstrang als Marla, die Assistentin der beiden Sergents, für 48 Stunden verschwindet und dann plötzlich über und über mit Blut bedeckt wieder vor ihnen steht. Wer allerdings ein atemloses Finale mit einem Feuerwerk an Überraschungen erwartet, wird enttäuscht werden. Das ist nicht Ferreras Stil, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut. Ganz im Gegenteil.

Obendrauf gibt es noch eine gehörige Portion Lokalkolorit, wohldosiert eingestreut, das das Flair dieser lebhaften Mittelmeer-Metropole mit seinen verstopften Straßen, den langen, lauen Sommernächten und dem guten Essen lebendig werden lässt. Im Anhang finden sich neben einem kurzen Nachwort noch ein paar Rezepte zu einigen der erwähnten spanischen Gerichte.

Fazit:

„Spanischer Totentanz“ ist genau das, was auf dem Cover versprochen wird: Ein Roman, der von einer Mischung aus Spannung, Lokalkolorit und Humor lebt und damit sehr vergnügliche Lesestunden beschert. Ferrera zeigt, dass man auch ohne traumatisierte Ermittler und ohne die Aneinanderreihung der wildesten Wendungen einen guten Krimi schreiben kann. Gerne mehr davon.

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